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Kultur
02.09.2021
04.09.2021 13:39 Uhr

Stiller Has spielen zum letzten Mal in Jona

Endo Anaconda: «Rock'n'Roll mit 70 ist peinlich.
Endo Anaconda: «Rock'n'Roll mit 70 ist peinlich. Bild: zVg
Endo Anaconda ist mit Stiller Has derzeit auf Abschiedstour, am Freitag in Jona. Für ihn sei es mit 66 Zeit, sich vom Rockleben zu verabschieden.

Endo Anaconda tourt mit seiner Band Stiller Has ein letztes Mal und steht am Freitag im Joner ZAK auf der Bühne. Auch mit 66 Jahren zeigt sich der Sänger auf seiner neuesten Platte «Pfadfinder» bissig wie eh und je. Facebook mit seinen Auswüchsen sei kriminell, sagt er im Linth24-Interview. 

Linth24: Endo Anaconda, Sie befinden sich mit Stiller Has derzeit auf Abschiedstournee. Ist Ihnen das Tourleben zu anstrengend geworden? 

Endo Anaconda: Nein. Im Moment habe ich noch Spass, aber ich bin 66 – das sagt doch alles. Man kann weitermachen, wenn man einen Riesenmarkt hat und wenig Konzerte vor vielen Leuten gibt und dabei genug verdient. Aber man kann das nicht 100 Mal im Jahr machen. Und ich möchte einfach aufhören bevor es peinlich wird.

Heisst das, das man gar nichts mehr von Ihnen hören wird? 

Man muss mit seiner Kunst auch altersgerecht werden. Das heisst aber nicht, dass ich nicht weiterhin Texte schreiben und meine Musikalität ausleben werde – aber nicht 100 Mal im Jahr. Jetzt kann ich ja noch auf der Bühne herumhüpfen, doch in Zukunft möchte ich das literarischer ausleben. Ich finde, Rock'n'Roll mit 70 ist peinlich. 

Sie waren ja nie wirklich ein Rock'n'Roller.

Das stimmt. Ich habe immer probiert, eine eigene Linie zu fahren. Der Sound, den wir spielen lässt sich ja nicht so einfach definieren. 

1989 brachten Sie Ihr erstes Album heraus. Sie lagen damals ziemlich quer in der Schweizer Musiklandschaft, es gab ja nur wenige Mundartbands. Heute ist das anders. Sind Sie quasi im Mainstream angekommen? 

Mainstream kann man jetzt wirklich nicht sagen. Es gibt ja auch einen Grund, weshalb unsere letzte Platte «Pfadfinder» kaum im Radio gespielt wird. Ich habe einfach immer probiert, wahrhaftig zu sein. Ich finde vieles in der Pop- und Rockszene klingt wie Werbung für SUVs oder Fitnessgeräte: Es ist dermassen kommerzialisiert. Es ist halt auch anstrengend, immer etwas Neues zu machen. Mir ging es nie darum, viel Geld mit Musik zu verdienen. Anfangs spielten wir für 100 Franken pro Nase – und mir ist es wurscht, ob 20 oder 100 Leute kommen: Für mich ist es immer das Gleiche, ich betrachte Musik als etwas sehr Ernstes. 

 

 

 

Endo Anaconda ist mit Roman Wyss auch mal als Duo unterwegs. Bild: zVg

In einem Interview meinten Sie, dass der Digitalisierungsschub durch Corona nichts Gutes bringe. Können Sie das genauer erklären?

Ich bin nicht Kulturpessimist oder gegen neue Medien. Aber ich kann nicht etwas unterstützen, das sich der Kontrolle unserer Gesetze entzieht. Ich sehe nicht ein, wieso ich etwas unterstützen soll, dass mit meinen Daten Geschäfte macht und ich nichts davon habe. Ich ginge sicher zu Facebook, aber dann will ich bitte ein Aktienpaket: Meine Daten sind wertvoll. Zudem: Man kann meiner Meinung nicht Inhalte, die nach unserem Gesetz illegal sind verbreiten. Ich spreche da von Pornografie mit Kindern, Verbreitung von falschen Informationen, Waffen-, Drogen und Menschenhandel und Schwarzgeld. All das ist möglich durch ein Medium, das unser Staat zulässt, weil sich Geld damit verdienen lässt. Das akzeptiere ich einfach nicht. 

Zurück zur Musik und dem Konzert im ZAK: Sie haben schon oft in Rapperswil-Jona gespielt, was gefällt Ihnen dort besonders? 

Ich erinnere mich gerne an die schöne Promenade am Seeufer, dass dort Radio Zürichsee ist und dass es ein sehr gutes japanisches Restaurant gibt. Radio Zürichsee hat auch tatsächlich immer ein paar Stücke von uns gespielt wenn wir ein neues Album rausgebracht haben. Zu unseren Konzerten in Rapperswil-Jona kann ich anfügen, dass wir immer ein sehr aufmerksames und intelligentes Publikum haben. Aber vielleicht bewegen wir uns da auch in einer bestimmten Blase. 

Endo Anaconda und seine Musiker bringen ihren ganz eigenen Sound nach Jona. Bild: zVg

Stiller Has im ZAK Jona, Freitag 3. September. Beginn: 20.30 Uhr.

Zutritt erhalten ausschliesslich Personen, die getestet, genesen oder geimpft sind und dies mittels gültigem Covid-Zertifikat belegen können.

Das Covid-Zertifikat muss beim Einlass via App oder in Papierform vorgewiesen werden. Zusätzlich muss ein amtlicher Ausweis vorgezeigt werden. Es werden keine Daten gespeichert. 

Tickets unter www.zak-jona.ch

Jérôme Stern, Linth24