Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Uznach
31.08.2021

«Freud und Leid» beim Spatenstich in Schmerikon

Die Verantwortlichen zeigen sich erfreut über den Start der Bauarbeiten.
Die Verantwortlichen zeigen sich erfreut über den Start der Bauarbeiten. Bild: Linth24
Mit dem am Montag erfolgten Spatenstich beginnen die Bauarbeiten zum Doppelspurausbau Uznach-Schmerikon. Der Gemeinderat von Schmerikon befürchtet jedoch ein lokales Verkehrschaos.

Vertreter von Bund, Kanton und Gemeinden sowie der Transportunternehmen haben am Montagabend in Schmerikon den Spatenstich zum Doppelspurausbau zwischen Uznach und Schmerikon gesetzt. Nach Abschluss der gut dreijährigen Bauarbeiten werden sämtliche Bahnhöfe im Linthgebiet mindestens halbstündlich bedient. Die Reisezeit zwischen St.Gallen und Rapperswil verkürzt sich deutlich, die Bahnfahrt zwischen der grössten und zweitgrössten Stadt im Kanton ist neu halbstündlich umsteigefrei. Die Zahl der verfügbaren Sitzplätze zwischen Uznach und Rapperswil wird erhöht. Damit können heute bestehende Kapazitätsengpässe behoben werden. Zeitgleich plant der Kanton St.Gallen die angrenzenden Busnetze neu, um die Vorteile des neuen Bahnfahrplans möglichst breit in die Region hinaustragen zu können.

Zum Beginn des Doppelspurausbaus wurde symbolisch eine Schwelle des Gleises gesetzt. Bild: Linth24

Bekannte Gesichter am Spatenstich

Am Spatenstich anwesend waren unter anderem Regierungsrat Beat Tinner, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes, Hansruedi Kaeser, Projektleiter Grossprojekte des Bundesamtes für Verkehr, Thomas Küchler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Südostbahn AG sowie René Batschelet, Gesamtprojektleiter der SBB.

Félix Brunschwiler in der Doppelrolle

Am interessantesten war wohl die Rolle von Félix Brunschwiler, welcher zum Spatenstich in der Rolle des Präsidenten der Region ZürichseeLinth erschien und nicht in der als Gemeindepräsident von Schmerikon. Als Letzterer klagte er nämlich zusammen mit der Gemeinde Schmerikon gegen gegen das Bundesamt für Verkehr beim Bundesgericht in Lausanne. «Heute bin ich nicht hier als Gemeindepräsident, sondern als Präsident der Region ZürichseeLinth», erklärt Brunschwiler am Spatenstich, «und in dieser Rolle kann ich erfreut sagen, dass mit dem Beginn des Doppelspurausbau ein Meilenstein gelegt wird.» Als Gemeindepräsident bitte er jedoch um Verständnis für die ganze Klage-Situation.

Nachtarbeiten sind unumgänglich

Um Verständnis bittet auch René Batschelet: «Aus Sicherheitsgründen werden einige Nachtarbeiten wohl unumgänglich sein. Und wo gearbeitet wird, gibt es Lärm, auch wenn wir verschiedene Massnahmen treffen, um diesen zu reduzieren. Wir bitten hierbei um Verständnis.»

Auch Thomas Küchler erwähnt: «Ich danke den Anwohnern hier in Schmerikon bereits jetzt schon, da sie in den nächsten zwei bis drei Jahren während den Arbeiten viel Geduld haben müssen.»

  • Regierungsrat Beat Tinner: «Was lange währt wird endlich gut.» Bild: Linth24
    1 / 5
  • Präsident Region ZürichseeLinth Félix Brunschwiler: «In dieser Rolle spreche ich mein Dank an die Leute aus, die für dieses Projekt gekämpft haben.» Bild: Linth24
    2 / 5
  • Thomas Küchler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Südostbahn AG: «Erstmals konfrontiert mit dem Doppelspurausbau wurde ich im Jahre 2021.» Bild: Linth24
    3 / 5
  • René Batschelet, Gesamtprojektleiter der SBB: «Bis zu den Abschlussarbeiten gibt es noch sehr viel zu tun.» Bild: Linth24
    4 / 5
  • Eine Vielzahl an Gemeindepräsidenten und -präsidentinnen und noch mehr Persönlichkeiten wohnten dem Spatenstich in Schmerikon bei. Bild: Linth24
    5 / 5

Öffentlicher Verkehr noch attraktiver

Die Beteiligten freuen sich darüber, dass die Bauarbeiten nun endlich starten können. Dank den Ausbauten verbessere sich die Erreichbarkeit innerhalb der Region, aber auch darüber hinaus. Die prosperierende Region Obersee rücke näher an die grossen Zentren, die Standortattraktivität werde erhöht und gleichzeitig die Basis für eine umweltfreundliche, nachhaltige Mobilität gelegt und der öV noch attraktiver ausgestaltet.

Des einen Freud und des anderen Leid

Wie der Gemeinderat Schmerikon per Medienmitteilung mitteilt, ist des einen Freud des anderen Leid: Schmerikon verliert den Direktanschluss nach St. Gallen und die Innerschweiz. Der halbstündlich zwingende Umstieg in Uznach nach St. Gallen erfordert von den Bahnfahrenden eine sportliche Konstitution. Schwerwiegender ist jedoch die Auswirkung auf das Strassennetz durch die längeren Schliessungszeiten der Barriere an der Allmeindstrasse, die alleinige Erschliessung des gesamten Siedlungsgebiets südlich der Bahnlinie.

Feuerwehr und Sanität steht im Stau

Bis anhin führte die Schliessung der Barriere jeweils um zwei bis drei Minuten während der Morgen- und Abendspitzenstunden bereits zu einem Rückstau des Verkehrs bis in die Ortsdurchfahrt. Durch die doppelte Anzahl Zugverbindungen wie bis anhin, wird zukünftig der Bahnübergang 37 Mal an 365 Tagen im Jahr jeweils mindestens acht Minuten geschlossen sein. Dadurch ist ein Verkehrschaos mehrmals täglich unvermeidlich. Unter diesen Bedingungen leiden nicht nur die VerkehrsteilnehmerInnen, sondern auch die Anwohner*Innen und zudem sind südlich der Bahnlinie die Menschen an Leib und Gut gefährdet, da keine Blaulichtorganisation Zugriff in nützlicher Zeit hat.

Mitverantwortung für SBB und Kanton

Der Gemeinderat von Schmerikon nimmt den Spatenstich zum Anlass, SBB und Kanton an ihre Mitverantwortung für das anstehende Verkehrschaos und die besondere Gefährdungssituation zu erinnern und erwartet konstruktive Mitwirkung in Planung und Umsetzung eines entsprechenden Notfallkonzeptes.

Die regionale Verbindungsstrasse

Langfristig besteht gemäss dem Schmerkner Gemeinderat einzig die Lösung durch eine Direktanbindung der südlichen Industrie- und Wohngebiete mittels Unterführung an den Autobahnzubringer. Die Regionale Verbindungsstrasse A15 - Gaster würde diesen Anschluss mit sich bringen; frühestens jedoch wohl 2030.

Vergeblich gelang die Politische Gemeinde mit einer Beschwerde bis vor Bundesgericht. Dieses bestätigte in ihrem ablehnenden Urteil die vom Bundesamt für Verkehr und dem Bundesverwaltungsgericht vertretene Überzeugung, dass sich die Auswirkungen der längeren Schrankenschliessungszeiten mit flankierenden Massnahmen reduzieren liessen. Sie alle blieben schuldig aufzuzeigen, welche es denn sein sollen. Sie stellen sich vielmehr auf den Standpunkt, zuständig hierfür sei nicht der Verursacher, die SBB, sondern die Strassenträger; Gemeinde und Kanton.

Der Kanton hat auf Einladung des Gemeinderates, entgegen der Überzeugung der Plangenehmigungsinstanz und der Gerichte, die Möglichkeit von flankierenden Massnahmen ausgeschlossen und verweist auf den Bau der Regionalen Verbindungsstrasse.

Dreijährige Bauarbeiten

Das vom Bund finanzierte Ausbauprojekt wird, bedingt durch Einsprachen, mit mehreren Jahren Verspätung umgesetzt. Das Projekt umfasst unter anderem den Doppelspurausbau zwischen Uznach und Schmerikon über fast drei Kilometer und die Erneuerung verschiedener Bahnübergänge und Brücken. Im Bahnhof Uznach wird am Gleis 4 ein neuer Perron errichtet. Die Signalisierung zwischen Uznach und Rapperswil wird angepasst, damit die Züge dichter nacheinander verkehren können. Die Zugänge zu den Zügen werden stufenfrei ausgestaltet und die Abstellmöglichkeiten für Velos und Autos ausgebaut.

Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen findet im Dezember 2023 statt. Die Abschlussarbeiten dauern bis Frühling 2024. Die Kosten für das gesamte Projekt betragen rund 56 Millionen Franken.

Linth24/ pd