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Kolumne
27.08.2021

Aktienbörse: Leichte Erholung

Christopher Chandiramani: «Inflations- und Zinsängste flackern immer wieder auf.»
Christopher Chandiramani: «Inflations- und Zinsängste flackern immer wieder auf.»
Nach dem Afghanistan-Schock haben sich die Märkte in den vergangenen Tagen leicht erholt. Die Corona-Fallzahlen steigen, die Behörden planen verschärfte Massnahmen und die Inflations- und Zinsängste flackern immer wieder auf.

In Afghanistan herrscht immer noch Chaos, nachdem die amerikanischen Truppen das Land verlassen haben. Die Evakuation der Ausländer ist schwierig. Das Risiko für neue Attentate steigt an. Anstatt einer Rückkehr zur Normalität nach Corona, will unser Bundesrat den Zugang zu geschlossenen Räumen und den Veranstaltungen weiter erschweren durch Covid-Zertifikate. Auch Restaurants sollen bereits anfangs September davon betroffen sein. Israel, Australien und Neuseeland sind bereits wieder teilweise im Lockdown. Steigende Rohstoffpreise bedrohen das Zinsgefüge immer noch. Überraschend gute Semesterabschlüsse der Unternehmungen bereiten Freude.

Unternehmensergebnisse – üppiger Geldregen

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) (nicht kotiert) schreibt 487 Mio. CHF Reingewinn im ersten Halbjahr 2021, den zweithöchsten Gewinn ihrer Geschichte. Kanton und Gemeinden werden davon profitieren. Geldsegen gibt es auch bei der Raiffeisen-Gruppe (nicht kotierte Genossenschaftsbank). Raiffeisen steigerte den Semestergewinn um 46 Prozent auf 505 Mio. Fr. Sämtliche Ertragspositionen haben sich verbessert. Die verwalteten Kundenvermögen sind seit Jahresbeginn um 5.6 Prozent auf 236 Mrd. Fr. angewachsen. Auch die Luzerner Kantonalbank LUKB verbessert ihre Zahlen. Die Erträge dieser Bank stiegen um 12 Prozent auf 285.1 Mio. CHF, der Geschäftserfolg s um 19 Prozent auf 139.2 Mio. CHF und der Reingewinn um 7.2 Prozent auf 111 Mio. CHF.

Bei der Industrie glänzte der Zughersteller Stadler Rail, dieser verbuchte einen 52 Prozent höheren Halbjahresumsatz von 1.4 Mrd. CHF. Das Ergebnis stieg von 15.7 auf 26.3 Mio. CHF und lag über den Erwartungen. Die Unternehmung plant auch für die zweite Jahreshälfte höhere Einnahmen und Profitabilität und bestätigt eine flexible Dividendenpolitik, etwa 60 Prozent Ausschüttung am Gewinn.

On bestätigt Börsengang

Das Biochemie-Unternehmen Bachem setzte von Januar bis Juni 239.1 Mio. CHF um, 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich wurde  61.8 Prozent mehr verdient. Dieses Jahr soll die Grenze von 500 Millionen Umsatz überschritten werden.

Die kotierten Immobiliengesellschaften Swiss Prime Site (SPS), Swiss Property (PSP), Allreal  und Zug Estates können ebenfalls mit guten Semesterzahlen aufwarten. Die guten Ergebnisse sind trotz Corona grösstenteils operativ bedingt. Es fanden aber auch Neubewertungen statt (Sondereffekte), welche sich positiv auf den Gewinn auswirken, und auch weiterhin hohe Dividendenausschüttungen erlauben.

Der Sportschuhersteller On hat einen Börsengang an die New Yorker Börse diese Woche bestätigt. Angaben aus dem Börsenprospekt lassen erste Schlüsse auf den Geldregen zu, der auf die Gründer zukommen dürfte. Auch Tennisstar Roger Federer, der Markenrechte besitzt, könnte dadurch bald in die Kreise der Milliardäre aufsteigen.

Pech hatte allerdings die Kreditbank Cembra Money Bank. Migros hat die Zusammenarbeit bei den Cumulus-Kreditkarten gekündigt. Dies führte zu einem Kurssturz der Aktie von 30 Prozent an einem einzigen Tag.

Aussichten – dynamischer Wirtschaftsmotor

Die Schweizer Wirtschaft ist im Coronajahr 2020 weniger stark geschrumpft als gedacht. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) verzeichnete gemäss der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (Quelle Staatssekretariat SECO) einen Rückgang von 2.4 Prozent, erwartet waren minus 2.6 Prozent. Im laufenden Jahr  2021 dürfte die Wirtschaft wieder stark wachsen. Experten erwarten für 2021 eine BIP-Steigerung von 3.5 Prozent. Das widerspiegelt sich auch in den guten Semesterergebnissen der Unternehmungen.

Unsicherheitsfaktoren bleiben weiterhin Corona, die Afghanistan-Krise und die inflationären Tendenzen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24