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Sport
26.08.2021
27.08.2021 06:56 Uhr

Uzner gewinnt das härteste Velorennen der Schweiz

Herbert Zahner fuhr 1005 Kilometer auf dem Rennrad in 34 Stunden.
Herbert Zahner fuhr 1005 Kilometer auf dem Rennrad in 34 Stunden. Bild: zVg
Herbert Zahner aus Uznach holt sich bei der «TORTOUR« Ultra den Titel des Schweizer Meisters. Was bedeutet es, über 1000 Kilometer an einem Stück abzuspulen?

1005 Kilometer mit 13'100 Höhenmetern in genau 34 Stunden – ohne längere Pausen. So lautet die eindrucksvolle Erfolgsbilanz von Herbert Zahner aus Uznach. Oder anders gesagt: Der 50-jährige Uzner gewinnt mit der «TORTOUR Ultra» den grössten mehrtägigen Nonstop-Ultracycling-Event der Welt und wird Schweizer Meister. 

Startschuss war am Donnerstag, 19 Uhr in Zürich. Am Samstagmorgen, 5 Uhr, fährt Zahner hier wieder über die Ziellinie. Beim Interview zwei Tage später sagt Zahner, er spüre den Schlafmangel und die Müdigkeit. Die Erholung nach einer solchen Leistung dauere länger. «Es braucht schon ein paar Tage, bis man wieder in seinem gewohnten Rhythmus ist.» Trotz aller Anstrengungen: Am Montag ist der beruflich als Banker tätige Hobby-Sportler ganz normal an der Arbeit – als wäre nicht Besonderes gewesen. 

Herbert Zahner wird bei einem nächtlichen Zwischenstopp von seinen Helfern versorgt. Bild: zVg

Welche Motivation braucht es? 

Für Zahner ist Rennvelo-Fahren seit vielen Jahren eine Leidenschaft. Insofern nicht verwunderlich, dass er auch schon an kleineren Rennen und zahlreichen Alpenbrevets teilgenommen hat. Von seiner Physis habe er relativ gute Voraussetzungen, sagt er. «Und irgendwann versucht man, die eigenen Grenzen nach oben zu verschieben, eine tolle Leistung zu erbringen. Dabei geht es sicher auch um die Konkurrenzfähigkeit.»

Tatsächlich ist es für den neuen Schweizer Meister nicht die erste Teilnahme an der «TORTOUR». 2012 nahm er seinen ersten solchen Anlass unter die Räder. Bei der letztjährigen Ausgabe lag er bis zu Hälfte des Rennens in Führung. Doch wurde das Rennen nach einem tödlichen Unfall abgebrochen und nicht gewertet. Zudem hält Zahner den Rekord für die schnellste Durchquerung der Schweiz auf dem Rennvelo von Ost nach West über rund 500 Kilometer im 14 Stunden. 

Herbert Zahner hält den Rekord für die schnellste Ost-West-Durchquerung der Schweiz. Bild: zvg

Schneller als die Schnellsten

Als 50-Jähriger musste Zahner in der Kategorie «Master», sprich Senioren, starten. Trotzdem fuhr er das Rennen schneller als jeder jüngere Teilnehmer. Eine für das Rennen vielversprechende Form könne man nicht innerhalb eines Jahres aufbauen, betont er. «Es braucht mehrere Jahre, währenddessen man konsequent daran arbeitet. Bis zum Beginn der 'TORTOUR' habe ich rund 17'000 Trainingskilometer auf dem Velo abgespult.»

Muss man, um Erfolgschancen zu haben, alles diesem einen Ziel unterordnen? «So würde ich das nicht ausdrücken», entgegnet Zahner. Er habe eine Familie, sei gut in Uznach integriert und politisch in der FDP aktiv. «Aber es stimmt schon, es braucht Verständnis vom privaten Umfeld.» Für den Event selber müsse letztlich vieles zusammenpassen, sagt Zahner und erwähnt als ganz wichtige Faktoren die Ernährung, das Material und die Betreuung. Apropos Material: Beim Rennen verwendete der Rennfahrer zwei verschieden Velos, ein besonders leichtes für den Aufstieg sowie ein speziell auf Geschwindigkeit ausgelegtes Bike. 

Bei einem Stopp empfangen die Betreuer Herbert Zahner mit neuer Bekleidung. Bild: zVg

Betreuer müssen Velofahrer sein

Wer bei der «TORTOUR» konkurrenzfähig mitfahren oder gar gewinnen will muss auch punkto Betreuung einen erheblichen Aufwand betreiben. Im Fall des Siegers bedeutet dies, dass seine Brüder und Kollegen in zwei Autos rund um die Uhr im Einsatz sind. Zahner erklärt: «Sie sind mit Velos, Nahrungsmitteln, Gels und Getränken zur Stelle, wie auch für die Verbindung mit der Rennzentrale zuständig.» Dabei sei es wichtig, dass sie selber auch Velo fahren und das Metier verstehen würden. Durch ihre eigene Erfahrung seien die Betreuer in der Lage, zu erkennen, was der Athlet gerade benötige. 

Klar, dass im Vorfeld des Rennens Ort und Zeitpunkt der «Boxenstopps» genauestens abgesprochen wurde. Auch punkto Streckenführung versuchte man, nichts dem Zufall zu überlassen: So rekognoszierte Zahner fast die ganzen 1000 Kilometer im Vorfeld. Gab es trotz allem Ehrgeiz einen Punkt im Rennen, bei dem er alles hinschmeissen wollte? «Ja, solche Momente gibt es schon. Da fragt man sich, was mache ich da überhaupt?» Aber letztlich habe man sich ja top vorbereitet und psychologisch alles durchgespielt. «Und wenn man den Col de Pion nach 500 Kilometer überwunden hat, dann bessert es langsam.»

Bleibt noch die Frage, was Zahners nächste Pläne sind? Er habe sich dieses Jahr hinsichtlich Velofahren ganz auf die TORTOUR fokussiert, antwortet der Uzner. «Jetzt stehen andere Themen an und das nächste Jahr ist velotechnisch noch weit weg.»

Jérôme Stern, Linth24