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Schmerikon
28.04.2020
28.04.2020 08:29 Uhr

Aabach-Sanierung 3.0: Amtsleiter dagegen

Dr. sc. nat. Dominik Thiel leitet das St.Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Sein Amt sei «in keiner Art und Weise von diesem erfolgten Eingriff begeistert».
Dr. sc. nat. Dominik Thiel leitet das St.Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Sein Amt sei «in keiner Art und Weise von diesem erfolgten Eingriff begeistert».
In die Debatte um die Reprofilierung des Schmerkner Aabachs schaltet sich der Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei ein: Er war von Anfang an gegen den «massiven Eingriff».

Linth24 berichtete am 27. März über die bereits begonnenen Reprofilierungsmassnahmen beim Bach, hinterfragte ihren Nutzen und wies auf ihre Schädlichkeit für bestimmte Fischarten hin.

Der Schmerkner Gemeindepräsident Félix Brunschwiler bezog am 30. März auf Linth24 Stellung zu diesem Artikel und rechtfertigte die Massnahmen. Hierbei deutete Brunschwiler an, dass die Sanierung im Einverständnis mit den Naturschutzbehörden erfolge.

Nun äussert sich Dominik Thiel, Leiter des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) und widerspricht Brunschwilers Darstellung ausdrücklich. Er schreibt:

«Damit alle auch die Meinung des ANJF kennen und sich nicht von den Zeilen von Herrn Brunschwiler verleiten lassen und herauslesen, dass wir hinter dieser Art von Gewässerunterhalt stehen: Wir sind in keiner Art und Weise von diesem erfolgten Eingriff begeistert. Wir anerkennen selbstverständlich die Notwendigkeit des Hochwasserschutzes. Leider wurden unsere Anliegen und Vorschläge zu wenig beachtet. Wir meinen zu Unrecht. Der Eingriff ist massiv. Wir hätten einen für die Ökologie weniger starken Eingriff gewünscht und haben dazu auch Vorschläge eingebracht, mit mässigem Erfolg.

Es ist nicht das erste Mal, dass man sich hinter den Sätzen ‹in Absprache mit dem ANJF› versteckt. Fakt ist: Wir waren von Beginn weg gegen diese Art von Gewässerunterhalt. Da der Hochwasserschutz in diesem Geschäft Priorität hatte, wurden die ökologischen Interessen mehrheitlich zurückgestellt. Das Resultat liegt vor, ebenso die Reaktionen verschiedener Partner.

Ich wünsche mir, dass in Zukunft bei allen notwendigen Massnahmen und Aktivitäten der Klimawandel und die Biodiversität entsprechend gewichtet wird. Ich habe immer noch den Eindruck, dass diese Themen zu wenig ernst genommen und zu wenig verstanden wird, wie schlimm die Situation mit der Umwelt bereits ist und uns Menschen enorme Folgeschäden und Kosten verursacht, worunter wir alle leiden. Es geht hier nicht nur ‹um ein paar Fische›!

Wir möchten den Fall nachbesprechen, um die zukünftigen anstehenden Unterhaltsprojekte bezüglich Ökologie zu optimieren, und laden die betroffenen Stellen zu einer Besprechung nach den Sommerferien ein.»

Somit scheint das letzte Wort in Sachen Aabach-Sanierung noch nicht gesprochen zu sein. Linth24 bleibt dran.

Hansjörg Dietiker, Linth24