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Schmerikon
27.03.2020

Unnötige «Sanierung» schädigt Aabach

Der Aabach entlang der Schmerkner Allmeind. Blick in Richtung Linthebene.
Der Aabach entlang der Schmerkner Allmeind. Blick in Richtung Linthebene.
Unter dem Deckmantel des Hochwasserschutzes wird der Zufluss des Obersees seiner Uferbepflanzung beraubt und aufgeweitet. Mit erheblichen Negativ-Folgen.

Der Aabach entspringt an den Hängen der Chrüzegg und grub sich in jahrtausendelanger Arbeit tief ins Gelände ein. Nach der wildromantischen Schlucht mit ihren steil aufstrebenden Nagelfluhwänden erreicht der Bach das Siedlungsgebiet von Uznach und Schmerikon, durchquert die Allmeind und mündet dann in den oberen Teil des Zürichsees.

Während sich im Tobel noch Bachforellen tummeln, haben die Fische im begradigten Unterlauf Mühe zu überleben. Insbesondere die im Zeichen des Klimawandels steigenden Wassertemperaturen machen den Wasserbewohnern zu schaffen.

Der Zufluss wäre eigentlich auch als Aufstiegs- und Laichgewässer für Seeforellen geeignet, wenn mit einer Renaturierung eine tiefere Niederwasserrinne geschaffen würde. Aber das Gegenteil ist der Fall!

Der Aabach entlang der Schmerkner Allmeind. Blick in Richtung Obersee-Mündung.

Die Fischereiverwaltung wehrte sich erfolglos

Mit grossem Aufwand wird der Aabach «saniert» im Sinne des Hochwasserschutzes. Die Bagger sind entlang der unteren Strecke aufgefahren, entfernten das Ufergehölz und planierten die Böschung. Und zwar auf der Südseite. Damit weitet man nicht nur den bereits strukturarmen Wasserlauf auf, sondern raubt dem Gewässer allen Schattenwurf in den heissen Sommermonaten, wenn kaum noch Wasser dem See zustrebt.

Vergeblich wehrte sich die kantonale Fischereiverwaltung gegen dieses Projekt. Wasserbau und Gemeindebehörden erachten das Hochwasserprofil als zu klein. Zudem befürchten sie, dass Geschiebeablagerungen im Delta einen Rückstau hervorrufen könnten.

Das sind wenig überzeugende Argumente: Die Hochwasserereignisse der letzten Jahrzehnte richteten kaum namhafte Schäden an und im Mündungsbereich des Obersees wird schon bisher alle paar Jahre Kies ausgebaggert – ein rentabler Auftrag für lokale Tiefbau-Unternehmen.

Einmal mehr wird unter dem Deckmantel des Hochwasserschutzes ein für den oberen Zürichsee sehr wichtiges Forellengewässer «kastriert» und eine echte Revitalisierung verhindert, die ein Laichgebiet für die bedrohte Seeforelle und andere Kieslaicher schaffen könnte. Und dies, obwohl dieser Gewässerabschnitt in der kantonalen Revitalisierungsplanung als wichtig und sanierungsbedürftig aufgeführt wird!

Hansjörg Dietiker, Linth24