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18.08.2021

Denkmalpflege: Rapperswil und Schänis geehrt

Drei Umbauten in Rapperswil und zwei in Schänis wurden von der Denkmalpflege des Kantons St. Gallen geehrt.
Drei Umbauten in Rapperswil und zwei in Schänis wurden von der Denkmalpflege des Kantons St. Gallen geehrt. Bild: Fotomontage Linth24
Die Denkmalpflege des Kantons St. Gallen gibt jährlich eine Broschüre mit herausragenden Umbauten heraus. Von 15 «ausgewählten Renovationen» stammen 3 aus Rapperswil und 2 aus Schänis.

In der Altstadt von Rapperswil scheint es eine Reihe von Bauherren zu geben, die immer wieder bereit sind, ihre Umbauten und Renovationen umsichtig und denkmalpflegerisch in die Hand zu nehmen. Im kürzlich erschienenen, reichlich bebilderten Jahresbericht 2020 werden 15 ausgewählte Renovationen des weitläufigen Kantons St. Gallen beschrieben. Drei davon betreffen Umbauten aus der Altstadt von Rapperswil und zwei aus Schänis.

Wohnungsrenovation am Fischmarkt

Das erste Beispiel betrifft eine Wohnungsrenovation an der Fischmarkstrasse 6 in der Altstadt von Rapperswil. Hier kam hinter einer modernen Verkleidung eine gemalte Figur zum Vorschein. Nach weiteren Untersuchungen legte der beigezogene Restaurator eine «wandfüllende Malerei» frei, welche um die Jahre 1600 angebracht wurde. Die Malerei, so die Denkmalpflege, sei «in ihrer Grösse und ihrem Alter einzigartig für Rapperswil». Die Motive sind religiöser Art und haben für die damalige Zeit eine ausserordentliche Qualität. Auftraggeber für die Malereien dürfte der damalige Besitzer des Hauses, Hans Ulrich Domeisen (1560 – 1619) gewesen sein.

Bauherrschaft: Mechthild und Ludwig Vollenweider-Schnyder. Architekt: asa AG, Rapperswil, David Hegner; Restaurator: Fontana & Fontana, Jona; Denkmalpflege: Moritz Flury-Rova

  • Die Brandmauer mit der noch kaum sichtbaren Renaissancemalerei. Es sind erst zwei Partien gereinigt: Links oben der Engel, rechts unten ein Stück Vorhang. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Fachwerkwand mit der «sterckhi» unmittelbar nach der Freilegung. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die restaurierte «sterckhi». Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Der Engel der Verkündigung naht oder landet im Laufschritt. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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Haus zur Schneiderei Keller

Die zweite umsichtige Renovation wurde am Haus der Schneiderei Keller an der Herrengasse 18, ebenfalls in Rapperswils Altstadt vorgenommen. Hier wurden Stuckdecken mit «reicher Jugendstilromantik» und alte Parkettböden, Wandtäfer und Gusseisenradiatoren erhalten sowie die Fassaden sanft renoviert. Wandtäfer, Wandschränke und alten Türblätter mit «zierlichen Jugendstilschlössern» wurden restauriert und neu gestrichen. Zugleich wurden «umsichtig» neue Küchen ins Wohnhaus eingebaut.

Bauherrschaft: Schneiderei Emil Keller, Rapperswil/Altendorf; Architekt: bob Architektur + Beratung AG, Denkmalpflege: Moritz Flury-Rova

  • Das für die Altstadt relativ junge Gebäude überrascht im Innern mit Stuckdecken mit reicher Jugendstilornamentik. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Schadhafte Sandsteinelemente und deren Ersatz in Bollinger Sandstein. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die filigranen Treppenhausabschlüsse mussten aufgrund der Bauschutzvorschriften ersetzt werden. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Stube im zweiten Obergeschoss vor der Renovation. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Stube im zweiten Obergeschoss. Radiator mit Jugendstilverzierung, Wandschrank, Tür und Stuck eher im Stil des Historismus. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Üppige Formen aber ganz feines Relief kennzeichnen die Jugendstil-Stuckdecken. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Eleganter Jugendstil auch bei den Türfallen. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Fassade vor der Renovation. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die restaurierte Fassade. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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Webergasse 18

Das auf 1722 zurückgehende Haus sei «kein prunkvolles Gebäude», schreibt die Denkmalpflege, das aber umgekehrt «Seltenes und Kostbares» enthalte: Barocke Fenster, Täfer aus dem 19. Jahrhundert und alte Riemenböden. Insgesamt sei hier viel historische aber verlebte Ausstattung zum Vorschein getreten, welche unter dem Leitsatz «Brauchbares erhalten und auffrischen statt auswechseln» behandelt wurde. Erwähnenswert sei auch die umsichtige Aussenrenovation und der Umgang mit den barocken Fenstern, welche dank dem Einbau von neuen Vorfenstern erhalten bleiben. Die sanfte Renovation, der Erhalt der Täfer und Böden sowie der offene Estrich und das geräumige Treppenhaus würden dem Haus heute einen ausgeprägten Charme geben.

Bauherrschaft: Bruno Hug, Bollingen; Architekt: BGS Architekten, Rapperswil, Bauleitung: Keller + Loser Architekten, Rapperswil; Denkmalpflege: Moritz Flury-Rova

  • Die Fassade vor (links) und nach der Renovierung. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Unter dem deckenden Verputz kam eine ursprünglich auf Sicht berechnete Fachwerkfassade zum Vorschein. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Dachraum mit Blick gegen Westen an die Brandmauer zu Webergasse 16. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Zimmer gegen die Rathausgasse bei Renovationsbeginn. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Dasselbe Zimmer, frisch gestrichen und mit neuem Fischgratparkett. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Zimmer im zweiten Obergeschoss gegen die Webergasse. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Zimmer gegen die Webergasse haben die zierlichen, barocken Fenster. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Farbgestaltung im Korridorbereich orientiert sich am Befund. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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Kreuzstift Schänis

Das im 9. Jahrhundert gegründete Damenstift im Ortskern von Schänis dient heute als Alters- und Pflegezentrum. Es benötigte eine neue Aussenanlage, die aufgrund alter Luftaufnahmen und Fotografien neu konzipiert wurden. Aus einem «unwirtlichen Vorplatz mit parkierten Autos» wurde eine «barockisierende», wegweisende Umgebung gestaltet. Der «wunderbare Garten mit dem Parkcafé steht heute allen Schännerinnen und Schännern offen und bildet einen schönen Rahmen für Begegnungen», wie die Denkmalpflege schreibt.

Bauherrschaft: Kurt di Gallo Schänis AG; Landschaftsarchitekt: Martin Klauser, Rorschach; Beleuchtung: Hellraum GmbH, St. Gallen; Denkmalpflege: Irene Hochreutener

  • Das Gebäude des Damenstifts zusammen mit der Stadtkirche prägen den Ortskern von Schänis. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Portalanlage um 1895, die ovale Vorfahrt und der ehemalige Gemüsegarten daneben um 1940/60 und eine Ansicht von der Strasse nach Auflösung des zentralen Blumenbeets 1967. Bild: Luchsinger, Gross, Bernhard Anderes
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  • Unwirtlicher Vorplatz mit parkierten Autos, Aufnahme vor der Fassadenrenovation 2013. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Aufgrund der Verkehrssicherheit musste das Tor zurückversetzt werden. Bild: Kreuzstift Schänis
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Burgurine Niederwindegg Schänis

Die Burg Niederwindegg zwischen Ziegelbrücke und Schänis wurde um 1200 erbaut und stand damals im Besitze der Windegger und Kyburger und später der Habsburger. Die Burg beherbergte in ihren Anfängen die «Lehensnehmer» der damaligen Könige und Kaiser, bestehend aus Klerus und Adel, die vor Ort Steuern und Zölle erhoben. 1406 ging die Burg an die Grafen von Toggenburg. Seit dem 15. Jahrhundert verkam sie jedoch zur Ruine, von der heute nur noch Grundmauern übriggeblieben sind. Die Ruine wurde nun konserviert und restauriert und bildet gemäss dem Jahresbericht der Denkmalpflege «eine spannende Sehenswürdigkeit auf dem Museumsweg zwischen Maseltrangen und Ziegelbrücke», sowie «einen wertvollen Gedankenanstoss zur Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit».

Bauherrschaft: Ortsgemeinde Schänis; Fachleitung: Jakob Obrecht, Füllinsdorf; Bauleitung: Ingenieurbüro Wickli + Hösli, Niederurnen; Denkmalpflege: Irene Hochreutener

  • Zwischen Ziegelbrücke und Schänis lag die Burg Niederwindegg – heute liegt nur noch eine Ruine dort. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Burg beherrschte das Glarnerland und die Linthebene, Luftaufnahme Richtung Westen. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Die Wehranlage beschützte den Geländesporn bergwärts gegen Osten. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Rekonstruktionszeichnung des erhaltenen Mauerteils aufgrund der Baubefunde. Bild: Joe Rohrer
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  • Die Ruine 2012 mitten im Wald. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Intakte Quaderecke und rekonstruierte Ecke... Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • ...die neuen Steine sind deutlich als Zutat zu erkennen. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Abdichtung der Mauerkrone mit neuen Kieselsteinen als Verschleissschicht. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Blick von aussen (von Osten) an die Wehranlage. Bild: Damian Imhof, Kurzschuss Photography
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  • Stich der Ruine, gezeichnet von Jakob Hoffmann, gestochen von H. Zollinger. Bild: Jahrbuch des Historischen Vereins des Kt. Glarus
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Der Jahresbericht 2020 der Denkmalpflege des Kantons St. Gallen kann bezogen werden via Mail: denkmalpflege@ sg.ch. Weitere Infos: www.denkmalpflege.sg.ch

Bruno Hug, Linth24