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Kolumne
13.08.2021

Aktienbörsen: Sommerrally und neue Rekorde

Christopher Chandiramani: «Der SMI erreichte bis am Freitagnachmittag 12‘450 Punkte.»
Christopher Chandiramani: «Der SMI erreichte bis am Freitagnachmittag 12‘450 Punkte.» Bild: zVg.
Dank guten Vorgaben aus dem Ausland, Tiefzinspolitik der Notenbanken und Super-Halbjahresergebnissen verzeichneten die Aktienmärkte neue Rekordwerte.

Anziehende Teuerung - der Preisauftrieb in den USA hat sich im Juli aufgrund der wirtschaftlichen Erholung überraschend stark beschleunigt. Die Produzentenpreise stiegen um 7.8 Prozent und die Einzelhandelspreise um 5.4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die US-Notenbank FED strebt eine Kern-Inflationsrate von höchstens 2 Prozent an, sieht allerdings den Teuerungssprung als vorübergehend an und wird vorerst noch keine Änderung der Geldpolitik vornehmen.

Wie angekündigt will US-Präsident Biden sein Hilfspaket mit einem Volumen von rund einer Billion Dollar durchsetzen, die teilweise marode Infrastruktur des Landes erneuern, Strassen, Schienen- und Wasserwege sowie Internet ausbauen die Elektromobilität fördern. Diese Massnahmen wirken aber ebenfalls inflationär und erhöhen die Staatsverschuldung massiv.

Ein Hackerangriff, ein Diebstahl von Kryptowährungen in einem Rekordwert von über 600 Mio. USD, war von den Tätern angeblich «ein Experiment aus Spass» gewesen. Rückgabe wurde versprochen. Der erfolgreiche Angriff auf den US-Dienstleister Poly Network hat überrascht, wie leicht es ist, elektronisch Beute zu machen. Der Bitcoin hat sich von den Jahrestiefstkursen wieder erholt und notierte zum Wochenschluss bei USD 46‘400.

Unternehmensmeldungen

Mit einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr 2021 überraschten die Zürich-Versicherungen. Der Betriebsgewinn stieg um 60 Prozent auf 2.71 Mrd. USD, der Reingewinn sogar um 86 Prozent. Die Prämieneinnahmen wuchsen um 15 Prozent auf über 30 Mrd. USD. Nach Bekanntgabe der Zahlen stieg der Aktienkurs um über 4 Prozent und zog auch andere Versicherungsaktien deutlich in die Pluszone. Mit über 5 Prozent hat Zürich eine der höchsten Dividendenrenditen in der Schweiz.

Credit Suisse zieht Lehren aus den Fondsskandalen mit Milliardenverlusten. Der Ex-UBS-Manager Axel Lehmann solle zum Vorsitzenden des Risikokomitees ernannt werden. Zudem plant die Bank per 1. Oktober 2021 eine ausserordentliche GV einzuberufen.

Der Hersteller von Dentalprodukten, Straumann legt im ersten Halbjahr 2021 einen Rekordumsatz hin. Die Verkäufe verbesserten sich von Januar bis Juni um 62.9 Prozent auf 985.5 Mio. CHF.

Ebenfalls verzeichnet der Westschweizer Röntgen- und Hochfrequenzspezialist Comet einen kräftigen Umsatz- und Ergebnissprung für das erste Halbjahr 2021. Unter dem Strich stieg der Reingewinn von Comet mit 27.8 Mio. CHF mehr als das Vierfache im Vergleich zum Vorjahreswert.

Ausgewogen war hingegen das Ergebnis der Glarner Kantonalbank im 1. Semester. Der Betriebsertrag steigerte sich um gut 11 Prozent auf 44.5 Mio. CHF, während der Geschäftsaufwand sich um 15 Prozent auf 26.5 Mio. erhöhte.

Aussichten

Bei einer sich beschleunigenden wirtschaftlichen Erholung sind weitere Kursavancen an den Börsen möglich, allerdings gibt es bereits KGVs (Kurs-/Gewinnverhältnisse von 40-60x, Normalwert 15-30x, je nach Branche, ob Wachstums- oder Dividendenwert, heisst überall steigende Bewertungen. Das wäre ein erstes Zeichen einer Konsolidierung nach dem starken Anstieg. Die Notenbanken halten weiterhin still mit den Zinsen. Aber kritische Marktbeobachter meinen, dass im Moment nicht mehr die Notenbanken mit Leitzinsen die Wirtschaft steuern, sondern einzeln Staaten mit ihren Corona-Massnahmen (Shutdowns und anschliessenden Lockerungen) eher mehr regulieren.  

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24