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Rapperswil-Jona
11.08.2021

Neue Beizer mit Erfolg trotz Corona

Caro und Michi Rohrer sind auf den Erfolg ihrer «Bluemä» in Uznach stolz.
Caro und Michi Rohrer sind auf den Erfolg ihrer «Bluemä» in Uznach stolz. Bild: Jérôme Stern/LInth24
Das vergangene Jahr war für Gastronomen eine Bewährungsprobe. Trotzdem haben gerade Neueinsteiger mit besonderen Rezepten Erfolg.

Das Corona-Jahr 2020 machte es den Wirten wahrlich nicht einfach: Zwei Lockdowns und ständige ändernde Sicherheitsvorkehrungen erforderten Durchhaltewillen und Improvisationstalent. Doch bekanntlich bieten Krisenzeiten auch neue Chancen. Deshalb besuchte Linth24 vier Betreiber von neuen Lokalen mit völlig unterschiedlichen Konzepten, fragte, wie sie diese Zeit gemeistert haben und wie sie ihre Zukunftsaussichten sehen. 

Das Bistro in der Stadtbadi

Nein, so hatten sich Matthias Handke und Sven Schnyder ihren Start als Geschäftsleiter des Stadtbadi-Bistros wirklich nicht vorgestellt: Die Saisonöffnung im Mai 2020 fiel aufgrund des damaligen Lockdowns komplett ins Wasser. Wobei sich die Einschränkungen aufgrund der bekannten Schutzmassnahmen durchs ganze Jahr hindurchzogen. 

Nach dem Start der aktuellen Saison fielen dann zwar Ende Juni die Einschränkungen, doch bis jetzt machte das  Regenwetter einen Strich durch die Erfolgsrechnung. Zumal die neuen Betreiber zusätzlich zum normalen Badi-Betrieb hier von Dienstag bis Samstag nach dem Badebetrieb auch eine Bar führen. Dies aber nur bei schönem Wetter. «Wir sind halt extrem Wetterabhängig – und bis jetzt hatten wir gerade mal eine Woche schönes Wetter», sagt Sven Schnyder. «Immerhin könnten wir jetzt mehr Leute reinlassen, insofern würde es schon aufgehen.» Sein Kollege Matthias Handke fasst die Situation mit knappen Worten zusammen: «Im Grunde hatten wir hier noch nie Normalbetrieb. Im letzten Jahr gab es die  Eintrittsbeschränkungen, bis jetzt hatten wir schlechtes Wetter.»

Sven Schnyder (links) und Matthias Handke hoffen auf gutes Wetter. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Die Überflieger in Uznach

Wenn ein junges Uzner Wirtepaar mit ihrer kleinen gemütlichen Beiz «Bluemä» beim «Swiss Guest Award» 2021 den ersten Platz abräumt, ist das schon bemerkenswert genug. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass Caro und Michael Rohrer die Auszeichnung schon knapp zwei Jahren nach der Eröffnung erhielten. Wobei man annehmen darf, dass dies kein Zufallstreffer war: Schliesslich landete ihr Restaurant schon im Vorjahr unter den ersten fünf Beizen bei Publikumsvoting. 

Heuer erreichte ihre «Bluemä» in allen zu bewertenden Kriterien die maximale Punktezahl. Konkret wurden dabei folgende Punkte bewertet: Service, Küche, Ambiente sowie Preis-Leistungsverhältnis. Tatsächlich hat man schon beim Eintreten das Gefühlt, im Wohnzimmer von herzlichen Gastgebern zu sein – liebevoller eingerichtet kann ein Lokal kaum wirken. «Unsere Beiz ist unser Baby, sagt Caro Rohrer, und man glaubt ihr aufs Wort. 

Sichere Adresse für Grillfans

Hinsichtlich ihrer Küche liegt das Wirtepaar ganz im aktuellen Trend einer saisonalen und regionalen Küche, wobei die Speisekarte bewusst überschaubar gehalten ist. «Alle fünf Wochen stellen wir eine neue Karte zusammen», sagt die Wirtin, «aber unsere Spezialität bleibt. Zurzeit ist es ein handgeschnittenes Tatar vom Benkner Rindlein.»

Auch für Grillfans ist das Uzner Lokal eine sichere Adresse, schliesslich kommt Fleisch bei Koch Michael Rohrer prinzipiell auf die Glut. «Ich habe einen Holzkohlengrill sowohl in der Küche wie auch auf der Terrasse», betont er. Der Leitsatz von Caro und Michael Rohrer lautet schlicht und überzeugend: «Wir kochen nichts, hinter dem wir nicht voll und ganz stehen können.»

Caro und Michael Rroher freuen sich über die Auszeichnung in Form einer Champagnerflasche. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Frischer Wind am Hauptplatz

Piero Francabandiera ist alles andere als ein Newcomer in der Gastroszene. Sein Restaurant «Scala» an der Rapperswiler Seepromenade ist seit 20 Jahren eine geschätzte Adresse für italienische Spezialitäten. Als das «Jakob» am Hauptplatz auf Anfang 2021 frei wurde, zögerte er jedoch zunächst. «Ich dachte, ein weiterer Betrieb ist zu viel.» Die Gastronomie sei zeitintensiv und erfordere viel persönliche Präsenz, sagt Francabandiera. Doch an dieser Stelle kam seine Tochter Laila ins Spiel: Sie fand, dass sie nach der Hotelfachschule und anschliessender mehrjähriger Erfahrung gerne gemeinsam mit ihrem Vater das «Jakob» führen würde. 

Damit stand der Übernahme des Traditionslokals mit Hotelbetrieb nichts mehr im Wege. Während Laila das Hotel führt und Mutter Sonja die administrativen Arbeiten erledigt, kümmert sich Vater Piero ums Restaurant. «Am Anfang war es aufgrund der Corona-Einschränkungen schwierig», sagt der Wirt. Sie hätten sich zu Beginn auf Take-Away-Angebote beschränken müssen. Zu dieser Zeit kam die Tochter auf die Idee, ein «Sleep and Dine»-Packet zu offerieren. Für einen günstigen Tarif konnten Gäste nach einem ausgiebigen Dinner übernachten und am Morgen das Frühstücksbuffet geniessen. «Das ist super gelaufen», sagt Piero Francabandiera und betont, dass viele Leute aus der Stadt das Angebot genutzt hätten. 

Schwierig Mitarbeiter zu finden

Doch Corona hat auch langfristige Schwierigkeiten gebracht. Laut Piero Francabandiera ist es momentan schwierig, neue Mitarbeiter zu finden. Der Grund? «Mit dem Lockdown sind viele Service- und Küchenangestellte aus der Gastronomie-Branche ausgestiegen und bis jetzt nicht wieder zurückgekommen.» Natürlich sei die Arbeit intensiv, man müsse an Wochenenden arbeiten und flexibel sein, räumt er ein. Klar ist, dass eine leidenschaftliche Beizerfamilie wie die Francabandieras sich von solchen Bedingungen nicht beeindrucken lassen. 

Sonja, Laila und Piero Francabandiera (von rechts) führen das «Jakob» als Familienbetrieb. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Bar mit internationalem Flair

Christian Burka hatte seine Bar «7Eleven» im Uzner Städtli nach zwei Monaten Betriebsdauer kaum richtig eingeweiht, als der Lockdown im Dezember 2020 kam und er vorübergehend dichtmachen musste. Die Unterstützungs-Beiträge des Bundes seien minimal gewesen, was ihn umso mehr geschmerzt habe, weil er die laufenden Kosten weiterhin habe tragen müssen, sagt Burka. «Zudem sind die Wintermonate bei Bars die umsatzstärkste Zeit.»

Glücklicherweise konnte sich der neue Barbetreiber mit seinem anderem Job als Flight Attendant bei der Swiss über Wasser halten. Als er unter den bekannten Auflagen wieder öffnen konnte, brauchte er zunächst mehr Personal, welche deren Durchsetzung überwachen musste. Bekanntlich dürfen in geschlossenen Räumen nach wie vor höchstens sechs Personen pro Tisch zusammen sitzen. Doch während andere Wirte das Regenwetter beklagten, wars für Burka ein Glück. «So hat es mittlerweile recht gut angezogen. Und jetzt bringen ich wieder neue Bands rein und plane Events.» Apropos Events: Burkas Konzept ist es, die Bar mit Anlässen noch attraktiver zu machen. So veranstaltet er neben Konzerten beispielsweise Dart- oder Billardturniere.

Abschreckende Arbeitszeiten

Fünf Mitarbeiter beschäftigt Burka derzeit auf Stundenbasis. Er ist überzeugt, mit seiner Bar endlich wieder auf gutem Wege zu sein. Doch auch er hat Mühe, gutes Personal zu rekrutieren. «Man findet aktuell keine geschulten Leute mit Erfahrung», sagt er. Er suche schon seit Monaten zwei Mitarbeiter und habe bis jetzt keine einzige Bewerbung erhalten. Er wisse auch von Kollegen, die grosse Probleme hätten Personal zu finden. Burka: «Ich kann mir vorstellen, dass viele von den Arbeitszeiten abgeschreckt werden.»

Christian Burka mit seiner Partnerin Jeanine Kessler (zweite v. links) und Mitarbeiterinnen. Bild: zVg
Jérôme Stern, Linth24