Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Kolumne
23.07.2021
23.07.2021 16:54 Uhr

Aktienbörsen: Im Zeichen der Berichterstattung

Christopher Chandiramani: «Unwetter haben diesen Sommer grosse Schäden angerichtet, was die Versicherungen viel Geld kosten dürfte.»
Christopher Chandiramani: «Unwetter haben diesen Sommer grosse Schäden angerichtet, was die Versicherungen viel Geld kosten dürfte.» Bild: zVg.
Die Unternehmensergebnisse von zahlreichen multinationalen Gesellschaften haben für Bewegung gesorgt. Nach einem schwachen Wochenstart durch Gewinnmitnahmen hat die Schweizer Börse wiederum eine Rekordmarke überschritten.

Die Inflation steigt weiterhin. Die Notenbanken geben aber Entwarnung und betrachten das als vorübergehend. Der Leitzins der EZB bleibt unverändert tief. Entsprechend handeln auch die anderen Notenbanken FED (USA) und SNB (Schweiz) so.

Einige Staaten (Italien, Israel, Frankreich) verschärfen wiederum die Pandemie-Massnahmen, fürchten sich vor der neuen Delta-Variante. Die Schweiz, Deutschland und die Schweiz lockern aber mit zahlreichen Vorbehalten. In diversen Staaten wird ein Impf-Obligatorium diskutiert.

Die Währungen blieben mehrheitlich stabil, der Bitcoin erholte sich wieder über USD 32‘000. Erdöl schwächte sich vorübergehend ab, nachdem sich die OPEC auf höhere Förderquoten geeinigt hatte.

Chemie- und Pharmawerte im Fokus

Im Zentrum der Zwischenergebnisse stand die Chemie und Pharmaindustrie, aber bei volatilen Aktienkursen. Der Pharmakonzern Novartis übertraf im zweiten Quartal alle Schätzungen. Die Basler konnten Umsatz und Gewinn steigern. Entsprechend weist der Konzern für das zweite Quartal 2021 einen Umsatz von 13.0 Mrd. USD aus, mit einem Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Corona-Tests (Diagnostika) hat dem Schweizer Pharmakonzern Roche im ersten Halbjahr beflügelt. Insgesamt stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um 5 Prozent (währungsbereinigt 8%) auf 30.7 Mrd. CHF. Damit schnitt das Unternehmen ebenfalls besser ab.

Auch der Bauchemiekonzern Sika bleibt weiterhin auf Rekordkurs. In Zahlen stieg der Umsatz von Januar bis Juni um 23.1 Prozent auf 4.45 Mrd. CHF. Die Gewinne steigen überproportional. Das operative Betriebsergebnis EBIT steigerte sich sogar um 67 Prozent auf 685.9 Mio. CHF. Dies bedeutet auch eine Rekordmarge von 15.4 Prozent.

Der Pharmazulieferer Lonza hat im ersten Semester 2021 den Umsatz um 13.3 Prozent auf 2.54 Mrd. CHF gesteigert. Die zur Jahresmitte verkaufte Chemiesparte LSI ist in diesen Zahlen bereits berücksichtigt. Verdient hat Lonza vor an den Grundstoffen für Impfungen und Medikamenten (speziell Moderna) zur Bekämpfung des Corona-Virus. Die Gesellschaft wird weiterhin stark wachsen und im Wallis neue Arbeitsplätze schaffen.

Auch Banken und Finanzdienstleister, UBS, Julius Bär und Partners Group, haben im 1. Halbjahr Rekordergebnisse erreicht mit entsprechenden Kurssteigerungen ihrer Aktien.

Aussichten

Die Aktienbörsen haben sich in diesem Jahr ausserordentlich gut entwickelt, Gründe dafür sind die expansive Politik der Notenbanken, die staatlichen Hilfsgelder zur Bewältigung der Pandemie und die wirtschaftliche Erholung. Einige Halbjahresergebnisse von Unternehmungen sind zurzeit traumhaft hoch. Die Erholung fand vor allem in den Bereichen Technologie und Pharmazie statt sowie Zyklikern (Maschinen, Elektronik) statt. Bei den Finanzwerten war die Kursentwicklung insgesamt schwächer. Gleichzeitig herrscht zunehmend Angst von weiteren Corona-Mutationen (Deltavariante), welche demnächst wiederum zu strengeren Massnahmen oder sogar Lockdowns führen könnte. Die Inflation ist spürbar gestiegen, bei einigen Produkten gibt es eine Verknappung (Holz), was bereits zu Zinsängsten geführt hat. Die Notenbanken bleiben gelassen. Unwetter haben diesen Sommer grosse Schäden angerichtet, was die Versicherungen viel Geld kosten dürfte. Soeben haben die olympischen Spiele in Tokyo vor leeren Rängen wegen Corona begonnen. Zu hoffen ist, dass für die japanische Wirtschaft trotzdem etwas Wertschöpfung anfällt. 

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24