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Rapperswil-Jona
18.07.2021
18.07.2021 11:14 Uhr

Jugendbande «La familia» terrorisiert Rapperswil-Jona

Jugendbande: Die Polizei habe in den letzten 2-3 Jahren diverse Anzeigen an die Jugendanwaltschaft erstattet.
Jugendbande: Die Polizei habe in den letzten 2-3 Jahren diverse Anzeigen an die Jugendanwaltschaft erstattet. Bild: (Symbolbild)
Die Übergriffe einer Jugendbande in Rapperswil häufen sich. Die Opfer resignieren aus Furcht vor weiteren Repressionen, einige erstatten aber Anzeige. Linth24 hat mit Betroffenen gesprochen.

In Rapperswil- Jona gibt es Probleme mit Bandenkriminalität von Jugendlichen im Oberstufenalter. Eine Gang hoffnungsloser Möchtegern-Gangstern findet Spass an Diebstahl, Raub, Belästigung, Einschüchterung, Drohung, sexuellen Übergriffen, Drogenhandel und anderem als «Freizeitaktivitäten».

Was ist passiert?

Linth24 wurde mehrfach darüber informiert und hat mit Betroffenen gesprochen. Dass es dabei immer die Schwächeren trifft, ist selbstredend. Darum möchten sie auch anonym bleiben.

R.F. «Unser Kind wurde ausgeraubt, bestohlen und mit Prügel bedroht, falls die Übergriffe publik würden. Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet. Die Schule interessiert das anscheinend nicht.»

S.M. «Auf dem Schulareal wurde während der Schulzeit mit Drogen und Alkohol gedealt. Die Dealer haben sich vom Bahnhofsareal, wo sie ständig kontrolliert wurden, auf die Schulhäuser zurückgezogen. Unser Kind war ständig damit konfrontiert und hat zuhause davon erzählt. Ältere und ehemalige Schüler haben einen Teil der Mädchen als 'Nutten' missbraucht.» 

P.R.: «Unser Kind wurde belästigt, wir haben uns deshalb für eine Privatschule entschieden. Dort herrscht ein völlig anderer, wertschätzender Umgang. Zwischen den Jugendlichen untereinander und auch mit den Lehrpersonen.» 

Linth24 traf auf einen der Täter. Doch auch auf direkte Ansprache wollte er sich nicht äussern. Wen wundert’s? In der Gruppe stark und unverschämt, schrumpft das Ego, trifft man einen der Täter alleine. Der einzige Spruch, welcher der Angesprochenen auf Lager hatte, war: «Wir sind La Familia». Um gleich nachzuschieben, dass «die anderen immer Quatsch machen und nicht er».

Was sagen Kapo und Stadt?

Was sagt die Kantonspolizei zu diesen Zuständen in Rapperswil-Jona? Florian Schneider, stellvertretender Leiter Kommunikation: «Die Kantonspolizei St. Gallen hat Kenntnis von einer Gruppe Jugendlicher, die sich 'La Familia' nennt». In den letzten 2-3 Jahren habe die Polizei diverse Anzeigen an die Jugendanwaltschaft erstattet. Florian Schneider weiter: «Aus polizeitaktischen Gründen kann nichts weiter zu der Gruppe gesagt werden. Wir nehmen die Situation ernst.»

Und was sagt Rapperswil-Jona dazu? Stadtrat Luca Eberle: «Es gibt keine regelmässige Berichterstattung über dieses Thema im Stadtrat. Die Schule hat zum Teil Kenntnis von Vorfällen, die in der Freizeit stattfinden. Gewalt ist während den Schulzeiten auf den Schularealen aktuell kein grösseres Problem als in der Vergangenheit.»

Verantwortung abschieben?

Linth24 weiss, dass es auch Vorfälle während der Schulzeit, in den Pausen gibt. Zur Frage, wie Schul- und Stadtbehörden mit der zunehmenden Problematik umgehen, lautet die Antwort von Eberle: «Die Stadt beauftragt den Sicherheitsdienst zu Patrouillen an neuralgischen Orten zu spezifischen Zeiten. Ermittlungen im Zusammenhang mit Straftaten gehören in den Aufgabenbereich der Polizei. Wenn die Polizei aufgrund von Vorfällen den Kontakt mit der Stadt sucht, findet ein Austausch statt.» Ebenso sei die Schule im Kontakt mit dem Jugenddienst der Kantonspolizei, vor allem im Sinne von Prävention. 

Das genügt einer betroffenen Mutter überhaupt nicht: «Unser Kind wurde ausgeraubt, die Polizei schreibt von 'allfälligem' Diebstahl und Bedrohung. Die Antworten von Stadt und Polizei sind in meinen Augen geschickte Ausweichmanöver.» Einer schiebe die Verantwortung auf den nächsten und auch die Sicherheit der Opfer bleibe damit in der Verantwortung der Eltern.

Redaktion Linth24