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Essen & Trinken
05.04.2020
05.04.2020 16:46 Uhr

Dietikers himmlische Düfte

Tartuffi - Foto Betty Bossi
Tartuffi - Foto Betty Bossi
In diesen Corona-Zeiten besinnt man sich der eigenen Küche und ihren Düften. Hansjörg Dietiker verrät Ihnen seine sieben Lieblinge.

Mein Appetit wird zum Heisshunger, wenn ich in Butter oder Olivenöl angedämpfte Zwiebeln rieche. Glücklicherweise gibt es viele Gerichte, die damit beginnen. Fast jede Sauce kann mit dem betörenden Duft der langsam gläsern brutzelnden Zwiebeln oder Schalotten eingeleitet werden. Danach kommt frisches Gemüse dazu und schon hat man eine gesunde Beilage auf dem Tisch. Oder wie wäre es mit einem Steinpilzrisotto? Dafür braucht es keine grossen Kochkünste – jetzt ist die Zeit gekommen, sich an den Herd zu wagen.

Frisches Brot

Die halbe Wohnung schmeckt verführerisch, wenn Brot gebacken wird. Probieren Sie ein einfaches Rezept, das mit wenig Aufwand ein knuspriges Resultat ergibt. Zugegeben, man braucht Zeit respektive Geduld für die Zubereitung des Cocotte-Brot. Aber kein anderes Rezept nutzt den Gusseisentopf so intensiv wie diese ungewöhnliche Art des Brotbackens. Kein Kneten, keine Hexerei, nur Mehl, Wasser, kaum Hefe und etwas Meersalz – das Resultat ist sagenhaft: So muss Brot sein, mit einer Kruste, die beim Herausnehmen und Abkühlen hörbar singt (kracht). Googeln Sie das Rezept unter «Cocotte Brot» – sie werden begeistert sein!

Das Geheimnis des Cocotte-Brots: Teig 15 Stunden ruhen lassen, nach dem Backen bleibt es dann tagelang frisch und knusprig.

Fleischkäse mit Senf

Komischerweise nennt man den Fleischkäse in der Romandie „Fromage d´Italie“, also „Käse aus Italien“. Das ist umso erstaunlicher, als der Fleischkäse gar nichts mit Käse zu tun hat und ursprünglich aus Bayern stammt (Leberkäse). Den besten Fleischkäse im Linthgebiet erhält man bei der Metzgerei Betschart in Eschenbach und Schmerikon. Er riecht ebenso frisch wie würzig und ich esse ihn am liebsten mit Dijon-Senf und knusprigem (Cocotte) Brot. Natürlich schmeckt er auch gebraten mit einem Kartoffelsalat mit Zwiebeln.

Frühlingsdüfte

Jedes Jahr zieht es mich in den Wald, wenn der erste Bärlauch spriesst. Schon beim Pflücken der zarten Blätter geniesse ich den leichten Knoblauchduft, der sich dann in vielen Variationen in der Küche verdichten lässt. Im Risotto, auf der Wähe, in der Suppe, für Pesto oder Kräuterbutter.

Kurz nach dem Bärlauch kann man auch jungen Löwenzahn und Brennesseltriebe ernten. Diese lassen sich ebenso vielseitig verwenden; meine Favoriten sind der Löwenzahn-Salat und die Brennessel-Wähe, je mit gerösteten Speckwürfelchen. Der Frühling ist da!

Foto fallstaff.ch

Butterbrot mit Radiesli

Zurück zur Einfachheit mit einem Butterbrot – was könnte besser in diese Zeiten passen! Fast haben wir vergessen, wie grossartig Anke und Brot zusammen passen. Besorgen Sie sich gartenfrische Radieschen dazu und bestreuen Sie diese mit grobem Fleur de Sel. Man beisst in das knackige, leicht scharfe Innere und kaut mit einem Bissen Butterbrot – himmlisch!

Käse mit Wein

Ich kann jeder süssen Verführung widerstehen, wenn zum Dessert Käse auf den Tisch kommt.Vorzugsweise cremiger Weich- oder gereifter, hocharomatischer Hart-Käse und dazu ein gehaltvoller Rotwein. Zu einem Blauschimmel-Käse darf es auch ein hochprozentiger Süsswein oder Port sein. Genuss pur!

Tartuffi

Den betörendsten Duft überhaupt verströmt für mich der weisse Trüffel (aus dem Piemont). Seit Jahrzehnten fasziniert mich dieser Geschmack! Glücklicherweise gibt es die unansehnliche Knolle nur im Spätherbst, denn deren Preis erreicht astronomische Höhen. Aber jedes Jahr erliege ich dem unvergleichlichen, betörenden Duft: fein gehobelt auf einem Teller Pasta oder auf einem in viel Butter gebratenen Spiegelei. Euphorisierend!

Hansjörg Dietiker, Linth24