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Rapperswil-Jona
11.07.2021
11.07.2021 14:26 Uhr

Boomt der Schachsport auch in Rapperswil?

Der Präsident des Schachclub Rapperswil, Markus Rhyner (l) und der Vizepräsident, Thomas Hofstetter im Linth24 Gespräch
Der Präsident des Schachclub Rapperswil, Markus Rhyner (l) und der Vizepräsident, Thomas Hofstetter im Linth24 Gespräch Bild: Rolf Lutz, Linth24
Der Lockdown löste weltweit einen veritablen Schachboom aus. Die Online-Schachportale explodierten regelrecht. Was das für den Schachclub Rapperswil bedeutet, haben wir im Gespräch mit Exponenten des Vereins erfahren.

Der Schachsport boomt. Seit dem Lockdown haben Millionen von Menschen weltweit das Brettspiel neu für sich entdeckt. Dazu beigetragen hat auch die Netflix-Serie «The Queens Gambit» (das Damengambit.) Die Serie begeisterte die Zuschauer und keine Netflix-Serie wurde so oft gesehen.

Die Frage stellt sich, ob dieser Boom anhält, und ob die Schachvereine davon profitieren können. Linth24 hat den Präsidenten des Schachclub Rapperswil, Markus Rhyner und den Vizepräsidenten, Thomas Hofstetter zum Sonntagsgespräch getroffen.

Die Netflix Serie «The Queens Gambit» hat Schach in alle Munde gebracht. Haben Sie die Serie gesehen und was halten Sie davon?
Markus Rhyner:
Ich habe sie gesehen und es hat mich an Bobby Fischer erinnert. Was mich besonders freut an der Serie ist, dass Schach dadurch wieder in aller Munde ist, nachdem es lange Zeit eher rückläufig war. Jetzt spielt man es wieder vermehrt in der Familie, Kinder mit den Eltern oder Grosseltern, und das ist wirklich etwas sehr Schönes.

Erklären Sie einem Laien, was ist das «Queens Gambit», oder eben das Damengambit.
Thomas Hofstetter:
Einfach erklärt bringt man ein Opfer auf dem Damenflügel durch den Vorstoss zum Beispiel eines Bauern. Damit erhält man einen Entwicklungsvorsprung.

Seit dem Lockdown, insbesondere aber seit der Netflix-Serie erlebt der Schachsport einen regelrechten Boom Bild: Rolf Lutz, Linth24

…das klingt ziemlich kompliziert. Wie schwer ist Schach wirklich zu erlernen?
Thomas Hofstetter:
Am Anfang kann es kompliziert erscheinen, aber wenn man in das Spiel reinkommt, erscheint es wieder einfach. Spielt man irgendwann auf einem hohen Niveau, dann ist es für viele wieder sehr kompliziert. Es hat also alle Facetten und ist für jede Stufe geeignet - und das macht u.a. den Anreiz des Spieles.

Während des Lockdowns sind die Zugriffe auf Online-Platformen regelrecht explodiert.  Ist das nun ein Fluch oder Segen für den Schachclub Rapperswil?
Markus Rhyner:
Es stimmt, es war ein totaler Boom, jeder wollte online spielen. Man hat dort jederzeit sofort einen Gegner zur Verfügung. Wir konnten jedoch feststellen, dass das Interesse am Online-Spielen schon wieder rückläufig ist. Es wurde meiner Meinung nach zu schnell zu viel angeboten. Wir merken in der Zwischenzeit, dass der soziale Aspekt fehlt und dass die Menschen wieder lieber gegen Menschen als gegen den Computer spielen.

Können Sie ein Beispiel machen?
Markus Rhyner:
Wir führen jedes Jahr unser «Rosen-Open» durch, ein Turnier für Jedermann im Kirchgemeindehaus, welches dieses Wochenende stattfindet. Dieses Jahr wurden wir regelrecht überrollt von Anmeldungen. Man sieht also, dass die Leute wieder raus wollen, um gegen echte Gegner zu spielen.

Haben Sie dies auch durch Neueintritte in Ihren Verein gespürt?
Markus Rhyner:
Nein, im Erwachsenenbereich leider nicht. Im Juniorenbereich hatten wir jedoch Anfragen. Wir merken, dass die jungen Menschen vermehrt Plausch am Schachsport finden und sich auch schneller getrauen, unverbindlich im Schachclub reinzuschauen.

Der Star der Serie «The Queens Gambit» ist eine Frau. Wie viele Frauen spielen im Schachclub Rapperswil?
Markus Rhyner:
Keine einzige. Leider. Im Rosen-Open melden sich jeweils Frauen an, aber im Club sind wir momentan eine reine Männerdomäne. Ich hoffe, dass sich das ändern wird.

Wenn ich jetzt richtig begeistert bin vom Schachspiel, kann ich da einfach dem Schachclub beitreten, auch wenn ich noch ein völliger Anfänger bin?
Thomas Hofstetter:
Klar. Ganz einfach: Man kommt an einen Trainingsabend vorbei und dann schauen wir an, wie das Niveau ist und passen dann das Training an. Bei uns muss niemand Schwellenangst haben, sondern im Vordergrund steht, dass alle Freude am Schachspiel haben und sich bei uns wohl fühlen.

Markus Rhyner: Es kommen ab und zu Gäste ins Training, die haben Angst vor einem Ernstkampf. Aber nur dieser und die anschliessende Analyse bringen den Spieler weiter. Man darf da keine Angst haben - dann verliert man halt die erste fünfzig Partien (lacht). Aber der Fortschritt, den man dabei macht, der ist für jeden frappant.

Erzählen Sie zum Schluss noch etwas über den Schachclub Rapperswil.
Markus Rhyner:
Wir sind rund 30 Mitglieder, wovon 15 bis 20 wirklich aktiv spielen. Wir treffen uns einmal in der Woche, am Mittwochabend, im Clublokal. Daneben führen wir jedes Jahr zwei bis drei Turniere durch. Zum Beispiel während den Sommermonaten das «Schüür-Turnier», dann das grosse Rosen-Open mit über 70 Anmeldungen dieses Jahr. Im Winter machen wir einmal im Monat ein Online Turnier und dann gibt es die Stadtmeisterschaft. Wir sind an Neumitgliedern, auch an Schach-Einsteigern, sehr interessiert und heissen diese bei uns herzlich willkommen.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.schach-rj.ch

Rolf Lutz, Linth24