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Kanton
09.06.2021
09.06.2021 16:28 Uhr

Afrikanische Schweinepest: St.Gallen übt schon mal

Im Wald wurde nach Kadavern gesucht. Bild: sg.ch
Der Veterinärdienst des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in Zusammenarbeit mit dem ANJF den Ernstfall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geübt.

Das Coronavirus wird sicher nicht die letzte Pandemie sein und deshalb bereitet sich der Kanton St.Gallen auf den Ernstfall eines möglichen nächsten Virus vor: Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Im Rahmen einer Wildschweine-Suchübung (Übung «Scrofa») sollten das Bekämpfungskonzept, das Material und die Zusammenarbeit getestet werden.

Das Übungsszenario sah vor, dass am 1. Juni 2021 im Bischofszeller Wald bei Niederbüren ein totes Wildschwein gefunden und im Labor positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet wurde. Daraufhin definierte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zusammen mit den zuständigen Ämtern im Kanton St.Gallen die weiteren Massnahmen. Gemäss Vorgabe der Technischen Weisungen des BLV wurde ein Initialsperrgebiet bestimmt, in welchem die Suche nach weiteren infizierten Wildschweinen erste Priorität hat.

 

  • Die Suchmannschaft bestand aus Mitarbeitern der Jagd- und Forstbehörde sowie aus Mitgliedern der lokalen Jagdgesellschaft. Bild: sg.ch
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  • Auch Spürhunde wurden eingesetzt. Bild: sg.ch
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Ziel der Übung war es, die Kadaver (tote Hausschweine und Präparate von Wildschweinen) gemäss den Vorgaben des Konzepts «Bekämpfungsmassnahmen im Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest ASP beim Wildschwein im Kanton St.Gallen» zu finden, zu beproben, korrekt zu bergen und seuchensicher zu entsorgen. Ebenso sollte das benötigte Material getestet und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren gefestigt werden.

Sechs von sieben Kadavern gefunden

Um 8 Uhr morgens traf sich die Suchmannschaft, bestehend aus Mitarbeitern der Jagd- und Forstbehörde sowie aus Mitgliedern der lokalen Jagdgesellschaft, bei der tierärztlichen Kontrollstelle in Oberbüren und nahm die Instruktionen der Übungs- und Einsatzleitung entgegen. Im Bischofszeller Wald begann die Suche. Dabei bildeten die 24 Teilnehmer eine Kette und durchforsteten den Wald sektorenweise. Nach jedem Fund wurde der Einsatzleiter informiert.

Dieser sperrte den Fundort ab, zog eine Schutzausrüstung an, beprobte den Kadaver, desinfizierte die Fundstelle und barg den Kadaver. Innert drei Stunden wurde so eine Fläche von rund 18 Hektaren abgesucht; von insgesamt sieben versteckten Kadavern und Präparaten konnten sechs gefunden werden. Anschliessend fand eine Demonstration des Suchhundeteams unter der Leitung von Hans Döbeli, Arbeitsgemeinschaft ASP-Spürhunde Schweiz, statt. Die zwei ausgebildeten Labrador-Hunde zeigten eindrücklich, wie sie die Präparate aufspüren und dem Hundeführer den Fund melden.

Schliesslich wurden die Kadaver bei der Kontrollstelle angeliefert, wo sie von einem Amtstierarzt entgegengenommen und in einen Container entsorgt wurden. Ein Fahrzeug der TMF Extraktionswerk AG holte sie ab und brachte sie nach Bazenheid zur Verbrennung.

Innert drei Stunden wurde eine Fläche von rund 18 Hektaren abgesucht. Bild: sg.ch

Enormer Personal- und Zeitbedarf

Die Übung brachte wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich notwendiger Anpassungen im Konzept. So sollten bei der Suche vermehrt technische Hilfsmittel eingesetzt werden, und weitere geringfügige Material-Anschaffungen sind nötig. Der parallele Einsatz von Suchhunden kann je nach Gelände, Witterungsverhältnissen, Vegetation und Jahreszeit sinnvoll sein.

Eine grosse Herausforderung bildet der enorme Personal- und Zeitbedarf für das Suchen von toten Wildschweinen. Im Ernstfall wird es nötig sein, in erster Linie risikoorientiert in den bekannten Wildschweineinständen zu suchen.

Die gesammelten Erfahrungen und ein steter Wissensaustausch mit den Partnern auf kantonaler, nationaler und internationaler Ebene ermöglichen es dem Kanton St.Gallen, möglichst gut für den Fall eines ASP-Ausbruchs beim Wildschwein vorbereitet zu sein.

Linth24/ pd