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Rapperswil-Jona
09.06.2021
07.06.2021 14:21 Uhr

Literaturtage bringen Friedrich Glauser in den Schlosshof

Graziella Rossi und Helmut Vogel erwecken die Liebesbriefe von Friedrich Glauser zu neuem Leben. Bild: zVg
Friedrich Glauser gehört zu den markantesten Schweizer Autoren. Die Organisatoren der Literaturtage bringen seine Liebesbriefe auf die Bühne.

Zuerst die gute Nachricht: Die Literaturtage Rapperwil-Jona 2021 finden statt. Und zwar am Dienstag, 29. Juni mit einer Lesung im Schlosshof. Die weniger gute Nachricht ist, dass dies auch die einzige Lesung ist. Grund ist wenig überraschend Corona, respektive die Schutzmassnahmen. Daniela Colombo, einer der drei Organisatorinnen des Anlasses, erklärt: «Ursprünglich waren die Literaturtage ja im März geplant gewesen. Doch dann waren bekanntlich keinerlei Veranstaltungen erlaubt.» 

Doch zumindest einen Anlass, die szenische Lesung mit den Liebesbriefen von Friedrich Glauser, wollten sie unbedingt durchführen. Zumal Leserin und Leser Graziella Rossi und Hemut Vogel als freischaffende Künstler auf Auftritte angewiesen sind. «Ziemlich bald wurde es absehbar, dass Anlässe im Freien im Juni wieder erlaubt sein würden», sagt Colombo. Deshalb habe man sich auch dafür entschlossen, den Anlass im Freien durchzuführen.

Daniela Colombo begeistert sich schon lange für Friedrich Glauser. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Mit einem lachenden und einem weinendem Auge

Natürlich bedauert Daniela Colombo, dass die Veranstaltung derart schrumpfen musste. Nicht zuletzt, weil namhafte Autoren wie etwa Jonas Lüscher schon zugesagt hatten. Eine Verlegung in den Herbst war für die Organisatoren keine Option, da unsicher war, ob der Hof im Schloss Rapperswil zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch erhältlich wäre. Schliesslich sollen dann die Vorbereitungen für den Schlossumbau starten. 

Ein Grund weshalb man Friedrich Glauser von einer eher unbekannte Seite als Verfasser von Liebesbriefen präsentieren möchte, ist sein 125. Geburtstag. Nun war der Autor der «Wachtmeister Studer»-Romane eine schillernde und zugleich tragische Gestalt. Er führte ein unstetes Leben, wurde als junger Mann Morphium-süchtig und landete deshalb immer wieder in psychiatrischen Kliniken. 

Friedrich Glauser führte ein unstetes, getriebenes Leben. Bild: zVg

Glauser und die Frauen

Wie erwähnt konzentriert sich die Lesung auf Glausers Beziehung zu Frauen. Dabei stützt man sich auf das Buch «Du wirst heillos Geduld haben müssen mit mir». Daniela Colombo erklärt, wie ihr der Schriftsteller in den Briefen entgegentritt: «Einerseits sucht er manchmal eine mütterliche Nähe, andererseits behandelt er Frauen auch absolut gleichberechtigt.» Er sei kein Macho gewesen, sondern habe das andere Geschlecht immer respektvoll behandelt. 

Gewissermassen eine Garantie für eine eindrückliche Lesung sind Graziella Rossi und Helmut Vogel, seit Jahren ein eingespieltes Team, das sich blind versteht und ergänzt. Musikalisch begleitet werden die Beiden durch den Schauspieler und Musiker Markus Keller am Kontrabass. Zusätzlich geplant sind auch Bilder, die Glauser und einige der Frauen zeigen. «Wobei wir noch nicht genau wissen, wie wir das umsetzen», so Colombo. Jedenfalls freue sie sich riesig auf die Lesung in der stimmungsvollen Kulisse. Dass die Literaturtage angesichts der bald beginnenden Renovation des Schlosses dort stattfinden können, ist tatsächlich nicht selbstverständlich. Wobei den Veranstaltern wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass Tickets ab sofort ausschliesslich online auf http://www.literaturtage-rapperswil-jona.ch/kontakt.html erhältlich sind. 

 

 

Jérôme Stern, Linth24