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Rapperswil-Jona
03.06.2021
03.06.2021 07:04 Uhr

Raserei im Curtiberg-Quartier sorgt für rote Köpfe

Nach Abzweigung Rickenstrasse wird auf das Gaspedal gedrückt.
Nach Abzweigung Rickenstrasse wird auf das Gaspedal gedrückt. Bild: Linth24
Auf der Curtibergstrasse in Rapperswil-Jona wird immer zu schnell gefahren, beklagen sich Anwohner. Die Kapo St. Gallen machte bisher keine Kontrollen, die Stadt verzichtet auf Massnahmen.

«Erstaunlich, dass man auf der Rickenstrasse zwischen Jona und Wagen ständig Kontrollen macht», sagt I.E.*, Anwohnerin der Curtibergstrasse. «Im Curtiberg, einer Quartierstrasse ohne Durchgangsverkehr hingegen, wird in der 50er Zone täglich zu schnell gefahren. Die Kantonspolizei hielt es bisher nicht für nötig, Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen, obwohl die Anwohner das schon mehrfach beanstandet haben.»

Mit dem Vorwurf konfrontiert, nimmt Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation der Kapo, Stellung: «Geschwindigkeitskontrollen werden oft aufgrund von Ersuchen aus der Bevölkerung vorgenommen. Bei der Curtibergstrasse handelt es sich um eine Sackgasse ohne Durchgangsverkehr. Es wurde bis heute noch nie ein Mess-Ersuchen an uns gestellt. Daher wurde auch noch nie eine Messung vorgenommen.» Linth24 liegen Mails von Anwohnern vor, die bestätigen, dass man bereits 2x einen Antrag für Messungen an die Kapo gestellt habe. Der Curtiberg liege wohl in der Prioritätenliste aber ganz weit hinten.

Keine Tempo-30-Zone

Zur Verkehrssituation im ganzen Quartier meint Anwohnerin I.E.*: «Die Stadt hat seit 2017 den Plan für die Verkehrsberuhigung in der Schublade und macht nicht vorwärts.» Auf Anfrage von Linth24 äussert sich Stefan Bischof, Leiter Fachbereich Tiefbau: «Die Stadt Rapperswil-Jona plant seit 2008 die Einführung von Tempo 30-Zonen respektive Verkehrsberuhigungen in Wohnquartieren.»

Im Übersichtsplan des Kurzgutachtens zur Verkehrsberuhigung  vom September 2017 sind tatsächlich keinerlei Massnahmen für den kritisierten Streckenabschnitt der Curtibergstrasse ersichtlich. Dazu meint die Stadt: «Im Gutachten des Gebietes Curtiberg wurde in Anbetracht der tiefen Verkehrsbelastung und der nur lokal kritischen Verkehrssicherheit die Einführung einer Tempo 30-Zone als nicht verhältnismässig beurteilt. Es ist ausreichend, auf unübersichtlichen Ein- und Ausfahrten und auf dem Abschnitt mit hohem Geschwindigkeitsniveau punktuelle, bauliche Massnahmen zu treffen, um die Fahrgeschwindigkeit gezielt zu reduzieren.» 

Nach den ersten Häusern geht es wieder rassig weiter. Bild: Linth24

Anwohner wollen keine baulichen Massnahmen

Die Stadt plante daraufhin eine Einengung sowie Markierungen für Rechtsvortritt und orientierte die betroffenen Anwohner. Weil sich diese aber vehement gegen die geplanten baulichen Massnahmen formierten, verzichtet die Stadt vorläufig auf deren Umsetzung und konzentriert sich auf andere Zonen.

Aussagen verschiedener Anwohner, die anonym bleiben wollen, gegenüber Linth24:

«In jeder Hauptversammlung des Quartiervereins hatten wir einen hohen Vertreter aus Rapperswil, der uns allen möglichen Bla Bla erzählte. Das war immer Werbung für die Wiederwahl, aber nie für unsere Anliegen. Dass nie etwas Tragisches passiert ist, grenzt an ein Wunder.»

«Es scheint der Stadt wirklich nicht wichtig zu sein, die Wohnlage im Curtiberg durch effiziente Massnahmen zu verbessern, oder auch eine 30km-Zone zu prüfen.»

«Der unbefriedigenden Verkehrssituation wird Null Respekt gezollt, da sich die Immissionen bzgl. Lärm, Raserei und Luftbelastung (auch durch schwere Maschinen für Waldarbeiten und Transporte) sehr zum Nachteil entwickelt haben.»

«Nicht einmal der Polizeidienst der Stadt hat sich bemüht, auf Anfragen eine Smiley-Kontrolle zu machen – wozu hat sie denn dieses Messgerät?»

«Seit 2017 besteht der Plan der Verkehrsberuhigung und bis heute ist nichts passiert. Wie viele Jahre wollen die noch warten? Was muss noch alles passieren, bis etwas passiert? Werden wir nicht gehört? Will man uns einfach nicht hören? Was können wir tun, um gehört zu werden? Unterschriften sammeln? Warum werden die Stimmen der Gegner stärker gewichtet als unsere?»

Man darf jetzt gespannt sein, ob jetzt durch den Führungswechsel im Ressort Bau & Liegenschaften etwas Bewegung in die Sache kommt. Stadtrat Christian Leutenegger liegt viel am Dialog mit der Bevölkerung.

(*Name der Redaktion bekannt)

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24