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Rapperswil-Jona
10.03.2020
10.03.2020 18:26 Uhr

Seebadi-Projekt der Stadt erfährt Widerstand

Gegen die Änderungspläne der Stadt für die Seebadeanstalt Rapperswil hat sich Widerstand formiert. Eine Gruppe will die Nutzungsänderung bekämpfen. Heute haben sie sich den Medien gestellt.

Die Stadt Rapperswil-Jona plant in der altehrwürdigen «Seebadi», die 1940 von Robert Walcher erbaut wurde, ein kommerzielles Bistro einzuführen. Dadurch soll der bisherige Bade- und Gastronomiebetrieb klar getrennt werden. Das klingt auf den ersten Blick vernünftig, auch aus Sicherheitsgründen. «Mit der Trennung haben wir auch keine Mühe, sondern betrachten dies als sinnvoll», meint Basil Vollenweider an der heutigen Medienkonferenz, «doch», und hier unterscheiden sich die Pläne der Gruppe von besorgten Bürgern klar, «unser Widerstand richtet sich gegen die Nutzungsänderung.»

Weitreichende Pläne der Stadt

Die Nutzungsänderung erkennt man, wenn man die Ausschreibung der Stadt Rapperswil-Jona anschaut und feststellt: Die Pläne sind weitreichender, als man auf den ersten Blick erahnt. Der Gastronomiebereich soll in Form eines Bistros ausgebaut werden und Möglichkeit zum fröhlichen Verweilen bieten – über die normalen Badezeiten hinweg (optional bis 23.00 Uhr). Und was die Gruppe auch befürchtet, ist dies verbunden mit grösseren Lärmemissionen und entsprechender Lichtverschmutzung. Zudem soll die «Saison» des Gastronomieteiles über die Badesaison hinaus bis in den Oktober hinein dauern.

Formieren den Widerstand: v.l.n.r. Christian Peisker, Präsident Verein wohnliche Altstadt Rapperswil, Basil Vollenweider, Historiker und Altstadtbewohner, Claudia Achermann, Stammgast in der Badi und Peter Röllin, Kulturvermittler

Widerstand formiert sich

Der Widerstand formierte sich (neben einer Petition von Alt-Bademeister Sütterlin) auch in Form zweier Stellungnahmen zum Bauprojekt Seebadanstalt Rapperswil  - und zwar durch die Gruppe mit Historiker Basil Vollenweider, Kulturvermittler Peter Röllin, Christian Peisker, Präsident des Vereins wohnliche Altstadt sowie Claudia Achermann, die zudem noch eine eigene persönliche Einsprache mit 26 Unterschriften eingereicht hat.

Diese Stellungnahmen wurden heute an der Medienpräsentation zusätzlich mit klaren Voten untermauert. Basil Vollenweider: «Die Badi und die ganze Allee, das ist eine Ruhezone für Mensch und Natur, der einzige Fleck, der nicht beleuchtet ist. Wir brauchen dort keine weitere Kommerzialisierung, das ist uns sehr wichtig, und darum haben wir an den Stadtrat appelliert, auf diese Form, wie sie nun vorliegt, mit Bar- und Bistrobetrieb, zu verzichten.»

Claudia Achermann beleuchtete auch einen anderen Aspekt: «Wenn man da beginnt zu ändern, abzureisen, die alten Lampen rausreisst, auch noch die Schriftzüge und die Fassade verändert, dann nimmt das viel von der Ursprünglichkeit weg. Als ich die Pläne studierte, spürte ich, dass da was ins Rollen kommen könnte, das vieles kaputt macht, und das man nicht mehr rückgängig machen könnte».

Druck auf den bisherigen Badebetrieb

Das Angebot von Barbetrieb sei zudem in Rapperswil mehr als gedeckt, und die Möglichkeiten, sich am Abend am See bei einem guten Glas zu vergnügen genügend vorhanden. Bei eitlem Sonnenschein wird es in der Seebadi sehr eng. Dennoch wird die Dichte als familiär empfunden. Auch wünschen Badegäste längere Öffnungszeiten. Aus der bestehenden Kleinräumigkeit existiert ein gewisser Druck auf Verbesserungen im Badebetrieb, so in der Einsprache, die noch weiter geht: Die Bistro-Idee schafft nun einen auch buchstäblich unerträglichen Druck auf den bisherigen und gegenwärtigen Badebetrieb, der sich grundsätzlich von den Freibädern Lido und Stampf unterscheidet. Kommt dazu: die Sicherheit. Offen ist zudem, ob das Bistro 70 oder gar 100% der Geh-, Sitz- und Liegeflächen der Seebadi in Anspruch nehmen würde.

Klarer Bruch mit der langjährigen Vereinbarung

Christian Peisker, Präsident Verein wohnliche Altstadt Rapperswil, nahm ebenfalls klar und deutlich Stellung: «Indiskutabel für uns in der Altstadt ist ein Bistro in der Ruhezone.» Diese Ruhezone, die sei nämlich Gegenstand eines alten Konsens mit der Stadt. Die Ruhezone geht über den Schlosshügel runter zur Giessi und der laute und fröhliche und farbenfrohe Abendbetrieb konzentriert sich auf den Seequai.  Der Lindenhügel, das Schloss-, Kirchen- und Schulhausareal selbst sowie die nördliche Länge der Bühlerallee / Schlosshalde und das Kapuzinerkloster sind im engen Altstadt-Perimeter Verweil- und Ruhezonen, auch für Fauna und Flora. Aus diesem Konsens hat sich auch der Verzicht auf eine Ausleuchtung der Bühlerallee zwischen Kapuzinerzipfel und Giessi ergeben. Die Bistro-Idee widerspricht mit ihrem Angebot (Licht, Musik, Unterhaltung, Lärm u.a.) diesem herkömmlichen Konsens der Qualitätserhaltung dieser Zone. 

Von aussen nicht viel zu sehen

«Von aussen wird sehr wahrscheinlich nicht viel zu sehen sein», so Peter Röllin, «der Kern der Änderungen betrifft vieles im Inneren,». Aber da gibt es einen ganz gewichtigen Aspekt:  «Wenn ein solches Projekt von der Stadt ausgeschrieben wird und diese quasi festlegt, wie es nachher aussehen muss und dazu bereits Wirtekandidaten sucht und Renditeerwartungen aufzeichnet – ohne dass vorher die Denkmalpflege involviert wurde, das geht einfach nicht,» echauffiert sich Peter Röllin.

Apropos Denkmalpflege: Die Seebadi, 1940 von Robert Walcher erbaut, ist kantonales Schutzobjekt. Sie ist auch wesentlicher Teil des im Kulturbaukasten Rapperswil-Jona aufgeführten Bausteins Giessi (Kulturbaukasten, Baustein Giessi Nr.15). Die Auflage dieses Baugesuchs, so in der Einsprache aufgeführt, macht deutlich: Die Verantwortlichen erkennen und verstehen offensichtlich den Schutzgedanken der streng symmetrisch konzipierten Anlage in keiner Form. Mit dem vorgesehenen Abbruch der verglasten Schalterwand mit seiner wunderbaren Ausstrahlung würde der Architektur der Kern der Ausstrahlung genommen und zerstört.

Gespannt, wie es weitergeht

Die Stellungnahmen sind nun eingegeben und man kann gespannt sein auf die Antwort der Stadt Rapperswil-Jona. Brisant ist dennoch folgendes: Gemäss Informationen würden in der Badi offensichtlich bereits jetzt schon Veränderungen vorgenommen. 

Rolf Lutz, Linth24