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Schmerikon
21.05.2021

Grill und Hunde am Aabach erhitzen die Gemüter

Der Schmerkner Ralf Ackermann fragt sich, wieso es auf der Kiesinsel einen Grill braucht.
Der Schmerkner Ralf Ackermann fragt sich, wieso es auf der Kiesinsel einen Grill braucht. Bild: Jérôme Stern/LInth24
Beim Schmerkner Aabach wurde ein Grill mitsamt Rampe installiert. Ralf Ackermann findet diese Aktion ziemlich absurd, während der Gemeindepräsident die Aufregung nicht verstehen kann. Und dann geht's auch noch um Hunde...

Schmerikon, auf der sogenannten Kiesinsel: Hier mündet der Aabach in den Obersee –und hier hat die Gemeinde kürzlich einen massiven Grill aufgestellt. Ralf Ackermann steht vor dem wahrlich imposanten Teil und schüttelt den Kopf: «Wieso installiert man ausgerechnet an diesem Ort eine Grillstation?»

Bisher ohne Rampe 

Es ist keineswegs die einzige Frage, die den Inhaber eines Modegeschäfts und Hundehalter hier beschäftigt. «Da würde mich schon interessieren, wo die Grill-Nutzer auf die Toilette gehen sollen, denn sie trinken sicher gerne ein paar Bierchen. Und weshalb installiert die Gemeinde nicht wenigstens einen Abfalleimer?»

Dass die Gemeinde gleich auch noch eine grosse Rampe installiert hat, um den Zugang zur Insel zu erleichtern, findet er ebenso fragwürdig. «Wir sind jahrzehntelang ohne Rampe hierher gekommen und haben auch mit Kinderwagen nie eine gebraucht.»

Der einbetonierte Grill dürfte auch einem grösserem Erdbeben standhalten. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Frustrierte Hündeler

Ralf Ackermanns Ärger hat einen Hintergrund. Denn an ebendiesem Aabach hat die Gemeinde auf Druck von Naturschützern vor gut zwei Jahren einen Leinenzwang für Hunde durchgesetzt. Wobei zunächst sogar ein Hundeverbot erwägt wurde. Dass hier jetzt trotz naturschützerischen Erwägungen eine Grillstation errichtet wurde, findet er einigermassen widersprüchlich. 

Mit dem Leinenzwang erreichte die Gemeinde damals tatsächlich, dass viele Hündeler aus Schmerikon den Aabach mittlerweile als Hundestrecke meiden. So auch Ackermann. Zum Glück gebe es in Schmerikon noch Gebiete, wo man seinen Hund frei laufen lassen könne, sagt er. 

Zwischen den Sträuchern spriesst ein Wald von Verbotstafeln Bild: Jérôme Stern/LInth24

Weshalb ein weiterer Grill? 

Zusätzlich irritiert Ralf Ackermann die Tatsache, dass am Aabach schon seit langem einige Grillplätze vorhanden sind. Dass jetzt ein weiterer Installiert wurde, ist für ihn Situationskomik. «Durch den Leinenzwang vertreibt man die Hündeler, damit andere hier ungestört grillieren können.»

Für den Schmerkner ist es nicht eine einzige isolierte Ungereimtheit, welche ihn stört. Vielmehr sei es die Häufung von fragwürdigen Aktionen seitens der Gemeinde, die zudem schlecht oder gar nicht kommuniziert worden seien.

Gegen unkontrollierte Feuer

Was sagt die Gemeinde zur Frage, weshalb hier eine Grillstation eingerichtet wurde? «Damit wollen wir das wilde Abbrennen von unkontrollierten Feuern verhindern», erklärt der Gemeindepräsident von Schmerikon, Félix Brunschwiler. Hinsichtlich der Abfallentsorgung auf der Insel setzt er auf Eigenverantwortung. Man sei der Meinung, dass die Grill-Benutzer dem Ort Sorge tragen und ihre Abfälle die paar hundert Meter zum Hallenbad tragen würden. Dort habe die Gemeinde einen grossen Abfallcontainer stationiert. 

Wie erklärt Brunschwiler den offensichtlichen Widerspruch zwischen Natur und Grill-Benutzung? «Das Inselchen steht ja nicht unter Naturschutz», stellt er klar. Hingegen sei der Schilfgürtel entlang des Aabachs geschützt. «Tatsächlich wollten Naturschützer auch das Inselchen unter Schutz stellen, doch dagegen haben wir uns erfolgreich gewehrt.» Kurz: Er empfindet den neuen Grill als sinnvolle Ergänzung im Sinne eines Freizeitangebots. 

Félix Brunschwiler sieht den neuen Grill als sinnvolle Ergänzung. Bild: LInth24

Kein Hundegebell beim Grillieren

Den Leinenzwang am Aabach verteidigt Brunschwiler entschieden: «Freilaufende Hunde kann man nicht kontrollieren, und wenn sie am Bachufer etwas finden, dann fressen sie es wahrscheinlich auch.» Laut dem Gemeindepräsident soll man hier einen Grill-Abend geniessen können, ohne von Hunden angebellt zu werden. Dann fügt er zum Hintergrund des Leinenzwangs noch hinzu: «Wir in Schmerikon sind ein bisschen Opfer von auswärtigen Hundehaltern.» Man habe nämlich festgestellt, dass viele Hündeler aus den angrenzenden Kantonen ins Seedorf kämen, weil sie hier mit ihren Vierbeinern freier spazieren können. 

Jérôme Stern, Linth24