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Kultur
07.05.2021

Teilen – ein Urthema wird zum Megatrend

Die Mitglieder des Kunstvereins Oberer Zürichsee trafen sich zu einem Ausstellungsbesuch im Kunst(Zeug)Haus. Bild: zVG
Die gegenwärtige Ausstellung «Sharity» im Kunstzeughaus befasst sich mit dem Thema teilen, tauschen, verzichten und leiste einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um den Klimawandel.

Teilen sei «hip» und werde heutzutage bewusst vollzogen. Aktuell würden Milliarden Dollars in Sharing Plattformen investiert. Nicht nur materielle Dinge lassen sich laut Co-Direktorin Celine Gaillard teilen, sondern auch Gedanken, Wissen, Erinnerungen und Historisches zur Bewahrung der Kultur sowie Jobs, deutete Gaillard mit einem Lächeln an. Auch das Museum sei ein Ort des Teilens. Werke von Kunstschaffenden werden für einen bestimmten Zeitraum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies erfuhren die Mitglieder des Kunstvereins Oberer Zürichsee anlässlich der Führung durch das Kunstzeughaus. Endlich, nach rund einem Jahr, konnte wieder vor Ort eine Ausstellung besucht werden. Was sichtlich Anklang fand und die Führung deshalb in zwei Gruppen erfolgte.

Alois Artho und Celine Gaillard luden zur Führung durchs Kunstzeughaus ein. Bild: zVg

Von Mobility bis zu Gedanken teilen

Verschiedenste Gesichtspunkte zum Thema Teilen werden in der Ausstellung aufgegriffen, interessant dargestellt und den Besuchern zugänglich gemacht. So steht am Eingang des Kunstzeughauses ein rotes Velo als Mobility-Beitrag von Sladjan Nedeljkovic und darf ausgeliehen werden. Im historischen Teil zeigt ein Bild von Hans Baldung Grien «Den Heilige Martin zu Pferde», der seinen Mantel mit einem nackten Armen teilt. Es habe Vorbildcharakter im Christentum, so Gaillard. Weitere Beispiele aus der Orthodoxen Kirche, dem Judentum und Islam folgen. Selbst die Darstellung der «Kappeler Milchsuppe» von Jean-Georges Volmar wird angeführt. Die interaktive Installation «The Sharing Projekt»  von Joel Tauber mit Spielsachen und Video beleuchtet diverse Aspekte, wie Kinder teilen oder teilen lernen. Studien zufolge haben Kleinkinder bis zu zwei Jahren damit keine Probleme im Gegensatz zu Erwachsenen. Die Spielsachen stammen gemäss Gaillard aus verschiedensten Haushalten und werden nachher weitergegeben.

Celine Gaillard (r.) erklärte die verschiedenen Installationen, so zum Beispiel «The Sharing Projekt» von Joel Tauber. Bild: zVg

Als aktuelles Beispiel von Ian Anüll folgt der Schriftzug «Made in China»  von verschiedensten Personen in Chinesisch geschrieben quasi als Beitrag zum Teilen von Schrift und Sprache.  Sie erhielten Geld oder Schokolade dafür. Andreas Gohl befasste sich mit moderner Stadtentwicklung, gemeinsamen Gärten und Nachhaltigkeit «Can One Person Change a City». Interessant ist auch das Projekt «Quatschmobil» in Luzern  von Frank und Patrik Riklin, welches das gängige System von Leistung gegen Geld hinterfragt. Solange jemand mit dem jeweiligen Fahrer sprach, wurde er kostenlos herum chauffiert. Alle zehn Kilometer fand eine Aktion statt und der Kunde wurde von den involvierten Unternehmen mit einem Gratishaarschnitt oder einer Pizza beschenkt. Das Projekt war Teil einer Studie, die Kunst in der Stadtentwicklung untersuchte.

Celine Gaillard gab Hintergrundinfos zu den Projekten wie zum Beispiel zum «Quatschmobil» weiter. Bild: zVg

Ilona Rüegg versuchte mit ihrem «Tisch der verlorenen Dinge» in Rahmen eines Wettbewerbs «Kunst am Bau» an der Oberstufenschule Weiden, als Ort des Austausches, Schüler zum Tauschen von Gegenständen und Gedanken anzuregen. Das umgesetzte Projekt fand jedoch nicht den erwarteten Anklang. Kreativ setzte Katerina Seda die Idee vom Tauschen mit ihrer Installation «Something for Something» um. Sie stellte auf den Lofoten Touristen einen Caravan zum Übernachten gratis zur Verfügung. Dafür mussten sie die Dienstleistung mit einer guten Tat vergelten – um einige Beispiele zu nennen.

Auf was wir verzichten können

Im interaktiven Workspace «artefix kultur und schule»  wurden die Besucher und Schulklassen aufgefordert ihre eigenen Gedanken auf Postkarten niederzuschreiben. Unter den Begriffen «mehr Teilen, Tauschen, Verzichten» konnte man mit Farbpunkten markieren, was man im Alltag gerne ändern oder verwirklichen würde. Die Ausstellung begeistert und regt zum Nachdenken an. Alois Artho vom Kunstverein Oberer Zürichsee bedankte sich bei Celine Gaillard für die interessanten Ausführungen. Es gehe beim Teilen nicht nur um ökologische, sondern auch um soziale und moralische Aspekte. Man gebe der Gesellschaft etwas zurück und stärke den Zusammenhalt. Mit Teilen bekunde man Wertschätzung, Respekt und Mitgefühl, so Artho. Durch jeden Tauschakt investiere man in ein besseres Zusammenleben. Beim anschliessenden Apero erfreute man sich der Gesellschaft und regen Austausches.

Termine

Das Kunst(Zeug)Haus ist seit dem 3.3.2021 wieder geöffnet.

Über die Form der Durchführung informiert das Kunst(Zeug)Haus kurz vor den Terminen auf der Webseite und mit ihrem Newsletter. 

Kunst(Zeug)Haus, Antoinette Lüchinger