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Rapperswil-Jona
02.05.2021
08.05.2021 07:47 Uhr

Nur die Zürichsee-Schiffe verlieren Geld!

Die Bodensee-Schiffe (im Bild) werfen Gewinn ab. Am Zürichsee ist das Gegenteil der Fall. Es fehlen jährlich rund 6 Millionen Franken – und Rapperswil-Jona soll dem Defizit-Betrieb ZSG deshalb jedes Jahr unglaubliche 600’000 Franken nachwerfen. Bild: SBS
Viele Schifffahrtsgesellschaften verdienen Geld. Aber nur unter professioneller Führung. Der 600'000 Franken-Beitrag von Rappi-Jona an die ZSG ist Geldverschwendung! Von Bruno Hug

Gegendarstellung des Stadtrats Rapperswil-Jona:

«Entgegen der Darstellung im untenstehenden Bericht von linth24.ch hat die Stadt die zur Abstimmung gelangende Unterstützung der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) nicht „fälschlicherweise als Kredit“ betitelt. Tatsache ist, dass Ausgaben wie die Unterstützung an die ZSG regelmässig aufgrund der Ermächtigung durch einen „Kredit“ erfolgen, über den die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zu entscheiden haben (Art. 116 Abs. 1 des St. Galler Gemeindegesetzes: „Der Rat tätigt Ausgaben nur im Rahmen eines Kredites).»

Linth24 nimmt die Gegendarstellung der Stadt Rapperswil-Jona zur Kenntnis und veröffentlicht dazu auch die Erläuterungen von Kantonsrat Christopher Chandiramani, die ebenfalls plausibel klingen:

Ausführungen von Kantonsrat Christopher Chandirmani:

«Mit seiner Gegendarstellung macht der Stadtrat eine Verwechslung: Ein Kredit ist eine Bilanzposition und deren Ausgabe steht in der Gewinn- und Verlustrechnung. 

Das St. Galler Gemeindegesetz erlaubt, Auslagen/Kosten, die aktiviert und wieder abgeschrieben werden können, der Bürgerschaft als "Kreditvorlage" zu unterbreiten (z.B. Gebäude und Infrastrukturen, Bauarbeiten, Reparaturen, Kauf von Fahrzeugen und Mobilien usw.).

Wiederkehrende Geschenkzahlungen und Subventionen sind aber keine Kredite und nicht aktivierbar - zumindest nicht mit einer direkten Gegenleistung oder Wertvermehrung verbunden. Ersichtlich auch im Dokument hier

Linth24 hat letzte Woche berichtet, dass die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft ZSG ein zu 71 Prozent den Zürchern gehörender, stark gewerkschaftlich organisierter und defizitärer Staatsbetrieb ist. Nun soll dieser von Rapperswil-Jona jährlich mit 600’000 Franken unterstützt werden. Dies hat die Stadt übrigens in ihren Unterlagen zur Abstimmung vom 9. Mai fälschlicherweise als «Kredit» betitelt. Das ist defacto eine Irreführung: Eine jährlich wiederkehrende Ausgabe ist kein Kredit!
Zu dieser luschen Bürgerinformation passt: Der viel zu hohe Beitrag an die ZSG ist unnötig, wie Linth24-Recherchen zeigen.

Schifffahrt kann rentabel sein

Jahrzehnte war die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS) ein von der SBB geführter Staatsbetrieb. Im Verwaltungsrat sassen – wie bei der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft ZSG – Gemeinde- und Kantonsvertreter und Honoritäten, die von der Schifferei wenig bis nichts verstanden. Und prompt: Die Bodensee-Schifffahrt verlor pro Jahr über 1.5 Millionen Franken.

2006 dann kaufte der Thurgauer Unternehmer Hermann Hess zusammen mit fünf weiteren Persönlichkeiten die Bodensee-Schifffahrt SBS und zahlte dafür 4.5 Millionen Franken. Die neuen Aktionäre hatten das Ziel, die marode SBS aus eigener Kraft in die Gewinnzone zu führen.

Sanierer brachte Erfolg

Dafür engagierten sie den Rapperswiler Benno Gmür, der sich auf Firmen-Sanierungen spezialisiert hat. Der Betrieb wurde gestrafft, die Gastronomie neu organisiert – und es wurde unternehmerisch gehandelt. Die Bodensee-Schifffahrt SBS investierte in 10 Jahren aus selbst erarbeiteten Mitteln und ohne staatliche Hilfe 30 Millionen Franken in die Sanierung von Werft und Gebäuden, in Hafenplattformen, in die Restauration und steckte Millionen in Schiffsrenovationen. Zudem sanierte sie die aus SBB-Zeiten untergedeckte Pensionskasse.

1.5 Mio. Gewinn am Bodensee

Unter dem neuen Management entstand ein blühender Schifffahrtsbetrieb mit rund 14 Millionen Umsatz und über 100 Mitarbeitenden, die jährlich rund 1.5 Millionen Gewinn erarbeiten. Und das, obwohl die SBS von Gemeinden und Bund nur rund 800'000 Franken Abgeltung erhält – und genauso wie die Zürichsee-Schifffahrt an öffentliche Fahrpläne gebunden ist.

Unternehmer und Ex-Nationalrat Hermann Hess vor einem seiner Bodensee-Schiffe sagt: «Die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft ZSG könnte nach einer Reorganisation mit bedeutend weniger öffentlichen Geldern auskommen.» Bild: www.who-s-who.ch

6 Mio. Verlust am Zürichsee

Obwohl die komplett intransparente Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft ZSG keine brauchbaren Zahlen veröffentlicht – was für einen öffentlichen Betrieb verboten sein müsste – nimmt man an, dass sie von den Seegemeinden und vom Kanton pro Jahr rund 6 Millionen Franken Unterstützung abkassiert. Dazu sagt der Thurgauer Bodenseeschiff-Präsident Hermann Hess zu Linth24: «Die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft hat eine vergleichbare Grösse wie wir am Bodensee. Nach einer tiefgreifenden und konsequenten Reorganisation könnte sie ähnlich erfolgreich sein wie wir und mit bedeutend weniger öffentlichen Geldern auskommen.»

Erfolg auf dem Vierwaldstätter- und dem Untersee

Auch die Schifffahrt Untersee und Rhein (URh) zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen war einmal ein Sanierungsfall und produzierte jährlich eine halbe Million Franken Defizit. Nach der Sanierung, ebenfalls unter der Leitung von Benno Gmür, liegt der jährliche Cashflow bei fast einer Million Franken.

Dass mit der Schifffahrt Geld verdient werden kann, belegt auch die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee. Sie setzt jährlich 60 bis 70 Millionen Franken um und liefert den vielen Aktionären bei minimaler Staatshilfe Jahr für Jahr positive Bilanzen ab.

Schlechtes Management unterstützen?

Womit klar wird: Schiffsbetriebe kann man miserabel führen, wie am Zürichsee, oder erfolgreich, wie auf dem Bodensee, auf dem Untersee oder auf dem Vierwaldstättersee.

Wer also einem schlecht geführten Schiffsbetrieb, wie das der Stadtrat von Rapperswil-Jona bei der ZSG tun will, jährlich 600'000 Franken Steuergeld nachwirft, macht genau das Falsche: Er unterstützt eine unfähige Gesellschaftsführung, die sich dank den öffentlichen Mitteln nicht professionalisieren muss und defizitär bleibt.

Und warum die Stadt jährlich 600'000 Franken an eine Zürcher Gesellschaft überweisen soll, ohne dass der Bürgerschaft der Vertrag dazu offengelegt wird, ist unbefriedigend. Was hat der Stadtrat eigentlich zu verstecken?

Bruno Hug, Linth24