Rapperswil-Jona
19.01.2019

29. JANUAR: LABUTE KRIMI IN DER ALTEN FABRIK

Das Theater Liechtensgtein zeigt im Rahmen einer kleinen Ostschweizer Tournee das Stück «In einem finsteren Haus» von Neil LaBute.

Drew ist 35 Jahre alt, ein reicher Anwalt und Familienvater. Und dennoch gehören «cool», «echt», «Alter» zu seinem Standardwortschatz, er scheint nicht erwachsen werden zu wollen.

Vielleicht ist seine verkorkste Kindheit schuld daran, das Einzige, was er mit seinem älteren Bruder Terry teilt, Drews Gegenpol, einem seriösen Sicherheitsfachmann. Seit Jahren sehen sich die beiden möglichst selten, doch nun braucht Drew Terrys Hilfe: Eine aussereheliche Affäre, Kokain und Trunkenheit am Steuer haben Drew in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Um seine Frau und das Gericht milde zu stimmen, möchte Drew hier endlich «reinen Tisch» machen. Er eröffnet Terry, dass er als Junge von Todd Astin, einem Freund der Familie, sexuell missbraucht wurde. Terry soll dies Drews Therapeuten bestätigen, doch Terry ist vor allem erst einmal schockiert. Er hatte Drew damals vor Todd gewarnt – offenbar zu spät. Oder erfindet Drew das Ganze bloss? Falls ja, führt die Lüge zu neuen, unbequemen Wahrheiten, und je mehr Licht in das finstere Elternhaus von einst fällt, desto grösser werden die Schatten, die es bis in die Gegenwart wirft.

Hinter der Oberfläche lauern Abgründe Der Krimi und Psychothriller des bekannten US-amerikanischen Autors Neil LaBute ist spannend erzählt und schlägt den Zuschauer bis zur finalen Enthüllung in Bann. Unerbittlich sezieren die Brüder ihre Kindheitsgeschichte. Diese war von Gewalt, Schweigen und Missbrauch geprägt, während die Familie nach aussen hin stets das Bild einer intakten Welt aufrechtzuerhalten verstand. In diesem finsteren Haus wurden alle diese Ereignisse verschwiegen und niemals aufgearbeitet. Erst jetzt reissen Drew und Terry den Vorhang des Schweigens herab, und was dabei ans Licht befördert wird, ist erschreckend, zeigt die Gewaltstrukturen in Familien auf und gibt trotz allem zuletzt Anlass zu Hoffnung: Ist erst einmal alles ausgesprochen, kann dies auch das Fundament für einen neuen Anfang sein.

Über den Autor

Neil LaBute gehört zu den bedeutendsten Theaterautoren der Gegenwart. Seine Werke werden auf allen Kontinenten gespielt. Die Figuren Neil LaButes treten meistens als die netten Nachbarn von nebenan auf: Gepflegte Erscheinungen, gute Umgangsformen, erfolgreich im Leben. Gewinnertypen eben. Jeder mag sie eigentlich gerne um sich haben. Bis man anfängt, sie genauer kennenzulernen, bis sie sich zu erkennen geben. Dann plötzlich schneiden ihre Worte wie Skalpelle. Man merkt es kaum, doch schon blutet man.

LaBute ist auch Drehbuchautor und Regisseur vieler US-amerikanischer Filme - «In the company of men» (1997) - und drehte mit Stars wie Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Nicolas Cage, Renée Zellweger, Ben Stiller und Sigourney Weaver. Zudem ist er Autor und Produzent der TV-Vampirserie «Van Helsing» und begann im Herbst 2018 mit Arbeiten für eine neue TV-Serie von Netflix. Für das TAK Theater Liechtenstein hatte LaBute den Monolog «Das vierte Reich» geschrieben, den das TAK in Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar im September 2017 uraufführte.

Kurzinfo

Termin: DIenstag, 29. Januar, 19.30 Uhr Ort: Rapperswil,-Jona Alte Fabrik, Klaus Gebert Strasse

(OriginalMitteilung)