Leserbrief
Leserbriefe
22.01.2019

LESERBRIEFE ZUR «ZERSIEDELUNGSINITIATIVE»

Leserbriefe zur «Zersiedelungsinitiative». Aktuell von Elisabeth Beer, Jona

Elisabeth Beer, Jona (22. Januar 2019)

Die Abstimmungszeitung gegen die Zersiedlungsinitiative, die letzte Woche in die  Haushalte flatterte, leiert einmal mehr die ewige Litanei der Bürgerlichen herunter.

Es ist die Rede von Stagnation, Verhinderung der schweizerischen Wirtschaftsentwicklung, Arbeitslosigkeit, Gefährdung des Föderalismus, höhere Mieten, die Alpenregion leiden, die Bevölkerung leidet, sogar die Bauern leiden.  Kurzum wird die Zersiedelungs-Initiative am 10. Feb. angenommen versinkt die Schweiz in die tiefste Depression.  Wer dies glaubt, wird selig.

Zwischen den Zeilen dieses Horrorszenario schimmern ganz andere Töne durch. Die Bürgerlichen sind vor allem um ihre neoliberale Politik besorgt. Das masslose Wachstum ist in Gefahr. Hemmungsloses Bauen und die Zubetonierung der Schweiz werden gestoppt. Auf ihre Besorgnis um die Bevölkerung, die des guten Tons wegen erwähnt werden muss, gehen sie nicht weiter ein. Dass die Bevölkerung schon heute unter Luftverschmutzung, Verkehr und Lärm leidet, scheint für die Bürgerlichen und deren Politiker vernachlässigbar. Die Natur, die schweigt und duldet, lassen sie  aussen vor.

Die Zersiedlungs-Initiative fordert das Gegenteil. Was ist daran so falsch?

Will die Bevölkerung weiterhin diese zerstörerische Politik unterstützen, die uns früher als später in den Abgrund treibt? So dumm sind wir Schweizerinnen und Schweizer doch nicht!

Die Bürgerlichen operieren auch mit Halbwahrheiten und Lügen. Dass die Mieten steigen werden, ist eine Mär. In der Schweiz stehen 70'000 Wohnungen leer. In Jona, wo ich wohne, steht unter anderem seit bald zwei Jahren ein neuer Wohnblock leer. Nur die Abwartswohnung ist belegt. In Touristenzentren verkaufen sich Eigentumswohnungen nicht mehr.

Aber für die Neoliberalen ist der Boden Produktions-und Wettbewerbsfaktor; er braucht Flexibilität und keinen absoluten Schutz. Der Boden ist für sie eine überbaubare Fläche, die Rendite abwerfen muss sonst nichts.

Aber Böden sind ganze Ökosysteme. Ein Gramm Boden kann bis zu 18'000 verschiedene Lebewesen enthalten. Boden ist in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar. Dies sagen die ForscherInnen  vom Nationalen Forschungsprogramm  „Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden“(NFP 68).  Sie fordern teils Ähnliches wie die Zersiedelungs-Initiative.

Am meisten geärgert hat mich die Behauptung der Föderalismus sei in Gefahr. Gerade beim Boden ist Kantönligeist fehl am Platz. In der kleinen Schweiz ist der Boden limitiert. Wir verfügen nicht über riesige Bodenreserven wie unsere Nachbarländer, tun aber so als ob.  Nicht zuletzt dank unseren wunderschönen Landschaften haben wir Wohlstand und gute Lebensqualität erlangt. Heute sind sie gefährdet, nicht zuletzt wegen des Kantönligeistes. Bei der Erhaltung unserer Böden muss mutig  gesamtschweizerischer ja sogar global gedacht werden, Kantönligeist verhindert gute Lösungen.

Die Zeit drängt! Die imposanten  Schweizer Gletscher werden künftige Generationen nicht mehr erleben. Aber sorgen wir dafür, dass die uns verbleibenden Böden und Landschaften nicht der Profitgier anheimfallen.

Ich stimme JA für die Zersiedelungsinitiative.

Leserbrief von Viktor  Brunner , Kaltbrunn (20. Januar 2019)

Wenn schon eine Grossmacht wie Frankreich sich verschulden muss,  weil sie die Reichen mit Steuergeschenken abhalten muss vor der Abwanderung nach Monaco  oder in die Schweiz, und mit anschliessenden Zugeständnissen an die protestierenden Gilets jaune  und die Polizei  und zur Behebung der Schäden,  zeigt das deutlich, dass es internationale Steuerabkommen braucht.

Wir können also nicht weiter den Reichen, die jetzt schon immer reicher werden, noch die Steuern senken, um noch mehr Reiche ins Land zu locken. Leider regieren auch demokratisch gewählte Präsidenten oft autoritär, weil sie glauben zu wissen, was das Volk will, und lassen sich zum Befehlen verleiten, was für freiheitsliebende Menschen unakzeptabel ist.  Aber der vom Männerriegenkollegen M., am Jf-Marathon gelesene T-Shirt Spruch: Aufgeben kannst Du in der Post!, gilt immer : um vielleicht einmal eine Mehrheit zu erreichen, mit den nun fürs Klima streikenden Schülern, für längst fällige ökologische Steuerreformen, die Petition  nachhaltigAir.

Auch Bauland haben wir nicht ewig und müssen, wenn auch schmerzlich, damit anfangen, die Zersiedelung zu bremsen.

Leserbrief von Vito Leo, SVP Uznach (16. Januar 2019)

Die Zersiedlungsinitiative der Jungen Grünen sieht einen Einzonungsstop für Bauzonen vor. Die Gesamtfläche der Bauzone soll auf unbefristete Zeit eingefroren werden.

Die Ausscheidung neuer Bauzonen soll nur noch zulässig sein, wenn eine mindestens gleichgrosse Fläche von vergleichbarem landwirtschaftlichem Ertragswert ausgezont wird. Auf den ersten Blick tönt das positiv, jedoch wird nicht erwähnt, dass es zu einer absoluten Einfrierung der Bauzone führt, zudem macht es die Kantone und Gemeinden handlungsunfähig, verunmöglicht sinnvolles Wachstum und führt zu volkswirtschaftlichen Schäden. Die Initiative mit ihrem vollständigen Einzonungsstopp schadet massiv der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Regionen. Für Kantone mit wenig Baulandreserven würde die Annahme der Initiative de facto ein ewiges Bauzonenmoratorium bedeuten.Ebenfalls nimmt die Initiative keineRücksicht auf die Vielfalt der kantonalen und regionalen Verhältnisse. Die demografische und wirtschaftliche Entwicklung wird nicht berücksichtigt.Die vorgesehene Beschränkung der Bauzonen auf unbefristete Zeit geht von einem Null-Prozent-Wachstum aus. Für ein Nullwachstum braucht es aber einen Stopp des Bevölkerungswachstums und folge dessen auch der Zuwanderung. Man kann nicht dem Bevölkerungswachstum weiterhin freien Lauf lassen während man gleichzeitig das Raumbedürfnis der wachsenden Wohnbevölkerung einzufrieren gedenkt. Aber gerade die Initianten wollen nichts gegen die überbordende Zuwanderung unternehmen.Die in der Initiative gemachten Vorschläge sind unrealistisch, wirtschaftsfeindlich und realitätsfremd. Somit ist es nicht verwunderlich, haben sowohl der Bundesrat als auch der Ständerat die Initiative abgelehnt. Auch SVP stellt sich deshalb klar gegen die Zersiedelungsinitiative. Die Schweiz ist ein wunderschönes Land, dem auf anderem Wege Sorge getragen werden muss.

Linth24