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Eschenbach
15.04.2021
15.04.2021 06:12 Uhr

Personal wurde nach der Schändung geschult

Linth24 traf Erich Bolt zum Interview über die aktuelle Lage im Pflegezentrum Eschenbach und über eingegangene Vorwürfe. Bild: ZVG / Gemeinde Eschenbach
Die Schändung einer betagten Bewohnerin im Altersheim Berg in St. Gallenkappel warf hohe Wellen. Linth24 hat den neuen Leiter Erich Bolt zum aktuellen Stand rund um das Pflegezentrum Eschenbach befragt.

Im August 2020 wurde ein 43-jähriger Tunesier in flagranti erwischt, als er sich im Altersheim von St. Gallenkappel an einer demenzkranken Bewohnerin verging. Die Strafuntersuchung gegen den Pfleger läuft noch. Der Heimleiter im Pflegezentrum Eschenbach hatte nach der Schändung gekündigt und wurde inzwischen ersetzt. Sein Nachfolger Erich Bolt nimmt Stellung im Linth24-Interview.

Linth24: Herr Bolt, welche Situation haben Sie im Pflegezentrum Eschenbach nach Ihrem Arbeitsbeginn und dem Skandal der Schändung angetroffen?

Erich Bolt: Ich bin auf sehr engagiertes und interessiertes Personal gestossen. Die Bewohnenden haben sich auf einen neuen Geschäftsleiter gefreut. Kontakte zu den Bewohnenden und Personal bei meinem Einstieg wegen Corona stark eingeschränkt.

Was hat sich seither verändert? Wie ist die Stimmung jetzt?

Die Lockerungen der Massnahmen haben grosse Entspannung und Erleichterung für den Heimalltag gebracht. Seither konnten auch wieder kleinere Aktivitäten stattfinden.

«Die Bewohnenden haben sich auf einen neuen Geschäftsleiter gefreut»
Erich Bolt, Leiter Pflegezentrum Eschenbach

Ist die Aufarbeitung des Schändungs-Vorfalls abgeschlossen?

Die direkte interne Aufarbeitung des Vorfalls ist inzwischen abgeschlossen. Die persönliche Fallbewältigung der betroffenen Personen stand an erster Stelle. Unser Führungsteam hat in Zusammenarbeit mit einem Care-Team die Geschehnisse aufgearbeitet.

Zusätzlich wurde das Personal zum Thema «Grenzverletzungen, Mobbing, sexuelle Belästigung» geschult. Die diesbezügliche Prävention ist ein Dauerthema. Strukturelle, personelle und kommunikative Verbesserungen schaffen mehr Vertrauen und Sicherheit.

Welche Vorkehrungen/Veränderungen wurden getroffen, um solche Ereignisse in Zukunft zu verhindern/verunmöglichen?

Wir haben weitergehende Verhaltensregeln festgelegt und verankern diese fortlaufend.

Trotz dieser präventiven Massnahmen kann das Verhalten von Einzelnen nicht vollumfänglich gesteuert und damit Grenzüberschreitungen niemals komplett ausgeschlossen werden.

«Die persönliche Fallbewältigung der betroffenen Personen stand an erster Stelle»
Erich Bolt, Leiter Pflegezentrum Eschenbach

Wie offen ist die Kommunikation mit Betroffenen, Angehörigen und neuen Bewohnern?

Wir pflegen einen offenen und ehrlichen Austausch unter Einhaltung der Schweigepflicht und des Datenschutzes. Jede Person hat das gleiche Recht auf einen wertschätzenden Umgang.

Über welche Kenntnisse verfügen Sie zum Stand der Ermittlungen? Wurde der Täter bereits verurteilt?

Dazu haben wir keine Kenntnisse und verweisen an die Medienstelle der Staatsanwaltschaft.

Mit welchen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen ist das Pflegezentrum in dieser Sache konfrontiert?

Zivilrechtliche Schritte gegenüber unserer Institution sind zum heutigen Zeitpunkt nicht bekannt.

«Jede Person hat das gleiche Recht auf einen wertschätzenden Umgang»
Erich Bolt, Leiter Pflegezentrum Eschenbach

Haus Mürtschen Eschenbach

Wie stehen Sie zu Vorwürfen, welche Linth24 erreicht haben, man würde die Bewohner der Demenzabteilung einschliessen und sozial ausgrenzen?

Demenzbetroffene weisen oft eine Selbstgefährdung und/oder eine Weglauftendenz auf, so dass zum Schutz der Bewohnenden bauliche Massnahmen getroffen wurden. Eine zusätzliche Türe am Zugang zum geschützten Wohnbereich gewährleistet eine erhöhte Sicherheit und gleichzeitig volle Bewegungsfreiheit auf der Etage. Alle Bewohnerinnen und Bewohner dieses Wohnbereichs werden selbstverständlich gleichermassen im Heimalltag integriert und nehmen am Aktivierungsprogramm und Anlässen teil, sofern es für sie medizinisch und pflegerisch möglich ist.

Die aktuelle Demenzstation wurde vor bald drei Jahren als Übergangslösung eingerichtet. Ein vorgesehener umfassender Ausbau der Pension Mürtschen soll die Situation in Zukunft weiter verbessern.

«Bauliche Massnahmen wurden zum Schutz von Bewohnenden getroffen»
Erich Bolt, Leiter Pflegezentrum Eschenbach

Wie wird sichergestellt, dass das Personal den fachlichen und ethischen Anforderungen in der Betreuung von Betagten gerecht wird?

Die Mitarbeitenden aller Berufsgruppen werden intern und extern fortlaufend in Bezug auf die spezifische Betreuung von Betagten Personen geschult.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24