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Eschenbach
08.08.2020
10.08.2020 13:10 Uhr

Schändung im Altersheim St. Gallenkappel

Das Altersheim Berg an der Rickenstrasse in St. Gallenkappel (Bild: Markus Arnitz).
Ein Pfleger wurde in flagranti erwischt, als er sich im Altersheim von St. Gallenkappel an einer demenzkranken Bewohnerin verging. Eine Strafuntersuchung ist eröffnet.

Im Altersheim Berg in St. Gallenkappel hat die Staatsanwaltschaft des Kt. St. Gallen eine Strafuntersuchung gegen einen Mitarbeiter wegen des Verdachts der Schändung eröffnet. Das bestätigt Staatsanwalt Stefan Hess auf Anfrage von Linth24.

Ein rund 40-jähriger Pfleger wurde erwischt, als er sich an einer an Demenz erkrankten Bewohnerin verging. Der Beschuldigte ist supendiert, die Ermittlungen laufen.

Die Heimleitung führt gegenüber von Linth24 aus: «Wir haben Kenntnis von den Vorwürfen und sind vom Vorfall tief betroffen. Nach Bekanntwerden wurden die Polizei und die Angehörigen informiert, sodass Ermittlungen eingeleitet werden konnten. Die betroffene Person und deren Angehörige wurden durch das Heim betreut.» Auch die Mitarbeitenden seien informiert und hätten eine interne Anlaufstelle zur persönlichen Aufarbeitung anerboten bekommen.

Unterschied Schändung/Vergewaltigung

Der Unterschied zwischen Schändung und sexueller Nötigung oder Vergewaltigung liegt darin, dass bei der Schändung der Täter ein Opfer missbraucht, das bereits widerstandsunfähig ist. Der Grund für die Widerstandsunfähigkeit ist entweder dauernd, wie beispielsweise bei einer psychischen Erkrankung oder Demenz, oder vorübergehend, wenn z.B. jemand betrunken ist.

Es ist wichtig und von öffentlichem Interesse, dass solche Abscheulichkeiten thematisiert, aufgeklärt und bestraft werden. Die Leidtragenden in diesem Fall sind nicht nur das Opfer und dessen Angehörige, sondern auch das ganze Pflege- und Betreuungsteam des Altersheims.

Vorfall aufarbeiten

In den Antworten der Heimleitung und der zuständigen Gemeinderätin, Dr. med. Karin Peier-Ruser, ist die Sprachlosigkeit und tiefe Betroffenheit förmlich greifbar: «Das Pflegezentrum hat höchste Ansprüche an seine Arbeit. Dabei stehen das Wohlbefinden der Bewohnenden sowie die respekt- und würdevolle Betreuung im Zentrum. Die Mitarbeitenden der Heimbetriebe werden präventiv sensibilisiert, um achtsam gegen Grenzverletzungen vorzugehen. Es gilt nun, den Vorfall auch intern aufzuarbeiten.»

Die Staatsanwaltschaft hält fest, «für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung» bis zum Abschluss des Verfahrens.

Kommentar

Ein solcher Vorfall darf auf keinen Fall dazu führen, dass die Perversion eines Einzelnen einen ganzen Berufsstand in Misskredit bringt. Pflegefachkräfte haben allgemein schon einen schweren Stand. Mangelnde Wertschätzung, niedrige Löhne im Vergleich zu Leistung und Beanspruchung, Schichtdienst und der damit eingehende Verlust eines Soziallebens, der für viele selbstverständlich ist, Zeitdruck, überbordende Bürokratie und vieles mehr machen diesen Beruf zu einer Herausforderung, die nur mit Hingabe und Leidenschaft zu bewältigen ist.

Die anspruchsvollen Arbeitsbedingungen sind ein Hauptgrund für den Mangel an Pflegefachleuten. Die Konsequenzen sind Zeit- und Betreuungsmängel. Betreuungsinstitutionen und medizinische Einrichtungen sind deswegen oft auf Fachkräfte angewiesen, ohne deren persönliche - nicht fachspezifische - Eignung gewissenhaft prüfen zu können.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24