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Schmerikon
11.04.2021
11.04.2021 11:50 Uhr

Rekord! Sinken jetzt die Steuern, Herr Gemeindepräsident?

Gemeindepräsident Félix Brunschwiler: «In den letzten 20 Jahren haben sich die Steuererträge verdoppelt, wohingegen die Bevölkerung um knapp ¼ gewachsen ist.»
Gemeindepräsident Félix Brunschwiler: «In den letzten 20 Jahren haben sich die Steuererträge verdoppelt, wohingegen die Bevölkerung um knapp ¼ gewachsen ist.» Bild: Linth24
Die Gemeinde Schmerikon verzeichnet das grösste Bevölkerungswachstum im Kanton St.Gallen. Ob das ein Grund zur Freude ist und was die Folgen davon sind, verrät Gemeindepräsident Félix Brunschwiler im Linth24-Interview.

Nach provisorischen Zahlen lebten Ende 2020 514'379 Menschen im Kanton St.Gallen. Damit wuchs die ständige Wohnbevölkerung im letzten Jahr um ca. 3'600 Personen. Spitzenreiter war Schmerikon mit einem Bevölkerungszuwachs von 250 Personen bei 3'971 Einwohnern, was +5.4 % entspricht. Der Ausländeranteil beträgt 25.6 % , 1 % mehr als der kantonale Durchschnitt. Und: Es leben 15 Frauen mehr in Schmerikon als Männer.

Linth24: Schmerikon ist 2020 die Gemeinde im Kanton St.Gallen mit dem grössten Bevölkerungs-Wachstum. Ein Grund zum Feiern?

Félix Brunschwiler: Als Ausdruck einer attraktiven Wohngemeinde ist das Wachstum sehr erfreulich. Die hohen Besucherfrequenzen in den letzten Monaten haben unsere Qualitäten als Naherholungsgebiet bestätigt. Insofern liegt Schmerikon im Trend: «Leben, wo andere sich erholen».

Ist der Wachstumsboom ein Zeichen für die Beliebtheit des Gemeindepräsidenten?

Selbstverständlich; meine Aura ist ja weit über die Gemeindegrenzen wahrnehmbar :-) Spass beiseite: Mein Beitrag ist «good governance» zu pflegen. Weitestgehend sind die positiven Standortfaktoren jedoch naturgegeben oder werden vor allem extern beeinflusst: unsere Lage eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, die Nähe zu Zürich, die Anbindung an das übergeordnete Strassen- und Schienennetz und allem voran die konjunkturelle Entwicklung der Schweiz und Europas.

«Meine Aura ist ja weit über die Gemeindegrenzen wahrnehmbar :-)»
Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident Schmerikon

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die Bevölkerungszunahme?

Die Geburtenrate ist ziemlich konstant. Letztes Jahr gingen eher zufällig als geplant gleichzeitig zahlreiche Neuüberbauungen an den Markt, was zu einer hohen Anzahl Zuzüger*innen führte.

Wünscht man überhaupt, dass immer mehr Leute nach Schmerikon ziehen?

Schmerikon ist in den letzten 20 Jahren mit rund 1% pro Jahr im Gleichschritt mit der gesamten Schweiz gewachsen. Das besondere wohl ist, dass dies ganz im Sinn der heutigen Raumplanung weitestgehend durch Bebauung leerstehender Grundstücke und durch Innenverdichtung, ohne Vergrösserung der Bauzonen erfolgte. Wir erachten ein solches Wachstum als nachhaltig, ohne dass dadurch «Dichtestress» entsteht. Wir sind noch meilenweit von städtischen Dichten entfernt.

«Wir erachten ein solches Wachstum als nachhaltig»
Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident Schmerikon

Woher kommen die Neuzuzüger?

Eine solche Analyse ist in Kürze nicht machbar. Ich schätzte hauptsächlich aus dem Metropolitanraum Zürich.

Zu welcher Einkommenskategorie gehören sie hauptsächlich?

Auch hierüber lässt sich vorerst mutmassen. Aufgrund der Preise und des Angebotes auf dem Wohnungsmarkt bedarf es mittlerer Einkommens- und Vermögensverhältnisse, um sich hier niederzulassen. Es gibt aber nach wie vor auch günstigen Wohnraum in Schmerikon.

Hat es denn genügend Mietwohnungen und Wohneigentum?

Wohnungsbau und Bevölkerung entwickeln sich im Gleichschritt. Es sind kurz- bis mittelfristig noch einige grössere Überbauungen in Planung. Die Investor*innen, z.B. die Ortgemeinde, beobachten den Markt und dosieren das Angebot an Neuwohnungen.

Und wie sieht das verkehrstechnisch aus – alles kein Problem?

Wir erwarten zunehmende Verkehrsprobleme innerorts, ausgelöst durch den Bahnfahrplan ab 2024 und der geschlossenen Schranke an der Allmeindstrasse. Dies hat mit dem Bevölkerungswachstum keinen Zusammenhang. Umgekehrt ist aber auch gerade die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr ein wichtiger Standortfaktor.

«Wohnungsbau und Bevölkerung entwickeln sich im Gleichschritt»
Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident Schmerikon

Und die grosse Hoffnung der Einwohner Schmerikons: Geht jetzt der Steuerfuss runter?

In den letzten 20 Jahren haben sich die Steuererträge verdoppelt, wohingegen die Bevölkerung um knapp ¼ gewachsen ist. Dies hat es möglich gemacht, den Steuerfuss substantiell zu senken. Ausser vorübergehenden Rückschlägen, beispielsweise durch eine Pandemie, darf angenommen werden, dass der Trend aufgrund unserer guten Standortfaktoren erhalten bleibt.

Sibylle Marti, Linth24