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Kanton
05.04.2021
05.04.2021 16:45 Uhr

«Die Jungen brauchen ihr Leben zurück»

Ohne umgehende Lockerungen werde die Gewaltbereitschaft weiter steigen, meint Christopher Chandiramani. Bild: zVg / stgallen24
Proteste gegen Corona-Massnahmen nehmen zu, nicht nur im Ausland und kürzlich in Liestal, auch in der Stadt St.Gallen. Soziale und psychologische Faktoren werden dabei wenig beachtet – ein Denkfehler.
  • Kommentar von Kantonsrat Christopher Chandiramani

An Ostern wurde der Bahnhofsbereich sogar ganz abgeriegelt und es wurden rund 500 junge Menschen weggewiesen, nach Hause geschickt, einige sogar verhaftet, um neue Demos im Keim zu ersticken.

Auch die Städte Altdorf und Rapperswil-Jona haben schon früher angekündigte Kundgebungen verboten. Das gibt neue Probleme und befindet sich juristisch auf dünnem Eis (Demonstrationsrecht).

«Corona-Müdigkeit» und eingeschränkter Lebensraum

Nach einem ganzen Jahr Pandemie wird die Bevölkerung zunehmend Corona-müde, der Gehorsam gegenüber Behörden und Bundesrat nimmt ab. Fitness und Sport, auch Tanzen, Singen, Kinos, Theater, Zirkus und andere Events besuchen sind immer noch verboten.

Insbesondere bei jungen Leuten wird der Lebensraum stark eingeschränkt. Nicht einmal ein Kaffee, ein Glas Bier trinken oder ein gutes Essen im Restaurant sind gestattet. Das alles führt zu mehr Aggressionen. Soziale und psychologische Faktoren wurden vergessen – ein Denkfehler.

Massnahmen z.T. weltfremd, unverhältnismässig, unwirksam

Sicher müssen Virusinfektionen ernst genommen werden. Aber die Gesundheitsbehörden waren bereits vor einem Jahr überlastet, nach eine ersten Shutdown immer noch orientierungslos. Masken-, Test- und Impfdebakel sind offensichtlich, Kantönligeist und Flickenteppiche, ein Ärgernis.

Viele Massnahmen blieben weitgehend wirkungslos, nur noch Negativwirkungen in Bezug auf die Wirtschaft: Zehntausende von Arbeitslosen und zerstörten Existenzen, vor allem im Gastgewerbe, Flugverkehr, und anderen touristischen und event-nahen Branchen. Die Fallzahlen waren in der zweiten Welle zum Jahreswechsel höher als im Frühjahr 2020 und steigen wieder an.

Nun flüchten die Leute nach draussen. Jedes Wochenende gibt es bei Frühlingswärme einen massiven Ausflugsboom. Die Naherholungsgebiete sind überlastet. Der Kanton Tessin versuchte sogar, die Touristenzahlen über Ostern zu limitieren.

Fazit: Umgehend lockern, sonst wird es noch schlimmer

Corona-Skeptiker zweifeln verständlicherweise, ob wir – bei einer Überlebensrate von etwa 99.9 Prozent – eine echte Pandemie haben, und der grosse Teil der Bevölkerung so unter den Massnahmen leiden muss. Bereits früher bei der Schweine- und Vogelgrippe gab es Fehlalarme durch die Behörden, und die Erkrankungen waren Einzelfälle. Sicher ist jedes Opfer tragisch, aber auch die bevorstehenden Konkurswellen wären vermeidbar.

Ohne Lockerungen, offene Restaurants, Events und Sport usw. werden die Menschen immer kampfbereiter – wir brauchen wie früher die Römer «Brot und Spiele». In Zukunft dürfte die Akzeptanz der Massnahmen weiter abnehmen. Ein Zusammentreffen von Corona-Protestierenden, Klimajugend und 1.-Mai-Chaoten wäre eine explosive Mischung, welche die Polizeiarbeit weiter erschwert. Auch das Justizsystem droht zu kollabieren, wenn Bussen durch Einsprache-Fluten immer mehr blockiert würden.

Christopher Chandiramani, freier Mitarbeiter Linth24