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Leserbrief
Gesundheit
01.04.2021

«Wieso können Tests nicht das Lockdown-Ende bedeuten?»

Dr. iur. Jürg Wissmann: «Durch Testen könnte man nicht nur die Restaurants risikolos wieder öffnen, man könnte auch die Freiheit zurückgewinnen.» Bild: welt.de
Der Eschenbacher Rechtsanwalt Dr. iur. Jürg Wissmann schreibt in einem Leserbrief, dass es manchmal nur eine Änderung der Optik braucht, um sich von einer Angststarre lösen zu können.

«Der Kampf gegen die Pandemie wird offensichtlich nur noch von der Angst geleitet. Resultat sind Freiheitsbeschränkungen und Verbote. Der Bundesrat hat im Januar den Lockdown verlängert aus Angst, die Englische Virusvariante könnte die Epidemie verschlimmern. Mitte März wurde nun erneut bis Ostern verlängert, weil drei von vier Infektionsparameter nicht im gewünschten Bereich liegen würden. Und wir wissen natürlich heute nicht, ob nach Ostern die Angst vor der noch viel grausameren Brasilianischen Virusvariante P1. zum Risiko und Grund für weitere Verlängerungen wird.

Bei der Gelegenheit hat der Bundesrat angeordnet, dass jede Person pro Monat fünf Gratisschnelltests in der Apotheke beziehen könne. So weit, so gut; aber es stellt sich nun doch die Frage, ob man das Testen nicht auch zur Beendigung des Lockdown nutzen könnte? Dazu könnte ein Wechsel der Optik hilfreich sein:

Corona-freie Räume

So könnte der Bundesrat eine sofortige Öffnung der jetzt geschlossenen Betriebe zulassen, unter der Bedingung, dass nur Einlass erhält, wer sich unmittelbar testen lässt und ein negatives Testresultat ausweist. Mittels Tests werden auf diese Weise Corona-freie Räume geschaffen und Befürchtungen zur Weiterverbreitung des Virus würden sich für diese Betriebe in Luft auflösen. Wenn zusätzlich eine Pflicht zur Identitäts- und Adressfeststellung sowie der Meldung positiver Tests eingeführt werden würde, so könnten die Behörden danach nicht nur die Einhaltung der Quarantäneregeln prüfen, sondern aktiv die Weiterverbreitung des Virus bekämpfen, durch die Befragung und Testung des sozialen Umfeldes der betroffenen Person. Mithin würden die heute zur Inaktivität gezwungenen Betriebe vom Opfer des Lockdown zu einer wertvollen Hilfe im Kampf gegen Corona.

In 15 bis 20 Minuten ein Resultat

Zwar bedeutet das Testen einen grösseren Aufwand an Personal und Zeit. Gemäss den verfügbaren Informationen bringt aber der Antigen-Test innert 15 bis 20 Minuten ein Resultat. Und mancher Betreiber nimmt den Zusatzaufwand wohl gerne auf sich, wenn er wieder normal arbeiten kann. Zudem könnte damit jeder Unternehmer oder Organisator selber entscheiden, ob er gegen die Möglichkeit der sofortigen Öffnung die Verantwortung für die Gratistestung übernehmen will oder nicht.

Fazit ist aber, dass man durch ein Testen nicht nur die Restaurants risikolos und ohne Angst wieder öffnen könnte, man könnte auch die Freiheit zurückgewinnen und andere Beschränkungen aufheben. Wer würde nach Möglichkeit nicht freiwillig testen, um das Corona-Risiko zu vermeiden, wenn er mehr als 10 Personen zu seiner Geburtstagsparty einlädt?»

Dr. iur. Jürg Wissmann aus Eschenbach