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Kanton
06.03.2021
06.03.2021 07:24 Uhr

St.Galler Käserei will 3 Mio. Liter Milch importieren

Ob diese Kühe aus dem Appenzell wohl auch über den Import deutscher Milch tuscheln? Bild: Ulrike Huber
Die Käserei Imlig aus Oberriet will Milch aus Deutschland zu Weichkäse für einen Discounter verarbeiten. Das sorgte für gröberes mediales Aufsehen.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht verständlich: die Oberrieter Käserei Imlig will ihren Betrieb auslasten. Dazu kommt ein Auftrag von einer grossen Discounterkette gerade recht, Weichkäse in grossen Mengen zu erzeugen. Wobei bekannter Weise die Gewinnmargen bei solchen Aufträgen gering sind. Die Oberrieter waren daher wohl gezwungen, sich nach billigerer Milch als jener aus der Schweiz umzusehen.

So wurde bei der Eidgenössischen Zollverwaltung der Antrag für die Genehmigung der Imports von drei Millionen Litern Milch aus Deutschland gestellt. Und zur Überraschung und Empörung vieler, vor allem der Schweizer Milchbauern, auch genehmigt. Die Begründung im Technokratendeutsch: «Wenn gleichartige inländische Erzeugnisse nicht in genügender Menge verfügbar sind oder für solche Erzeugnisse der Rostoffpreisnachteil nicht durch andere Massnahmen ausgeglichen werden kann, besteht grundsätzlich Anspruch auf den Veredelungsverkehr.»

  • Die Käserei Imlig aus Oberriet wird mit importierter Milch Weichkäse für eine Discounterkette erzeugen Bild: weinfreude.de
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  • Bild: bonifaz-kohler.com
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  • Bild: ich-liebe-kaese.de
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Frust und Ärger bei den Landwirten?

Was nach den bisher bekannten Darstellungen in den Medien bei den Landwirten bei dieser Nachricht Frust und Ärger bereite. Wobei immer nur Innerschweizer Bauern zitiert werden. In SRF bemängelten so Milchbauern fern des Rheintals die Tatsache, dass sie für jeden Liter produzierter Milch einen Beitrag an Swissmarketing für die Vertriebsförderung für Schweizer Milchprodukte zahlen. Zwar dürfen die in der Käserei Imlig künftig hergestellten Discounterkäse nicht mit dem Schweizer Kreuz versehen werden, profitieren im Ausland aber höchstwahrscheinlich durch einen Schriftzug wie «Hergestellt in der Schweiz». Eben Schweizer Käse aus deutscher Milch.

Überraschend, dass da Milchbauer und Präsident der hiesigen PMO (Produzenten-Milchverwerter-Organisation) Stefan Muntwyler eine Lanze für die Käserei Imlig bricht: «Über dieses Thema wird derzeit in den Medien viel zu einseitig berichtet. Man kann doch nicht ein seriös arbeitendes Unternehmen, wie die Käserei Imlig, beinahe als kriminell darstellen, nur weil sie vollkommen legal ihre Möglichkeiten ausnutzt. Denn jede Medaille hat zwei Seiten, zwei Sichtweisen.»

 

Ob Schweizer Kühe wohl tatsächlich die bessere Milch geben - jedenfalls ist das Angebot an inländischer günstiger Milch derzeit gering Bild: Ulrike Huber

Zuwenig günstige Milch auf dem Markt

Wie Muntwyler betont, gibt es in der Schweiz sicher nicht zu wenig Milch, aber zuwenig günstige Milch. Kein Wunder also, dass sich ein Milchverarbeiter, der seine Betriebsanlage auslasten muss, um das Unternehmen betriebswirtschaftlich korrekt zu führen, für billigen Discounterkäse auch auf günstige Milch aus dem Ausland zugreifen muss.

«Daher habe ich auch als Milchbauer sicher nichts dagegen, dass man bei Imlig diesen Weg gewählt hat, um den Betrieb wirtschaftlich zu halten», erklärt Stefan Muntwyler seine Sicht der Dinge, «Imlig-Lieferanten haben immer einen überdurchschnittlichen Milchpreis erhalten, konnten jederzeit expandieren und wurden nie in der Menge eingeschränkt. Vor fünf, sechs Jahren, als wir in der Schweiz einen Butterberg und zuviel Milch hatten, waren alle froh, wenn der Imlig die Milch abgenommen hat. Jetzt haben wir wieder eine besondere Situation. In letzter Zeit wurde die Butterproduktion in der Schweiz angekurbelt und die Milch sozusagen vom Käse weggeleitet. Jetzt fehlt einfach billige Milch für die Exportprodukte. Da bleibt doch einer Käserei letztlich kein anderer Weg. Und man darf eines bei dieser Diskussion nicht vergessen: Wenn es dem Milchverarbeiter nicht gut geht, geht es den Bauern auch nicht gut.»

Linth24/gmh/uh