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Kolumne
26.02.2021

Genuss mit Dietiker: Welches ist Ihr Lieblingswein?

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Verlassen Sie sich lieber auf Ihre persönlichen Vorlieben.
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Verlassen Sie sich lieber auf Ihre persönlichen Vorlieben. Bild: Linth24
Das Weinangebot ist riesig und unübersichtlich. Experten nehmen zwar Selektionen vor, Weinverkäufer ebenso. Aber beim Weinkauf müsste doch der eigene Geschmack im Vordergrund stehen.
  • Kolumne von Hansjörg Dietiker

Verleiht Robert Parker einem Wein 99 von 100 Punkten, erübrigt sich eine Beschreibung des Weins. Er wird beim Händler zum Verkaufsschlager. Vielleicht überzahlen wir dann aber den benoteten Tropfen oder er entspricht gar nicht unserem persönlichen Geschmack...

Blinddegustationen

Aber erstmal muss man ja seinen eigenen Geschmack kennen lernen! Wie wollen Sie beispielsweise einen Pinot noir aus der Bündner Herrschaft beurteilen, wenn Sie keine Vergleichsmöglichkeit haben? Ichh habe vor drei Monaten einen Herrschäftler getrunken und er schmeckte mir. Aber erinnern sich meine Geschmacksnerven wirklich an jenen Tropfen? Bekanntlich wird ja der Weingenuss auch von der Ambiance und dem Essen beeinflusst.

Ich habe mit drei, vier Freunden zu «meinem Geschmack» gefunden dank privaten Blinddegustationen in lockerer Atmosphäre. Da unsere Geschmacksorgane nicht geschult sind, beschränken wir uns auf vier bis fünf verhüllte Flaschen. Und wir verteilen die Auswahl nicht auf allzu viele Regionen.

Mit wenig Aufwand ermittelt eine Blinddegustation verlässliche Resultate über Ihren persönlichen Geschmack. Bild: Linth24

Auf der Verhüllung nummerieren wir die Flaschen. Für jede Degustation wird ein Fragebogen mit diesen Zahlen (z.B. 1 bis 4) vorbereitet. Darauf werden die persönlichen Eindrücke von Geruch, Farbe, Geschmack und Abgang notiert. Zusammen ergibt das dann eine Punktzahl in einer festgelegten Skala von beispielsweise 1 bis 10.

Welche Sorten und Regionen bevorzuge ich?

Wenn ich also unsere weissen Chasselat-Weine kennen lernen möchte, wähle ich je eine Flasche aus dem Wallis, vom Genfer-, Bieler- und Neuenburgersee. Alle Weine werden in derselben Temperatur und in gleichen Gläsern degustiert. Da ich Namen und Preise nicht kenne, werde ich neutral notieren, welche Sorten mir am besten munden.

Oder wenn ich wissen möchte, ob Bordeaux- oder Burgunderweine mehr meinem Geschmack entsprechen, wähle ich je zwei sortentypische Gewächse in zwei verschiedenen Preisklassen. Manchmal musste ich dann (einigermassen betrübt) feststellen, dass mir die teureren Weine besser mundeten...

Das Erkennen der persönlichen Weinvorlieben erleichtert die Entscheidungen vor den Verkaufsregalen. Bild: Linth24

Habe ich einmal herausgefunden, dass beispielsweise die Tempranillo-Trau- be aus dem Rioja meinen Geschmack trifft, kann ich in einer weiteren Blinddegustation herausfiltern, welche Rioja-Lage mir am besten gefällt. Rioja Alta (24000 Hektaren südlich des Ebro) mit seinen körperreichen und tanninhaltigen Weinen? Oder Rioja Alavesa (12000 Hektaren nördlich des Ebro) mit seinen leichteren und fruchtigeren Tropfen? Oder gar aus der wärmeren und trockeneren Rioja Baja (20500 Hektaren), wo die Sorte Garnacha dominiert? Und bei der nächsten Degustation verkosten wir dann verschiedene Preisklassen der erkorenen Lieblingsregion.

Immer wieder Überraschungen

Solche Blinddegustationen offenbaren immer wieder Überraschungen, auch bei den Partnern. Aber man lernt vor allem seine persönlichen Vorlieben kennen. Das erleichtert mir dann die Entscheidungen, wenn ich vor den Verkaufsregalen stehe.

PS zum Lockdown: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Bild: Linth24
Hansjörg Dietiker, Linth24