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Eschenbach
23.02.2021
22.02.2021 21:29 Uhr

Ivo Kuster hasst es, ein «Corona-Held» zu sein

Ivo Kuster erlässt seiner Mieterin die Miete – jedoch hasst er es, deswegen als «Corona-Held» ausgezeichnet zu werden. Bild: Linth24
Der Eschenbacher Ivo Kuster erliess als einer der ersten seiner Mieterin die Miete und ging damit auf Facebook viral. Nun wurde der SP-Lokalpolitiker vom «Blick» zum «Corona-Held» erkoren.

Ivo Kuster aus Eschenbach hat in einem Akt der Solidarität seiner Mieterin seiner Liegenschaft in diesen schwierigen Zeiten die Miete erlassen. Auf Facebook postete Kuster über den Mieterlass: «Meine Mieterin musste mir nur guten Morgen sagen und fragte scheu um eine Reduktion und 1 Minute später sagte ich ihr, lassen wir das mit der Miete! - So einfach könnte das sein!» Dies habe er jedoch nicht gepostet, weil er stolz darauf war, sondern um auf die ganze Situation aufmerksam zu machen. Auf Facebook wurde sein Post ganze 54'000 Mal geteilt und erhielt 57'000 Likes – ein viraler Hit also.

Zu seiner Blick-Auszeichnung meint der Eschenbacher jedoch: ««Dass ich zum Corona-Helden ausgezeichnet werde, ist nett gemeint. Doch eigentlich hasse ich es.» Für ihn sei seine Tat nicht die eines Helden, sondern einfach eine Tat der Selbstverständlichkeit. Von jemandem Geld für Räumlichkeiten zu verlangen, die er oder sie nicht benutzen darf, das sei so, wie wenn er eine Person ohne Führerschein dazu zwingen würde, bei ihm einen Ferrari zu leasen, erklärt Ivo Kuster weiter.

Schlechtes Zeichen für Schweizer Gesellschaft

Der virale Facebook-Post und die Gratulationen tausender Menschen sind für Kuster ein Zeichen dafür, wie sehr man sich in der Schweiz an die Gier gewöhnt habe und sobald sich jemand ihr nicht hingibt, werde er bejubelt, da dies eine solch grosse Ausnahme sei. Kuster ist der Überzeugung, dass jede Art von Vermieter – vor allem die grossen Immobilienfirmen – ein paar Monate ohne Mieteinnahmen wegstecken können müsse. Sonst habe dieser so schlecht gewirtschaftet, dass er in der Branche schlichtweg nichts verloren habe. Und wenn es einem Liegenschaftsbesitzer tatsächlich so schlecht gehen sollte, dass er unters Existenzminimum fällt, könne dieser im schlimmsten Fall Sozialhilfe beziehen, zitiert Blick den Eschenbacher.

Ein lautstarker Appell

Kuster appellierte und forderte bereits vor einem Jahr auf seiner Facebook-Seite: «Liebe Mieter: Verlangt Mietpreisreduktion! In der Schweiz ist das nicht rechtlich einklagbar aber GANZ KLAR angemessen! Zum einen sank der Leitzins auf 1.25 % per 2. März 2020. Zum andern ist Corona für das unterste Drittel der Gesellschaft und WorkingPoors endgültig zu viel! Helft auch euren Nachbarn, damit ihr gemeinsam Druck machen könnt!»

Und Kuster wäre nicht Kuster, wenn es nicht gleich einen Schritt weiterginge. So hat er auf seiner Website einen Musterbrief reingestellt, der mithelfen soll, wenigstens eine Sorge weniger in diesen schweren Zeiten zu haben: www.ivo.sg

Linth24