Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Sport
24.01.2021
22.01.2021 13:00 Uhr

Auch den Schwingern setzt Corona zu

Auch Kranzgewinner Dominik Oertig steht vor einer ungewissen Zukunft. Bild: zv
Seit drei Monaten gibt es kein Training mehr beim Schwingverband Rapperswil und Umgebung und beim Frauenschwingclub Linth. Was sagen die Betroffenen zu ihrer ungewissen Zukunft?

Die Corona-Schutzmassnahmen geben auch den Schwingern arg zu schaffen. So stark, dass sogar Schwingerkönig Christian Stucki einen offenen Brief an den Bundesrat schrieb, um auf die aktuell prekäre Lage aufmerksam zu machen (Blick berichtete darüber).

Denn im Amateursport, zu denen die Schwinger nun mal gehören, dürfen seit dem Bundesratsentschluss von anfangs November pandemiebedingt keine Trainings mit Körperkontakt ausgeübt werden. Stucki befürchtet deshalb, «dass junge Schwinger zu anderen Sportarten abwandern und der Nationalsport deshalb vor die Hunde gehen könnte.»

Schwierige Situation

Genutzt hat sein Schreiben aber nichts. Und so bleibt auch der Schwingkeller des Schwingverband Rapperswil und Umgebung weiterhin geschlossen. «Natürlich ist es für unsere Schwinger und für die Schwingerinnen, die auch in unserem Schwingkeller trainieren dürfen, hart, wenn diese fast drei Monaten überhaupt nicht mehr trainieren können und so die enge Bindung nicht mehr haben. Doch es geht zur Zeit allen gleich, und ich bin sicher, dass wir diese Situation verkraften können,» ist sich Adrian Oertig, Präsident des hiesigen Schwingerverbandes, sicher. Aber: «Das letzte Jahr mussten wir uns abfinden, dass alle Schwingfester und sogar die Trainings grösstenteils ausfielen, und jetzt, da man nicht weiss, wie lange es noch dauert, da fängt es so richtig an zu zehren.» Das spüren die ganz jungen Schwinger ebenso wie die Top-Cracks im Verband.

v.l.n.r: Dominik Oertig,Kranzgewinner, Michelle Brunner, Schwingerkönigin und Adrian Oertig, Verbandspräsident Bild: L24

Hört Schwingerkönigin auf?

Eine dieser Topathletinnen ist Michelle Brunner, die amtierende Schwingerkönigin aus Benken. «Am Anfang hätte ich es nie für möglich gehalten, dass gar kein Schwingfest mehr durchgeführt wird. Das hat mich in meiner Karriereplanung zurückgeworfen», gibt Michelle Brunner unumwunden zu. Im letzten Sommer hat sie nach dem Lockdown zwar das Training wieder aufgenommen, doch bereits im Oktober war schon wieder Schluss damit. «Ich habe mir dann zwar vorgenommen, im 2021 nochmals anzugreifen, aber das sieht momentan ohne Trainingsmöglichkeiten wieder sehr schlecht aus.»

Brunner verheimlicht nicht, dass die aktuelle Situation sie darüber nachdenken lässt, ob sie überhaupt nochmals aktiv ins Sägemehl steigen will. «Jetzt kommt es darauf an, wie lange das Ganze noch geht, dann sehe ich, ob ich überhaupt nochmals zu Wettkämpfen antreten werde.»

  • Michelle Brunner Bild: zv
    1 / 2
  • Die amtierende Schwingerkönigin Michelle Brunner in ihrem Ernstkampf Bild: zv
    2 / 2

Auch Kranzgewinner vor ungewisser Zukunft

2019 war auch für Dominik Oertig ein äusserst erfolgreiches Jahr. Am Eidgenössischen Schwingfest holte er den Eidgenössischen Kranz ins Linthgebiet. «Es ging ein grosser Traum in Erfüllung,» erinnert sich Oertig zurück, «und wenn man das erreicht, dann ist das einfach ein wahnsinniges Gefühl.» Doch ob sich dieses Gefühl für Oertig wiederholen lässt, dass kann auch der Schwinger aus Uznach noch nicht beantworten. Nach dem Exploit am Eidgnössischen standen für Oertig zwar erstmals ganz andere Ziele im Vordergrund: «Ich habe eine Familie gegründet und konnte gleichzeitig auch den elterlichen Familienbetrieb übernehmen.» Doch nach der Pause stieg er letzten Sommer ebenfalls wieder ins Training ein – mit dem Resultat, dass es bereits kurz darauf wieder einen Trainingsstopp gab. Dass dies Oertig bezüglich seiner Karriereplanung nachdenklich stimmt, ist nicht verwunderlich: «Ich habe mir keine grossen Ziele für dieses Jahr mehr gesetzt. Ich schaue einfach, wie weit ich komme und entscheide dann, ob ich überhaupt nochmals angreifen werde.»

Holte den Kranz ins Linthgebiet: Dominik, Oertig Bild: zv

Trotz allem optimistisch

Adrian Oertig, der das Präsidium des hiesigen Schwingerverbandes letztes Jahr übernommen hat, bleibt trotz allem optimistisch. Denn der 1931 gegründete Verband kann auf eine gute Juniorenbewegung und eine solide Basis von rund 1800 Mitgliedern zählen. Aktiv im Sägemehl kämpfen gegen 40  Nachwuchsschwinger (bis 16 Jahre) und ca. 35 Aktivschwinger. «Natürlich müssen wir, wie viele andere Vereine auch, um den Nachwuchs kämpfen, doch gerade in ländlichen Gegenden, wo es nicht so viele Sportangebote gibt, da zieht das Schwingen auch bei den Jungen stark.» Wichtig sei es nun, so Oertig, dass wieder Schwingfester durchgeführt werden können. Dort können sich die Schwingerinnen und Schwinger zeigen, da treffen sich die Mitglieder und werden die Freundschaften gepflegt. Und das hilft, dass der Verband gut und heil aus der Corona-Situation herauskommt.

Rickenschwingen noch ungewiss

Geplant ist das traditionelle Rickenschwingen auf den 1. August. Letztes Jahr musste es aus bekannten Gründen ausfallen - wie es dieses Jahr aussieht, ist nach wie vor ungewiss. OK-Mitglied Adrian Oertig präzisiert: «Wir möchten unseren Aktivschwinger mit dem Rickenschwingen eine gute Plattform bieten, aber zur Zeit ist es noch zu früh, um etwas Genaueres sagen zu können.» Dass die Durchführung des Rickenschwingen noch ungewiss ist, beunruhigt Oertig aber nicht: «Wir sind ein gut eingespieltes OK mit Ivo Reichenbach an der Spitze, und das erlaubt es uns, auch kurzfristig zu entscheiden. Wir sind also nicht unter Zeitdruck.» 

Rolf Lutz, Linth24