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Rapperswil-Jona
14.01.2021

Porthof: CVP-Mitteilung – unfair und daneben

Die CVP teilt ihre Meinung zum Porthof mit – Bruno Hug kommentiert.
Die CVP äussert sich zum Porthof. In ihrer Betrachtung liegt sie oft daneben. Das muss kommentiert werden. Von Bruno Hug

Was die CVP Rapperswil-Jona unter Präsident Ivo Reichenbach diese Woche zum Porthof mitteilte, bestätigt die zunehmende Tendenz in der Stadt: Statt sich um das Wohlergehen der Stadt zu bemühen, bemühen sich die politischen Parteien in erster Linie darum, die Leistungen ihrer Stadträte schönzureden.

Beim Porthof ist es der gmögige Stadtrat Ueli Dobler, der von seiner Partei CVP Schützenhilfe erhält. Derweil Dobler mitten im Debakel steckt: Er sitzt im Stadtrat, der zusammen mit der Altersorganisation RaJoVita die Pflegeabteilung im Porthof abserviert hat.

Dobler sitzt aber auch in der Führung der den Porthof bauenden Stiftung Alterswohnungen. Sie wurde Opfer dieser Abservierung, «dank» der im EG des 30-Millionen-Neubaus nun statt einer Pflegeabteilung ein Kindergarten entstehen soll. Soviel zur Sache.

Folgend geht es aber nun um besagte Medienmitteilung. Dazu gibt es Einiges zu kommentieren. Das ist bitter nötig in dieser traurigen Angelegenheit!

Nur die halbe Wahrheit

Die CVP schreibt, es sei «fragwürdig», dass RaJoVita «erst kurz vor Vollendung» die langjährige Zusammenarbeit mit dem Porthof aufgelöst habe.

Entgegnung von Linth24: Damit unterschlägt die Partei, dass der Stadtrat diese «Auflösung» aktiv mitgestaltete. Am 18. Dezember 2020 teilte dieser nämlich mit: «RaJoVita verzichtet in Absprache mit dem Stadtrat darauf, die Pflegewohnung im Erdgeschoss zu mieten.»

Und RaJoVita-Präsident Daniel Lätsch sagte der Linth-Zeitung am 24. Dezember 2020: «Der Verzicht auf die Pflegewohnung … erfolgte nach einer Auslegeordnung mit dem Stadtrat

Wenn schon hätte die CVP fragen müssen: Warum mischte sich der Stadtrat in das Verhältnis zwischen Bau-Stiftung und RaJoVita ein und gab letzterer grünes Licht für ihren Rückzug aus der Porthof-Pflege? (Diese Frage hat Linth24 auch dem Stadtpräsidenten gestellt. Seine Antwort steht noch aus.)

Selbstschutz auf dem Rücken anderer

Weiter schreiben die Christlichen: «Es ist für die CVP nachvollziehbar, dass der Stiftungsrat Alterswohnungen Distanz zu einem fristlos freigestellten Mitarbeiter der RaJoVita nimmt.»

Entgegnung von Linth24: Diese Aussage ist daneben und unfair. Sie unterstellt Ex-RaJoVita-Leiter Christoph Künzli, er sei wegen Vergehen oder schlechter Arbeit fristlos freigestellt worden.

Jedoch: Künzli wurde normal gekündigt. Die Fakten dazu: Am 22. Januar 2020 kündigte RaJoVita-Präsident Daniel Lätsch Künzli wegen «unterschiedlicher Auffassungen über die Führung und die strategische Ausrichtung von RaJoVita» und stellte ihn deshalb frei, wie Lätsch selbst mitteilte. (Künzli war u. a. gegen die Investoren-Lösung von Stadtpräsident Stöckling beim künftigen Alterszentrum Schachen.)

Künzli wurde also nicht wegen ungenügender Leistung gekündigt. Dementsprechend stellte ihm RaJoVita zwei Super-Arbeitszeugnisse aus:

Am 30. April 2018 schrieb ihm der hoch geschätzte Top-Manager Randolf Hanslin (Ex-CEO und Verwaltungsrat Geberit) anlässlich seines Rücktritts als RaJoVita-Präsident ein 1-A-Arbeitszeugnis. Darin heisst es z.B.: Künzli habe mit «viel Engagement wertvolle Impulse gesetzt», geniesse «beim Stiftungsrat und bei den Behörden hohe Wertschätzung», habe mit RaJoVita wichtige «Meilensteine» gesetzt und «unternehmerisch, leistungsorientiert und nach wirtschaftlichen Grundsätzen» geführt. Künzli sei «im Altersbereich sattelfest», zeichne sich durch «Kreativität und Initiative» aus, besitze «Willen zur Gestaltung», engagiere sich «aktiv in Veränderungsprozessen», arbeite «speditiv und präzis». «Dank seiner offenen Art und seiner Verbindlichkeit» verfüge Künzli «über hohe «Sozialkompetenz».

Zum Schluss dankt Hanslin Künzli für seinen «vorbildlichen und wertvollen Einsatz» und freut sich, dass er «auch unter dem neuen Stiftungsratspräsidenten die Geschicke von RaJoVita weiter prägen wird.»

Auch der heutige RaJoVita-Präsident Daniel Lätsch schrieb dem scheidenden RaJoVita-Leiter ein Top-Arbeits-Zeugnis. Darin heisst es nach vielen vorgehenden Lobes-Äusserungen in den letzten Zeilen: «Christoph Künzli verlässt die Stiftung RaJoVita nach fünf erfolgreichen Jahren per 31. Oktober 2020. Der Stiftungsrat dankt ihm für seinen wertvollen Einsatz.»

Aufgrund dieser Fakten sind die Ausführungen der CVP zu Künzli nichts anderes als üble Nachrede, unbegründet, und stellen den Versuch dar, das Desaster im Porthof auf fremde Rücken abzuschieben.

Noch mehr Ungereimtes

Parteipräsident Ivo Reichenbach schreibt weiter: «Die CVP ist sehr optimistisch, dass sich für den Restaurantbetrieb im Porthof ein Mieter finden lässt und unterstützt die Alternativ-Idee eines Kindergartens. So ist auch beim Schachen-Projekt ein Kinderhort angedacht.»

Entgegnung von Linth24: Beide Aussagen sind problematisch.

  1. Es ist gerade heute äusserst schwierig, einen guten Mieter für eine Restauration zu finden. Optimismus hilft kaum weiter, wenn das Problem gelöst werden muss.
  2. Zur «Alternativ-Idee Kindergarten»: Ein Kindergarten ist ein fester Bestandteil der Schule. Ein Kinderhort dagegen dient Eltern, ihre Kinder für kurze Zeit dort abgeben. Ein Hort benötigt ein Zimmer, der Kindergarten im Porthof aber verbarrikadiert den wichtigsten Teil der Alterssiedlung. Der Porthof ist für die Betagten da und nicht dazu, um darin Kindergärten zu bauen.

Notlösungen für die CVP

Die CVP schreibt: «Gemäss Schulraumplanung» solle der heutige Porthof-Kindergarten ersetzt werden. Somit könne «mit der Not-Lösung», diesen im Porthof zu bauen, «für Jung und Alt eine würdige Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden».

Entgegnung von Linth24: Diese Stadt hat in den letzten Jahren genug der Not-Lösungen und Not-Übungen gesehen. Es reicht! Und in einem neuen 30-Millionen-Bau Not-Lösungen zu installieren, ist miserable Arbeit und für niemanden «würdig». Weder für die Kinder noch für unsere betagten Mitmenschen, denen Sicherheit und Service genommen wird.

Stadträte bestimmend für Desaster

Weiter gibt die CVP von sich: «Auch wenn einzelne Stadträte Einsitz in den Stiftungen haben, sind diese in Unterzahl und somit nicht alleinbestimmend...»

Entgegnung von Linth24: Das ist eine Ausrede. Die den Porthof bauende Stiftung Alterswohnungen Jona wird präsidiert von Stadträtin Tanja Zschokke (Grüne) in Begleitung von Stadtrat Ueli Dobler (CVP). Die beiden waren im Stadtrat beim Abschuss der Pflegeabteilung mit dabei.
Dann vereitelten die Stadträte in der Stiftung die Lösung mit dem Ex-RaJoVita-Leiter Künzli. Die Stadträte sind in diesem Drama also keine Nebendarsteller, sondern besetzten Hauptrollen.

Arme CVP wird nicht informiert

Partei-Chef Reichenbach schreibt weiter: «Leider wurde der CVP keine Informationen durch die Stiftungsratspräsidenten zugestellt. Auch verfügt sie über keine Kenntnisse, wie mit dem wirtschaftlichen Schaden» umgegangen werde.

Entgegnung von Linth24: Dazu ein Tipp: Fragen Sie, liebe CVP, Ihren Stadtrat Dobler, wer wieviel an Schaden bezahlt. Und sagen Sie es Linth24. Wir werden dies der langsam zermürbten Bevölkerung weitergeben.

Kommentar

Brisante Aussage der CVP

Die CVP schreibt in ihrer Medienmitteilung folgenden, eminent wichtigen Satz: «Das Bedürfnis für Pflegewohnungen wird mit dem Bau im Schachen gedeckt werden.»

Ich gehe heute davon aus, dass die Pflegeabteilung im Porthof gebaut wird. Erstens lässt sich der Kindergarten kaum kurzfristig realisieren. Es bräuchte dazu wohl einen Bürgerversammlungs-Beschluss und eine neue Planauflage für den Porthof. Der Ausbau im EG Porthof könnte deshalb noch über Monate stillstehen. Zudem: Die Versenkung der Pflegeabteilung entwertet die grösste Alterssiedlung der Stadt massiv und erschwert die Wohnungsvermietung. Das könnte die Stiftung finanziell empfindlich treffen, was wohl niemand will.

Und das Wichtigste: Der Einbau des Kindergartens in die Alterssiedlung statt der Pflegeabteilung lässt sich gegenüber den 150 betagten Bewohnern im Porthof menschlich nicht rechtfertigen. Das Volk würde dagegen aufstehen, da bin ich mir sicher.

Somit kommen wir zurück zur Aussage der CVP, der Schachen genüge, auch wenn die Pflege im Porthof wegfalle. Diese Aussage hat Brisanz. Denn es geht auch umgekehrt: Wird die Pflege im Porthof gebaut, kann der Schachen um 19 Betten reduziert werden. Kosteneinsparung im Schachen: rund 5 Millionen Franken!

Und damit wäre auch Stöcklings Investoren-Idee vom Tisch. Was wieder freies Denken in der Altersstrategie der Stadt ermöglichen würde. (Endlich) geführt vom zuständigen Ressort-Leiter Gesellschaft und Alter, von Luca Eberle.

Bruno Hug