Kanton
04.03.2019

6000 MENSCHEN WOLLEN SPITAL WATTWIL BEHALTEN

Petition «Pro Spital Wattwil» mit 6'000 Unterschriften eingereicht.

Das Spital Wattwil soll als Spital mit Notfall- und stationärer medizinischer Versorgung in der kantonalen Spitalstrategie verankert bleiben. Das fordert der «Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil» in seiner Petition «Pro Spital Wattwil», die er mit 6'000 Unterschriften bei der Staatskanzlei des Kantons St.Gallen zu Handen der Verantwortlichen eingereicht hat.

Die regionalen Akteure stehen für den weiteren Betrieb des Spitals ein. Das Unverständnis darüber, dass die bereits für den neuen Bettentrakt investierten über 50 Mio. Franken durch die Strategie des Verwaltungsrates der St.Galler Spitalverbunde vernichtet würden, ist gross.

Keine Ergebnisoffenheit

Im Rahmen der Bevölkerungsgespräche des Lenkungsausschusses war immer wieder die Rede von «Ergebnisoffenheit»: Es «sei nichts entschieden». Im Widerspruch dazu wurden die vier im Grobkonzept des Verwaltungsrates bezeichneten Spitäler als «gesetzte Standorte» bezeichnet. Die neusten Verlautbarungen in Zusammenhang mit dem Jahresabschluss der Spitalverbunde deuten auf weitere Massnahmen am Spital Wattwil hin, um rasch und vorzeitig Fakten zu schaffen. Hier werden künstlich Engpässe konstruiert, damit die Behandlungen dann am Standort Wil – der noch ausgebaut werden soll, obwohl in Wattwil investiert wurde – erfolgen. Entsprechend gross ist die Besorgnis, dass der Verwaltungsrat keinerlei Ergebnisoffenheit an den Tag legen wird.

Baustopp schafft vollendete Tatsachen

Der Baustopp blockiert unter anderem die Umsetzung der seit langem geplanten Integrierten hausärztlichen Notfallpraxis (INP) am Spital Wattwil. Dies, obwohl die INP ein zentraler Pfeiler für die Sicherung der Grund- und Notfallversorgung in Zusammenarbeit mit den Hausärztinnen und -ärzten im Toggenburg wäre und in allen bekannten Konzepten zur Spitalstrategie vorgesehen ist. «Für die Leute hier im Toggenburg ist klar: Der Baustopp schafft vollendete Tatsachen», bringt Alois Gunzenreiner, Präsident des Fördervereins Regionalspital Wattwil, die Stimmung in der Bevölkerung auf den Punkt. «Umso wichtiger ist das kräftige Zeichen der 6'000 Personen, welche die Petition unseres Fördervereins unterschrieben haben.»

Der Baustopp ist rasch aufzuheben

Die Petition fordert, dass das Spital Wattwil als Spital mit Notfall- und stationärer medizinischer Versorgung in der Spitalstrategie verankert bleibt. «Entscheidend ist, dass die Grund- und Notfallversorgung im Toggenburg gewährleistet bleibt. Bei einer Schliessung des Spitals Wattwil wäre diese akut gefährdet», erklärt Alois Gunzenreiner. «Zugleich geht es um den grössten Arbeitgeber im Toggenburg mit 250 Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.» Selbstredend ist für den Förderverein die Erwartung, dass der Baustopp rasch aufgehoben und die INP realisiert wird, ergänzt Alois Gunzenreiner: «Das Spital darf nicht länger durch den Baustopp gezielt zu Gunsten des Standortes Wil geschwächt werden.» Die Petition weist darauf hin, dass in den anderen Regionen des Kantons, vor allem im nördlichen Teil, die Versorgungsdichte mit Spitalstandorten deutlich höher ist. Wird die Spitalversorgung in funktionalen Räumen und kantonsübergreifend angeschaut, wie das in der Verkehrs- und Raumplanung gemacht wird, sind alle Regionen im Kanton gleich mehrfach an Spitäler angebunden – mit Ausnahme des Toggenburgs.

Positionierung als Chance nutzen

Der Förderverein Regionalspital Toggenburg ist überzeugt, dass für den weiteren Betrieb des Spitals Wattwil verschiedene zukunftsgerichtete, langfristig funktionierende Varianten von Leistungsspektren und Organisationsformen möglich sind, wenn der Blick auch über die Grenzen der Spitalregionen und des Kantons hinaus geöffnet wird und die Spitalstrategie den Spitälern Spielraum für flexible Zusammenarbeiten gibt. «Wir erwarten, dass solche Varianten erarbeitet werden. Mit einer angemessenen Positionierung könnte das Spital neue Chancen nutzen. Umso wichtiger sind die INP und eine rasche Aufhebung des Baustopps», erklärt Präsident Alois Gunzenreiner. Er weist darauf hin, dass eine solche wohnortnahe Versorgung mit Leistungskonzentrationen auch die Grundlage bildete für die klaren Volksentscheide von 2014, als die St.Gallerinnen und St.Galler an der Urne mit überwältigendem Mehr die Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil beschlossen haben.

Die Petition

Lanciert hat die Petition der Förderverein Regionalspital Toggenburg. Sie wird unter anderen mitgetragen von der Arbeitgebervereinigung Region Toggenburg (ART), dem Ärzteverein Toggenburg und der Region Toggenburg. Die Petition ist mit Argumenten, Unterlagen und über einem Dutzend Aussagen von Vertreter/innen der genannten Organisationen aufgeschaltet auf www.pro-spital.ch.

Wortlaut

Heute erneuert – morgen geschlossen? – NEIN!

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin, sehr geehrte Herren Regierungsräte Sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsrates der Spitalverbunde Sehr geehrte Kantonsrätinnen und Kantonsräte

Dass der Strategie der Leistungskonzentration ausgerechnet das Spital Wattwil zum Opfer fallen soll, wo bereits in die Erneuerung investiert wurde, ist nicht einsichtig. Ein Spital für 85 Mio. Franken zu erneuern und es dann zu schliessen, wäre unverantwortlich und würde dem Willen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger widersprechen.

Die stationäre Grundversorgung und die Notfallversorgung durch das Spital Wattwil sind für die Bevölkerung der Region und für die Attraktivität der Region als Standort zum Leben, Wohnen und Arbeiten entscheidend. Das Spital Wattwil ist nicht nur für die Gesundheitsversorgung, sondern auch als Unternehmen und Arbeitgeber in der Region von grosser Bedeutung.

Für die Standortfrage im Rahmen der Leistungskonzentration sind auch die Erreichbarkeit des nächsten Spitals und die Nähe zu anderen grösseren Spitälern mit einzubeziehen. Diese ist in anderen Regionen des Kantons weit besser gegeben. Spitalschliessungen sind nicht der einzige Weg, um die identifizierte Finanzierungslücke zu schliessen. Fast alle Schweizer Kantone ausser der Kanton St.Gallen leisten Zuschüsse an ihre Spitäler für deren gemeinwirtschaftliche Leistungen wie Rettungsdienst, universitäre Ausbildung etc.

Aus all diesen Gründen fordern wir, dass das Spital Wattwil als Spital mit Notfall- und stationärer medizinischer Versorgung in der Spitalstrategie verankert bleibt. Sehen Sie bitte andere Massnahmen zur Deckung der identifizierten Finanzierungslücke der Spitalverbunde vor!

Kontakt

Alois Gunzenreiner, Präsident Förderverein Regionalspital Toggenburg, Tel. 071 987 55 55

Dazu passende Linth24 Berichte:

https://linth24.ch/unmut-ueber-geplante-spitalschliessung-in-wattwil/

https://linth24.ch/arbeitgeber-gegen-schliessung-des-wattwiler-spitals/

https://linth24.ch/toggenburger-aerzte-wehren-sich-fuer-spital-wattwil/

(OriginalMeldung, Autor: Förderverein Regionalspital Toggenburg)