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20.11.2020
22.11.2020 11:09 Uhr

Herr Thiel, sind Sie ein Verschwörungstheoretiker?

Andreas Thiel befürchtet, dass viele Generationen über Jahrhunderte werden für die Freiheit kämpfen müssen, die man jetzt aufgibt.
Am Samstag wird in Lachen zu einer Corona-Kundgebung mit verschiedenen Rednern geladen. Einer von ihnen ist Satiriker Andreas Thiel, der sich im Vorfeld den Fragen von Linth24 gestellt hat.

«Aktionsbündnis Urkantone» nennt sich die Organisation, welche sich aktiv gegen die Corona-Massnahmen wehrt. Am Samstag wird die Bevölkerung in Lachen zu einer Kundgebung eingeladen. Mit dabei sind als Redner sind unter anderem Nationalrat Pirmin Schwander aus Lachen und Andreas Thiel, der ebenfalls im Kanton Schwyz wohnt. Linth24 bat den Satiriker zum Interview.

Linth24: Herr Thiel, sind Sie ein Verschwörungstheoretiker?

Andreas Thiel: Das ist eine sehr gute Frage. Ich lebe ja in der felsenfesten Überzeugung, dass es einen lieben Gott gibt und rechne fest damit, nach dem Verlassen dieser Welt in eine geistige Welt einzutreten. Zudem bin ich mir absolut Gewiss, dass Jesus der in den Schriften angekündigte Messias war. Für alle, die das nicht glauben, bin ich wohl ein geistesgestörter Verschwörungstheoretiker.

Das tönt jetzt etwas gar dramatisch!

Die Wahrheit muss Gegenstand von Debatten sein, damit sie lebendig bleibt, was auch immer sie ist. Die Definition der Wahrheit durch den Staat, bedeutet deren Tod. Im letzteren Fall ist jeder ein Verschwörungstheoretiker, der nicht die von Oben verordnete Wahrheit vertritt. Und in diese Sackgasse führte uns der Bundesrat, als er die von Anfang an sehr umstrittene These vom «Killervirus» per Notrecht zur offiziellen Wahrheit erhob.

Was antworten Sie, wenn man Sie als «Covidiot» bezeichnet?

Wer in dieser Geschichte die «Covidioten» gewesen sein werden, wird sich noch zeigen.

Weches sind Ihre Motive für eine Teilnahme der Kundgebung «Aktionsbündnis Urkantone» in Lachen?

Ich bin nicht Mitglied dieses Bündnisses, lebe aber mit meiner Familie im Kanton Schwyz und bin froh, dass sich hier nun endlich ernstzunehmender politischer Widerstand regt.

Was wird am Samstag Ihre Message an die Besucher sein?

Wer sich nicht dagegen wehrt, wird nachher zu jenen gehören, die auf die Frage, wie es überhaupt hat soweit kommen können, keine Antwort wissen.

Weshalb setzen Sie sich aktiv und öffentlich für die Bekämpfung der Corona-Massnahmen ein?

Die Corona-Massnahmen sind absolutistisch. Und ich lehne jede Form von Absolutismus ab. So wenig, wie ich jemanden dazu zwingen würde, an Jesus zu glauben, möchte ich dazu gezwungen werden, an Weltuntergänge und Killerviren zu glauben.

Was antworten Sie Kritikern, die Ihnen vorwerfen, Sie wollen mit Corona-Aktivitäten nur Ihre Popularität aufrecht halten?

Die meisten Künstler getrauen sich nicht, sich kritisch zu äussern, weil sie Angst um ihre Popularität haben.

Inwiefern sind Sie von den Massnahmen betroffen?

Die Besuchstage im Kindergarten sind gestrichen. Das allein wäre kein Drama, aber unsere Tochter, die uns gerne zeigen würde, was sie im Kindergarten so macht, darf auch ihre Grossmutter nicht mehr besuchen, weil die Pflegeabteilung abgeriegelt ist. Ah ja, und ich habe Berufsverbot und weiss bald nicht mehr, wie ich meine Familie ernähren soll. Der Bundesrat schiesst auf ein Virus und trifft die Familie in ihrer Existenz. Das Virus ängstigt uns nicht, aber der Bundesrat stellt eine ernstzunehmende Bedrohung dar.

Woher beziehen Sie die Informationen zu Ihrer Meinungsbildung? Welche Quellen nutzen Sie?

Ich konsultiere die offiziellen Statistiken des Bundes zu den Sterberaten und Grippewellen in den letzten 20-30 Jahren und vergleiche sie mit den aktuellen Zahlen. Fazit: Im Westen nichts neues.

Kennen Sie jemanden, der einen schweren Verlauf von Covid hatte?

Ein Familienmitglied mit schwerer Vorerkrankung wurde bereits im Frühling auf die Intensivstation verlegt, ins künstliche Koma versetzt und intubiert.

Das zeigt doch auf, wie schwer diese Krankheit verlaufen kann.

Dass die Alten erkranken und sterben ist das Normalste im Familienleben. Auch dass Schwerkranke bisweilen auf der Intensivstation landen, ist nichts neues. Und die Vorerkrankungen in diesem Fall waren so schwer, dass wir überrascht sind, dass das Familienmitglied überlebt hat. Aber solange die Alten noch leben, haben sie ein Recht auf soziale Kontakte. Doch dieses Familienmitglied wurde völlig isoliert.

Ein weiteres schwer krankes Familienmitglied, das nicht einmal mehr sprechen kann, ist ebenfalls von der Familie abgeschnitten - ohne Covid-19. Auch dieses überlebte in den letzten Jahren sämtliche Grippewellen. Ob es die jetzige Grippewelle mit oder ohne Covid-19 überlebt, ist in diesem Krankheitsstadium völlig nebensächlich. Entscheidend wäre, dass es bis zum Tod täglich Besuch von der Familie empfangen dürfte. Und genau das wird all diesen armen Kranken verwehrt. Menschen, die bald sterben, wird jeder soziale Kontakt verboten unter dem Vorwand, sie zu schützen. Wovor?

Wovor scheint eigentlich klar. Oder wie meinen Sie das?

Studieren Sie mal den wöchentlichen Lagebericht des BAG. Auf Seite 11 des aktuellen Berichts erfahren Sie, dass das Medianalter der Covid-19-Todesfälle in der aktuellen zweiten Phase der Epidemie von 84 auf 86 Jahre gestiegen ist. Die Lebenserwartung in der Schweiz liegt bei 82 Jahren für Männer und 85 Jahren für Frauen. Angesichts solcher Zahlen ist das Wegsperren der Alten nicht nur unmenschlich sondern ein soziales Verbrechen. Wer solches anordnet, gehört vor Gericht.

Wenn Sie Diktator der Schweiz wären: Welche Massnahmen befehlen Sie, um die Corona-Krise einzudämmen?

Die einzige vernünftige Reaktion wäre: keine Reaktion. Das heisst, auch keine staatlich verordneten Massnahmen. Gesundheit ist Privatsache. Auch das Gesundheitssystem reagiert am effizientesten auf alle möglichen Herausforderungen, wenn ein Wettbewerb von Ideen und Lösungen spielt. Der staatliche Eingriff in diese Dynamik lähmt den Fortschritt und verursacht nur noch mehr Leiden und Tote.

Welches sind Ihre grössten Befürchtungen?

Dass wieder viele Generationen über Jahrhunderte werden für die Freiheit kämpfen müssen, die wir aus Angst vor einem Gespenst aufgegeben haben.

Welches ist Ihre grösste Hoffnung?

Dass sich die Bürger hier in den Urkantonen nicht mehr lange alles bieten lassen, was auf Berner Schreibtischen verbrochen wird.

Kundgebung des Aktionsbündnis Urkantone

«Gemeinsam für Freiheit und Grundrechte gegen die Corona-Diktatur»

Samstag 21. November 2020
16:00 - 18:00 Uhr
Seeplatz 1 (am Hafen)
8853 Lachen

Redner:

  • Josef Ender, Sprecher Aktionsbündnis Urkantone
  • Prisca Würgler, Lehrerin, Erstfeld
  • Pirmin Schwander, Nationalrat, Lachen
  • Dr. med. Regina Möckli, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Schlatt
  • Andreas Thiel, Satiriker und Essayist
  • Iwan Iten, Unternehmer, Restaurant Raten, Oberägeri
  • Daniel Trappitsch, Präsident Netzwerk Impfentscheid

Zur akustischen Untermalung treten Trychler auf.  

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24