Rapperswil-Jona
04.12.2019
04.12.2019 12:52 Uhr

Eishalle: Ja für ein schlechtes Projekt

An der Bürgerversammlung von Rapperswil-Jona vom 5. Dezember wird es für zwei neue Sporthallen im Grünfeld ein Ja geben. Glücklich damit sind nur wenige. Ein Kommentar von Bruno Hug.

Ohne Zweifel benötigen die SCRJ Lakers eine Trainings-Eishalle. Nachdem ich 24 Jahren lang in der Lakers-Führung tätig war, kann ich das nur unterstreichen. Das Projekt aber, das die Rapperswil-Joner Bürgerschaft am Donnerstag absegnen wird, ist falsch. Aber man wird dem Stadtrat keine weitere Schlappe zumuten – und man gönnt es den Hockeyanern, endlich am Ziel zu sein.

Der Standort der geplanten Eis-Trainingshalle im Grünfeld liegt rund einen Kilometer von der bestehenden Hockey-Arena im Lido entfernt. Der Neubau kostet die Steuerzahler 1.5 Millionen Cash und die Abgabe von Land im Wert von 1 Million Franken. Plus künftig pro Jahr ein paar hunderttausend Franken Unterhalt. Genaueres weiss man (auch im Rathaus) nicht. Wer wieviel für die Eismeister etc. bezahlt ebenfalls nicht. Auch nicht, zu welchem Preis die Schüler und Eiskunstläufer dort Sport treiben dürfen. Mit den Eishallen-Investoren rund um die Lakers Nachwuchs AG wurde das alles noch nicht verhandelt!

Sicher dagegen ist: Die künftige, privat geführte Eishalle wird als sportlicher Fremdkörper den Kopf der riesigen Sportanlage im Grünfeld bilden, welche der Öffentlichkeit gehört. Damit wird jede Chance vertan, dieses wertvolle Sportanlagen-Gelände der Stadt dereinst mit einem auch der Stadt gehörenden Pförtner-Gebäude zu fassen.

Jedem Hobby-Planer fällt auf:  Städtebaulich, siedlungstechnisch, verkehrstechnisch und logistisch steht die neue Eis-Trainingshalle am falschen Ort.

Trainingshalle gehört ins Lido

Seit Jahren verfolgt die Stadt die Strategie: Eis- und Wassersport im Lido; Fussball und Leichtathletik im Grünfeld. Wohl weil die Stadtführung irgendwann den Hockeyanern das öffentliche Land versprochen hat, und diese endlich eine Lösung brauchen, wird dieser Jahrzehnte lang eingehaltene Grundsatz – einfach so – über den Haufen geworfen. Vielleicht wie beim «Monsterschiff» im Hafen, als der Stadtpräsident sagte, das sei «einmal etwas Neues».

Derweil die Trainings-Eishalle im Lido Platz hätte. Ich habe der Stadt schon vor Jahren vorgeschlagen, diese über dem heute offenen Eisfeld zu bauen. Das offene Eisfeld könnte man im Gegenzug auf die Bootshalle zügeln. Königlich mit Seesicht. Hier wäre es auch an die Restauration der künftigen Badi angeschlossen. Womit Schlittschuhläufer zwischendurch an der Wärme einen Kaffee trinken könnten. Das wäre Lebensqualität.

So hätte es auch sein können: Grüne Fläche: Trainingshalle über dem alten Eisfeld. Gelb: Offenes Eisfeld über Bootshalle (mit oder ohne Fondue-Pavillon Lakers). Rotes Feld: Erstes Trainingshallen-Projekt quer über die Bootshalle.

Gemeinsame Bewirtschaftung

Arena, Trainingshalle und offenes Eisfeld könnten gemeinsam bedient werden. Eismeister, Eismaschinen, Schlittschuhvermietung, Kassenwesen, Garderoben, Öffnung und Schliessung der Hallen, Sicherheitswesen, Eisaufbereitung, Unterhalt, Servicearbeiten: Alles aus einer Hand.

Kinder, Eiskunstläufer, Hockeyaner, alle würden sich im selben Gelände bewegen. Das alles wäre tausendmal gescheiter, als zwei Eishallen zu bedienen, wo die Kids und Sportler mit ihren grossen Taschen hin- und hergekarrt werden müssen.
Oder: Wenn man wollte, könnte man die Trainingshalle auch auf dem Fussballplatz neben der Eisarena bauen. Mit denselben, vorgenannten Vorteilen.

Woher kommt die krude Idee Grünfeld?

Nun wollte ich wissen, wie die unverständliche Idee der Eishalle im Grünfeld aufs Tapet kam. Stadtpräsident Martin Stöckling beantwortete meine Fragen. Teils per Mail, teils an einer Sitzung. Was ich vernahm, waren wenig stichhaltige, dafür wortgewaltig ins Feld geführte Argumente. So, dass man irgendwann denkt: Dann zieht diesen Blödsinn doch durch.

Jedenfalls: Die Eishalle über dem heutigen offenen Eisfeld kommt für den Stadtpräsidenten nicht in Frage, weil er schätzt, dass das über 10 Millionen Franken kosten könnte (was die Halle im Grünfeld auch kostet). Und dass der Platz an der vorgeschlagenen Stelle eng werde mit den Booten im Wassersportzentrum. (Was kaum stimmt, denn die Verhältnisse wären ähnlich wie heute. Oder wie beim ersten, von der Stadt vorgeschlagenen und dann wieder abgesagten Trainingshallen-Projekt – siehe Planskizze).

Und warum auf dem Fussballplatz im Lido keine Trainingshalle entstehen kann, dazu sagt Stöckling, dass dieser noch für Fussball gebraucht werde (ohne Garderoben etc.) Dabei muss man auch wissen, dass der Rat plant, auf dieser Wiese dereinst den Knie gastieren zu lassen. (Dann aber muss aus dem Fussballplatz ein Kiesplatz werden, was den Bürgern niemand sagt.) Das alles in vielleicht 20 oder 30 Jahren, wenn auf dem heutigen Eishallen-Parkplatz (Para) eine Kanti gebaut werden soll. Welche der Vater des heutigen Stadtpräsidenten schon dorthin gedacht hat. Obwohl diese Kanti vielleicht in Uznach entsteht.

Und, ach ja, auf die Bootshalle, da könnte man, gemäss Stadtpräsident, die Skateranlage für Jugendliche zügeln. Auch das ist ziemlich zusammenhanglos. Aber vielleicht gibt es dazu noch einen Workshop. Eventuell macht das Stadtforum wieder freudig mit. Wie beim BWZ. Oder dann das Stadtparlament, das wohl bald kommt, wenn die Stadtführung so weitermacht.

Bruno Hug, Linth24
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