Kultur
23.11.2019
24.11.2019 19:03 Uhr

Bücher Spatz: «Doppelbruder»

Doppelbruder von Violine Bérot ist kein Buch für Zartbesaitete.

«Ich wollte ein Kind, das hatte ich neulich beschlossen. Ich wollte ein Kind. Ich hatte mir alles gut überlegt. Von den Kerlen hatte ich die Schnauze erst mal voll. Jetzt fand ich, war ich in einem Alter für die ernsten Dinge des Lebens.» Von einem Fernfahrer lässt sich <Die Mutter> schwängern.

Doch es kommt anders als geplant. «Zwei auf einmal! Dieser Dreckskerl hat mir zwei auf einmal gemacht! Ich wollte ein Kind, und soviel ich weiss, ist das für einen Typen kein Hexenwerk, einem Mädel ein Kind zu machen. Aber nein, der Kerl musste einen auf dicken Maxe machen und noch einen drauflegen. Zwei auf einmal...»

Und damit beginnt die tragische Geschichte. Denn die Liebesgefühle der Mutter reichen lediglich für ein Kind, für Titou. <Der Andere>, Titous Zwillingsbruder, vernachlässigt sie völlig. Bis Titou als Jugendlicher die erdrückende Liebe der Mutter nicht mehr aushält und sich mit dem <Anderen> verbündet.

«Meine Mutter glaubt, dass sie ein Recht auf eine zweite Chance hat, dass sie alles Knall auf Fall hinschmeissen kann, um neu und besser anzufangen. Sie hat nichts vom Leben verstanden.» Dies die Worte von Titou am Ende des Buches.

Psychologisch durchdacht und mit starkem Sog. Wer sich auf die Geschichte, abwechselnd erzählt aus der Sicht aller Beteiligten, einlässt, wird das Buch bis zur letzten Seite in einem Zug lesen wollen...

Ein mutiges Buch aus einem kleinen Zürcher Verlag.

Pearlbooksedition, 2019, Fr. 27.50

Monika Künzler, Bücher Spatz
Melden Sie sich jetzt an: