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Rapperswil-Jona
10.11.2019
12.11.2019 00:30 Uhr

Avenida: Stöckling & Furrer in Frage gestellt

Die Linth-Zeitung schrieb, die Avenida werde zur Schicksals-Abstimmung für Stadtpräsident Stöckling und Bauchef Furrer. Da ist viel dran. Das Projekt ist trotzdem abzulehnen. Ein Kommentar von Bruno Hug.

Redaktor Pascal Büsser von der Linth-Zeitung griff in seinem Bericht zum Projekt Neue Jonastrasse und St. Gallerstrasse zu einer eigenartigen Waffe. Er schrieb, bei dieser Abstimmung gehe es «um das Vertrauen in die Stadtbehörde». Bei einem Nein stünde der Stadtrat vor einem Trümmerhaufen. Insbesondere Bauchef Thomas Furrer wäre «desavouiert» und seine politische Zukunft in der Stadt infrage gestellt. Auch für Stadtpräsident Martin Stöckling wäre es eine schwere Schlappe und ein Zeichen dafür, dass «die politische Vertrauenskrise in der Stadt noch nicht überwunden» sei.

Zuerst einmal: Es geht in dieser Abstimmung um die Stadt und nicht um die Regierung – und ich bleibe dabei: Mit der bis zu 22 Meter breiten Teer-Piste würde Rapperswil-Jona seine Anmutung verlieren und zu einer dieser nichtssagenden Städte wie Uster, Pfäffikon SZ oder Oerlikon mutieren. Grauenhaft!

Die Vertrauenskrise

Was aber ist von der Vertrauenskrise zu halten? Ich stimme Redaktor Büsser zu. Sie ist nicht überwunden, im Gegenteil, sie hat sich noch verschärft. Währenddem Ex-Stadtpräsident Zoller hauptsächlich wegen seiner Eskapaden zur Kesb scheiterte, sieht es unter Stöckling auf breiterer Ebene unschön aus. Dabei ist mir klar, dies trifft auch mich, war ich doch Teil der letzten Wahlen und glaubte, mit der neuen Stadtführung erhalte Rapperswil-Jona Stabilität, Ruhe und Weitsicht. Leider habe ich mich getäuscht, was ich sehr bedaure. Viel zu oft höre ich, auch aus dem Stadthaus: «Es ist heute schlimmer als unter Zoller».

Flops und Zerreissproben

Wie kam es dazu? Immer mehr wird klar: Weder die Verwaltung noch der Stadtrat sind gut geführt – selbst Kadermitarbeitende aus dem Stadthaus klagen darüber. Gegen aussen zeigt sich das, wie der Rat ohne Sensibilität von Projekt zu Projekt stolpert. Dabei steht der Stadtpräsident, dem nachgesagt wird, er sei beratungsresistent, meist mittendrin. Die Flops sind zahlreich:

Es waren die Bürger, welche die Altstadt-Silhouette vor der Zerstörung durch das vom Stadtpräsident und vom Bauchef stark geförderte Visitor Center am Hafen retten mussten. Und beim Ganzjahresparkplatz für ein «Monsterschiff» im Hafen können Stöcklin und Furrer nur noch auf den kantonalen Bewilligungsstopp hoffen.

Ein weiteres Debakel verursacht der Stadtrat rund um die Trainings-Eishalle. Zuerst wollte er sie – gegen die Warnung von Fachleuten – quer über die Bootshalle im Lido legen. Stöckling verteidigte die Dummheit, bis die Kosten aus dem Ruder liefen. Nun soll die Halle im Grünfeld entstehen. Ein Fehler, der wohl nicht mehr zu verhindern ist, obwohl alle wissen: Das Vorgehen macht keinen Sinn. Die Stadt hat dereinst zwei Eishallen an zwei Standorten, derweil eine Trainingshalle neben der bestehenden Arena gebaut werden könnte.

Eine Zerreissprobe steht auch beim Neubau fürs BWZ an. Mit dessen Umsiedlung ins Südquartier, welche der Stadtpräsident vehement verteidigt, geht er das erhebliche Risiko ein, dass das Projekt schon rein rechtlich kollabiert. Ein weiteres Desaster wartet auch mit der bald 600'000 Franken teuren Kesb-Klage auf den Stadtrat. Ihm bleiben hier nur zwei Optionen: Entweder er fängt durch das nächste Gerichtsurteil eine Schlappe ein oder er muss den von ihm freigestellten Kesb-Leiter auf Kosten der Steuerzahler vor weiteren Gerichtsinstanzen verteidigen. Währenddem dieser seinerseits den Stadtrat wegen der amateurhaft argumentierten Entlassung eingeklagt hat.

Problematisch dürfte auch die geplante Bauvergabe des Alterszentrum Schachen an einen auswärtigen Investor werden. Das Gewerbe und die Architekten werden dagegen antreten. Die Stadtführung schlug auch dazu alle Warnungen in den Wind. Bange wird es mir auch, wenn ich an den Schloss-Umbau denke, woran die Steuerzahler 50 Prozent der Kosten berappen, während der Bau weiterhin in der Hand der halbdemokratischen Bürger-Organisation bleibt. Und so weiter.

Folgenschwere, falsche Entwicklung

Ja, wir haben die Vertrauenskrise in die Regierung nicht überwunden. Jedoch: Eine die Stadt kolossal negativ verändernde Strassenvorlage, wie sie zur Diskussion steht, zu bejahen, weil man damit den Stadtrat politisch stützen will, wäre für Rapperswil-Jona eine folgenschwere, falsche Entwicklung.

Bruno Hug, Linth24