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25.10.2019
28.10.2019 14:47 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 41

Wie bisher beeinflussen Handelskrieg, USA-Amtsenthebungsverfahren und Brexit-Debakel die Börse. Neu kommen Schweizer «Grünrutsch», EZB-Präsidentschafts-Nachfolge und guten Firmen-Zwischenergebnissen dazu.

Auch diese Woche war die Weltpolitik im Fokus der Berichterstattung. Dank eines Waffenstillstands im Nahen Osten kehrte zwischen Syrien und der Türkei vorläufige Ruhe ein. Die USA beschäftigt sich weiterhin mit dem Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten, ein Machtkampf zwischen den Demokraten und Republikanern.

In Grossbritannien streitet man immer noch um den Brexit. Das Parlament ist sich über den Zeitpunkt nicht einig, verlangt nochmals eine Verschiebung. Das Austrittsdatum vom 31. Oktober 2019 erscheint immer unwahrscheinlicher. Boris Johnson spricht sogar von Neuwahlen im Dezember.

Nicht nur die Schweiz, auch Kanada hat ein neues Parlament. In Kanada kann Premierminister Justin Trudeau weiter regieren. In der Schweiz gab es infolge den Klimadiskussionen einen «Grünrutsch».

Die achtjährige Amtsperiode von Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) läuft aus, und neu kommt die Nachfolgerin Christine Lagarde als Nachfolgerin. Die Amtsübergabe ist anfangs November vorgesehen. Die lockere Geldpolitik bleibt unverändert aktuell und sorgt auch für eine relativ freundliche Stimmung den Aktienbörsen. 

Die Berichtsaison der Unternehmungen beginnt gut. Viele Neun-Monatsergebnisse liegen über den Erwartungen.

Novartis erhöht die Gewinnaussichten bei wenig verändertem Aktienkurs, Die Grossbank UBS steigert das verwaltete Vermögen spürbar, die Aktien verbessern sich nur leicht. Mehr gewinnt ABB an Wert, dank unerwartet verbesserter Aussichten, über sechs Prozent. Die Transportfirma Kühne& Nagel macht sogar um acht Prozent Boden gut, und Wochengewinner Polyphor sogar um fast 80 Prozent (!). Offenbar ist diesem Antibiotika-Hersteller in Zusammenarbeit mit Hochschulen die Erfindung eines Mittels gegen behandlungsresistente Keime und Krankheiten gelungen. Ein Nachfolgeprodukt des Penicillins mit geringeren Nebenwirkungen wäre somit eine Sensation.

Erstmals wurden auch die Aktien der Neuemission SoftwareOne gehandelt, Ausgabekurs CHF18, Kursanstieg um vier Prozent am ersten Handelstag. Die lange diskutierte 6-Milliarden-Übernahme der UPC-Kabel-TV-Netze durch Sunrise wurde kurzfristig abgebrochen.

Aussichten

Die Tiefzinspolitik der Europäischen Zentralbank wird zunehmend kritisiert, sogar von den Schweizer Banken. Zu erwähnen ist jedoch, dass Mario Draghi und sein Team den Euro gerettet haben. Die Griechenlandkrise brachte die EU fast zu Fall. Dank Zinssenkungen blieben wir von aber einem Währungscrash verschont.

Diese sogenannte «Tiefzinsfalle» mit teilweise lange anhaltenden Negativzinsen bleibt uns auch zukünftig vorderhand erhalten. Verlierer sind die Sparer und die Pensionskassen, Gewinner sind Besitzer von Sachwerten, Immobilien und Aktien.

Die Parlamentswahlen brachten den erwarteten Rutsch in Richtung «Grün». Auch der Ruf nach einem entsprechenden Bundesrat wurde bereits laut. Aber in der Schweiz mahlen die Gesetzesmühlen langsam. Neue Vorschriften und eine Verteuerung von Energie und Treibstoffen werden nun im Parlament traktandiert, aber die Kosten, die Wirkung und die soziale Verträglichkeit nur sehr langsam, aber sorgfältig geprüft.

Spitze Zungen sprechen schon von einem «Übergangsparlament», bei dem nur ganz schwache Veränderungen politisch konsensfähig sind.

Der Einfluss auf den Aktienmarkt ist somit als gering einzustufen – und mangels Alternativen dürfte die Nachfrage nach Immobilien und Aktien hoch bleiben. Letztere hatten diese Jahr bereits einen Wertzuwachs von rund 20 Prozent.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24