Linthgebiet
18.10.2019
21.10.2019 08:47 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 40

Unsicherheiten insbesondere bezüglich der Krisenherde in Nahost und Britanien und Sorgen um den Wirtschaftswachstum dominieren weiterhin das Börsengeschehen.

Die gesamte Weltwirtschaft schwächelt. Bei der Türkei- und Syrienkrise einigt man sich über fünf Tage Waffenstillstand. Bezüglich Austritt Grossbritanniens aus der EU gibt es einige Silberstreifen am Horizont für eine geordnete Lösung. Die Schweiz wählt am Wochenende ein neues Parlament.

Der internationale Währungsfonds und die Weltbank, welche sich mit allen Ländervertretern dieses Wochenende treffen (Jahrestagung), haben bereits früher in einem Communiqué mitgeteilt, dass das globale Wachstum der Wirtschaft mit drei Prozent einen Tiefpunkt seit der Krise von 2008 erreicht hat. Hauptursache sei nicht nur der Konjunkturzyklus, sondern auch der Handelsstreit zwischen den USA und China bzw. der EU.

Die Notenbanken hätten mit ihrer Tiefzinspolitik Schlimmeres verhindert, doch stosse diese Geldpolitik mit ihren Nebenwirkungen auch an Grenzen. Aber mit einer flächendeckenden Rezession (Negativwachstum) sei nicht zu rechnen. Im kommenden Jahr 2020 nehme die Dynamik wieder zu, wird prognostiziert.

Im Nahostkonflikt (Türkei, Syrien) konnte durch Intervention der USA eine fünftägige Waffenruhe vereinbart werden. Vieles ist noch unklar in diesem Konflikt. Opfer sind jedenfalls die Kurden, die zu einem grossen Teil ihre Heimat verlieren. Indirekte Gewinner sind die Russen, welche durch den militärischen Rückzug der USA ihren Einfluss und ihre Stellungen im Grenzgebiet ausbauen können. Auf Sanktionen der USA gegen die Türkei wird vorerst verzichtet.

Am Donnerstag verkündeten Grossbritannien und die EU eine Lösung für den Brexit am kommenden 31. Oktober. Offenbar ist das Problem mit Nordirland (zu GB gehörend) gelöst. Mit einer Sonderregelung soll dieser Landesteil in der Zollunion mit Irland und der EU verbleiben können. Das britische Parlament muss die Vereinbarung noch absegnen. Beobachter erwarten einen knappen Ausgang des Entscheids. «Plan B» wäre eine erneute Verschiebung des Brexits.

An den Aktienbörsen gab es einen schwächeren Wochenbeginn. Die Kurse stiegen später aufgrund von Erwartungen beim Brexit und Handelsstreit. Im weiteren Verlauf verpuffte jedoch der Schwung, nachdem bekannt geworden war, dass all diese Verhandlungen noch mit vielen Unsicherheiten verbunden seien.

Die Aktien vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé verloren im Wochenverlauf zeitweise nach Bekanntgabe der Neunmonatszahlen. Diese Titel hatten allerdings in diesem Jahr über dreissig Prozent zugelegt. Temenos-Aktien reagierten noch empfindlicher, fielen nach Umsatzenttäuschung um 15 Prozent. Der Genfer Bankensoftware Spezialist hatte ein überraschend schwächeres Ergebnis für das dritte Quartal 2019 publiziert. Der Aktienindex SMI lag am Freitagnachmittag bei knapp 10‘000 Punkten.

Einige Zeit nach Stadler Rail - im Frühjahr 2019 - gibt es mit SoftwareOne, einem internationalen High-Tech-Konzern wieder eine Aktien-Neuplatzierung (IPO) an der Schweizer Börse SIX. Die Nachfrage ist nach Angaben der Emissionsbanken sehr gross. Schon am ersten Tag waren die Titel überzeichnet. Die Preisspanne erstreckt sich von 16.50 bis 21.00 Franken pro Aktie. Daraus ergibt sich ein Platzierungsvolumen von 636 bis 810 Millionen Franken im Basisangebot und eine Marktkapitalisierung von ca. 2.5 bis 3.2 Milliarden Franken. Die Bookbuilding-Periode (Offerte) dauert bis zum 24. Oktober 2019. Joint Global Coordinator und Bookrunner ist die Credit Suisse.

Aussichten

Am kommenden Sonntag ist Wahltag in der Schweiz. Das Schweizer Parlament wird für weitere vier Jahre neu gewählt. Es gibt über 4‘600 Kandidierende für 246 Plätze im National- und Ständerat.

Grosse politische Projekte für die kommende Legislaturperiode sind die Finanzierung der Altersvorsorge, Finanzen und Steuern, Auswirkungen der Negativzinsen, das Verhältnis der Schweiz zur EU, die Zuwanderung und die stark steigenden Kosten im Gesundheitswesen.

Die wachsenden «grünen Kräfte» werden sich für einen weitergehenden Umweltschutz und entsprechende Massnahmen einsetzen. Die neuen gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind ebenfalls relevant für die Entwicklung der Aktienbörse.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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