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Kanton
16.10.2020
16.10.2020 18:07 Uhr

Corona: St.Galler Regierung will noch abwarten

Der Kanton St.Gallen mit Regierungspräsident Bruno Damann wartet noch etwas zu mit weiteren Massnahmen. Das gefällt nicht allen.
Die Infektionszahlen im Kanton St.Gallen sind in den letzten Tagen ebenfalls gestiegen. Weitere Massnahmen folgen «erst» am Dienstag. Das sorgt für Lob, aber auch Kritik.

Der Bundesrat und viele Kantone sind sich einig: Die aktuelle Entwicklung der Neuinfektionen und steigender Hospitalisierungen sei beunruhigend und das Virus müsse wieder eingedämmt werden, bevor man ein «Déjà-Vu» der Szenarien im März erlebt. Ein Lockdown soll mit allen Mitteln verhindert werden. Der Ball liegt allerdings noch immer bei den Kantonen, auch wenn der Bund beschlossen hat, wieder mehr mitmischen zu wollen.

14 Kantone haben bisher eine Maskentragepflicht beim Einkaufen eingeführt. Zürich geht noch weiter und führt diese auch in Clubs und in Schulen für Erwachsene ein. Die Kantone Genf und Waadt haben die Lichter für Partygänger schon längst gelöscht. Und was ist mit St.Gallen?

Scharfe Kritik von St.Galler Politiker

Am Dienstag, einen Tag nach dem Besuch von Bundesrat Alain Berset, habe man die aktuelle Lage zusammen mit Fachleuten aus dem Kantonsarztamt und dem Kantonalen Führungsstab analysiert. Die Regierung wolle sich nun mit den Nachbarkantonen absprechen, am Freitag den Wochenverlauf im Kantonalen Führungsstab besprechen und am nächsten Dienstag die Massnahmen beschliessen und kommunizieren, heisst es offiziell. 

Der Kanton St.Gallen lässt sich also noch ein bisschen Zeit. Das sorgt für Unmut beim grünliberalen St.Galler Stadtparlamentarier Marcel Baur, der in seinem Blog das Vorgehen und die Kommunikation des Kantons scharf kritisiert:

«Der Kanton wartet jetzt bis nächsten Dienstag. Die Zahlen werden massiv ansteigen. Die Ansteckungen dazu sind gerade in vollem Gang und werden auch am Wochenende nicht abreissen. Nein, liebe St.Galler Regierung, Wunder geschehen sehr, sehr selten», schreibt er. Weiter wirft er ihr Grobfahrlässigkeit vor und findet, dass es doch möglich sein sollte, Entscheide zu fällen und Massnahmen zu kommunizieren. 

In einem weiteren Blog-Eintrag doppelt Baur nach und schreibt, das Hauptproblem liege in der «Nicht-Kommunikation» des Kantons: «Mit seiner Nicht-Kommunikation zeigt er letztlich seine Ratlosigkeit aber auch seine Versäumnisse, die er während der letzten ruhigeren Wochen begangen hat», so der Grünliberale. 

Covid-19 spaltet die Gemüter

Wenn Corona eines kann, dann die Meinungen spalten. In einer Facebook-Gruppe lobt man dagegen das Verhalten der Regierung: «Die Zahlen explodieren auch in den Kantonen mit Maskenpflicht. Ich finde es gut, dass St.Gallen nicht blind mitzieht!», schreibt ein User.

Ein weiterer kommentiert: «Genau! Ausserdem liegt das Problem bei Familienfeiern, wo man sich um den Hals fällt, als wäre Covid-19 nicht mehr da. Da bringen die Massnahmen nichts.» Auch Prof. Dr. med. Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene am Kantonsspital St.Gallen, wird immer wieder in der Debatte zitiert. Er hatte den Sinn des Lockdowns und die Strategie des Bundes mehrmals in Frage gestellt.

Warum schwimmt die Ostschweiz gegen den Strom?

Die Fäden laufen bei der Gesundheitsdirektorenkonferenz der Ostschweizer Kantone (GDK-Ost) zusammen. Deren Präsident ist der Glarner Regierungsrat Rolf Widmer (CVP). «Wir können keine Massnahme anordnen, von der wir wissen, dass sie wahrscheinlich gar nichts oder nur bedingt etwas bringt», sagt Widmer zu Radio SRF. Gegenüber «watson» führt Widmer aus, dass man schon sehr Pech haben müsse, wenn man beim Einkaufen an eine mit Corona infizierte Person gerät. 

Ob der Kanton St.Gallen bezüglich Maskenpflicht mitzieht oder andere Massnahmen einleitet, bleibt bis Dienstag abzuwarten. 

Miryam Koc, Linth24/stgallen24