Linthgebiet
10.10.2019
10.10.2019 05:17 Uhr

KESB: Schwander ist irritiert

Pirmin Schwander, Unterschriftenbögen im Initiativ-Büro
Pirmin Schwander kommt als Urheber der KESB-Initiative unter starken Beschuss. Aus den eigenen Reihen. Gegenüber Linth24 wehrt er sich gegen die Vorwürfe.

Die KESB-Initiative sei im Wesentlichen ein Wahlinstrument für den Schwyzer Ständeratskandidaten Pirmin Schwander und eine eigentliche Organisation für die KESB Initiative gebe es nicht. Das sagte Walter Hauser, Ex-Kantonsrichter und Ex-Mitglied des Initiativ-Komitees. Er trat, zusammen mit Julia Onken, aus dem KESB-Komitee aus. Bericht: https://linth24.ch/articles/2944-kesb-initiative-vermutlich-gescheitert

Linth24 erreichte Pirmin Schwander nach einer Krisensitzung mit seinem Team und vor einer Gerichtsverhandlung. «Es geht um einen KESB-Fall», sagte Schwander.

Herr Schwander, wie viele Unterschriften haben sie bisher für die eidgenössische KESB Initiative?
Schwander: Am 28. August 2019 hatte ich orientiert, dass wir knapp 80'000 Unterschriften haben. Aktuell kommen laufend neue Unterschriftenbögen rein. Besonders die lancierte Aktion im Kanton Schwyz läuft super.

Stimmt es, dass Sie in allen Haushalten des Kantons Schwyz Unterschriftenbögen verteilt haben?
Ja, das ist so. Diese Aktion hat 17'000 Franken gekostet, die habe ich selber bezahlt.

Sie kandidieren im Kanton Schwyz. Also ist diese Aktion Wahlhilfe?
Unterschriftensammeln ist eine gute Möglichkeit, auf die Bürgerinnen und Bürger zuzugehen, nicht nur im Wahljahr. Diese Möglichkeit habe ich auch anderen Kandidaten für kantonale Wahlen und für die kommende Wahl angeboten. Sie wollten es nicht nutzen beziehungsweise nicht selbst bezahlen! Die Frage lautet: Wer hat in einem Wahlkampf noch nie Unterschriften gesammelt?

Also stimmt der Vorwurf von Walter Hauser?
Nein, der Vorwurf stimmt nicht und er ist auch neu für mich. Wir haben auch im ganzen Kanton Baselland und im ganzen Kanton St. Gallen Unterschriftenbögen verteilt und in einigen Regionen in den Kantonen Zürich, Bern, Uri, Nidwalden, Solothurn, Tessin. Dort haben sich freiwillige Helfer engagiert. Die ganze Schweiz abzudecken würde mindestens 650'000 Franken kosten. Soviel Geld haben wir nicht und wollte ich auch nicht ausgeben.

Wieviel Geld haben Sie und was haben Sie ausgegeben?
Wir erhielten bisher 25'000 Franken an Spenden. Ausgegeben haben wir bis heute etwa 120'000 Franken. Die Differenz habe ich übernommen, indem ich dem Initiativverein ein entsprechendes Darlehen gab, wahrscheinlich ein A-fonds-perdu-Beitrag! Dazu kommen einige Aktionen in den Medien, welche Einzelpersonen direkt bezahlt haben.

Herr Hauser sagt, für die Unterschriftensammlung gäbe es keine Organisation. Wie sieht das aus?
Wir haben rund zehn ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich sende ihnen noch Fotos und ein Video auf dem man sieht, wie alles sauber geordnet und abgelegt ist. Die ganze Organisation hält im Vergleich zu jedem professionellen Anbieter stand. Ich habe noch nie so etwas gesehen. Die Leute haben sich ein halbes Jahr lang minutiös vorbereitet. Allen ein ganz herzliches Dankeschön.

Sie haben Ihre Organisation dem Komitee nie gezeigt.
Es fragte nie jemand nach den Büroräumlichkeiten und den Personen. Die Verantwortung lag und liegt allein bei mir. Das war aber von Beginn weg allen klar. Die Komitee-Mitglieder mussten sich nicht um den organisatorischen Kleinkram kümmern. Ebenfalls habe ich ihnen zugesichert, dass sie kein finanzielles Risiko übernehmen müssen.

80'000 Unterschriften haben Sie. Ist das nicht weniger, als Sie erwartet haben?
Es ist ganz klar unter meinen Erwartungen. Wir haben knapp 700'000 Unterschriftenbögen gedruckt und viele wurden über die Webseite bestellt. Wir sind auch viel unterwegs und erleben durchwegs positive Reaktionen. Aber es ist ganz komisch: Die ausgelieferten Bögen kommen nicht zurück. Ich habe dafür keine Erklärung.

Kommunikationsprobleme gab es offenbar auch zwischen Ihnen und dem Initiativkomitee.
Es stimmt, dass die Komiteemitglieder dieses Jahr von mir zwei, drei Monate lang nichts gehört haben. Dafür habe ich mich entschuldigt. Etwas anderes ist mir nicht bekannt.

Wie erklären Sie sich die Austritte von Julia Onken und Walter Hauser aus dem Komitee und deren Kritik?
Beide haben sich schriftlich zurückgezogen und ich habe mich bei Ihnen schriftlich für das Engagement bedankt. Dass nun plötzlich derartige Vorwürfe aus allen Ecken kommen, hätte ich nie erwartet. Ich bin sehr irritiert.

Sie haben keine Erklärung?
Wissen Sie, das ist, wie wenn Sie alleine mit einer Frau im Lift fahren und danach wirft sie ihnen sexuelle Belästigung vor. Da können sie sich auch kaum wehren. Ich bin es zwar gewohnt, dass man mich kritisiert. Das hat auch die Schwyzer Regierungsrätin Petra Steiner getan, so kurz vor den Wahlen. Wahrscheinlich kaum Zufall! Nach den Wahlen werde ich mit Walter Hauser und Julia Onken eine persönliche Aussprache suchen. Jetzt habe ich keine Zeit dazu. Erst danach kann ich mir ein Bild machen.

Wie gehen Sie mit der Kritik um?
Wir arbeiten weiter an der Initiative. Dann kommt am 18. Oktober 2019 die nächste Besprechung mit dem Bundesamt für Justiz. In der darauffolgenden Woche lade ich dann zu einer nächsten Sitzung ein. Aber das Ganze ist im Moment sehr schwierig. Seit Sonntag renne ich von Krisensitzung zu Krisensitzung und muss unsere Mitarbeitenden und Sammler beruhigen.

Mario Aldrovandi, Linth24
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