Essen & Trinken
05.10.2019
05.10.2019 15:44 Uhr

Genuss mit Dietiker: Bollinger Wümmet

Rebberg Bollingen, Andrea und Bruno Hug beim Wümmet 2019.
An schönster Lage präsentiert sich der Weinberg unterhalb dem Jahrhunderte alten Bollinger Kirchlein und dem Schulhaus. Doch der Ausblick auf den See ist etwas schöner als auf die Trauben. 2019 ist ein schwieriges Weinjahr.

Nachdem Verleger Bruno Hug das alte Schulhaus neben der Kirche Bollingen gekauft hatte, pflanzte er auf der Wiese unterhalb des Hauses einen Rebberg, der 2007 den ersten Ertrag an Pinot Noir brachte. Seither konnte der Hobbywinzer jährlich durchschnittlich 250 bis 300 kg Trauben ernten, was in etwa soviel 7-dl-Flaschen ergibt. Der «Bollinger» wird von Kennern geschätzt und in der «Fischerstube» zu Weesen und im «Dieci» in Rapperswil angeboten. Das meiste aber kredenzt Hug in der Familie und mit seinen Freunden.

Den "Bolliger" Pinot Noir vom Rebberg Altes Schulhaus gibt es seit 2007.

Viel Arbeit in den Reben

Der Aufwand für einen Weinberg ist nicht zu unterschätzen. Das Rebjahr erfordert bereits im Februar/März den Rebschnitt, bei dem die verholzten Triebe des Vorjahres geschnitten werden. Dann werden die Ruten sogfältig angebunden, die Triebe selektioniert und reduziert.

Im Mai/Juni wird eingeschlauft und danach die Traubenzone immer wieder ausgelaubt. Später müssen die neuen Ruten entfernt, respektive «ausgegeizt» werden. Anfangs August verfärben sich die Beeren bläulich. Dann ist es Zeit, die Ertragsregulierung vorzunehmen. Pro Stock lässt man im Bollinger Rebberg jeweils rund ein Kilogramm Trauben zur Reife kommen.

Zusammen mit der Bodenbearbeitung bedeutet das viel Handarbeit, die dem Hobbywinzer Bruno Hug im heutigen und im neu angepflanzten Rebberg etwa einen Tag pro Woche abverlangt. Fachmännisch unterstützt wird er von Daniel Ruoss und seiner Gemahlin Felicitas. Gekeltert werden die Pinot-Noir-Trauben beim bekannten Zizeser Weinbauern Manfred Meier in der Bündner Herrschaft.

Daniel und Felicitas Ruoss, die fleissigen Helfer und Rebbauspezialisten im Bollinger Rebberg, mit Bruno Hug.

Ein schwieriges Jahr

Dieses Jahr war «eines der schwierigen Weinjahre», sagt Bruno Hug. Nach einer extremen Trockenperiode im Frühling mit hohen Temperaturen kam der Regen und mit ihm ein Sommer mit stets viel Feuchtigkeit während der Nacht. Da hatten es der echte und der falsche Mehltau ein Leichtes, Blattwerk und Trauben anzugreifen.

Zudem trat heuer ab September die Suzuki-Essigfliege in vielen Rebbergen auf, welche vor etwa fünf Jahren in die Schweiz eingeschleppt wurde. Sie setzt ein Ei in die Beeren, woraus sich ein Würmchen entwickelt, das wieder zur Fliege mutiert, und dabei das Traubeninnere zerstört. Dagegen sind die Winzer bisher machtlos.

Bruno Hug hat sich deshalb entschlossen, die Reben dieses Jahr früher als sonst und folglich mit weniger Zuckergehalt schon Ende September abzunehmen. Deshalb wird er von dieser Ernte einen Rosé keltern lassen. „Ich freue mich darauf, auch einmal einen Rosé-Wein zu haben», sagt Hug und ergänzt: «Wenn ich sehe, wie sich das Wetter regenreich entwickelt, war der Entscheid richtig, die Trauben früher zu lesen und so eine doch noch zufriedenstellende Ernte einzufahren».

Wümmet am letzten Septembertag in Bollingen.

Umweltfreundlich und naturnah

Künftig wird in Bollingen aber noch weit mehr «gewinzert», als dies bis jetzt der Fall war.

Letztes Jahr konnte Hug unterhalb der Kirche, gleich anschliessend an seinen jetzigen Rebberg, einen Spickel Land erwerben. Nach ausgedehnten Recherchen entschloss er sich, hier pilzresistente Sorten anzupflanzen. Damit kann weitgehend auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden.

Am 25. April setzte er zusammen mit seinen Helfern im neuen, 35 Aren grossen Rebberg exakt 1503 neue Rebstöcke: Zwei Drittel Souvignier gris und ein Drittel Sauvignac-Trauben. In drei Jahren wird die erste Weissweinernte erwartet!

Dabei strebt Hug auch beim Weisswein eine hohe Qualtität an und wird die Trauben beim Klettgauer Spitzenwinzer Thomas Ruch vinifizieren lassen. «Es ist ein Gebot der Zeit, auch im Rebbau soweit wie möglich umweltfreundlich zu arbeiten», bekräftigt Hug. Er scheute keine Mühe, den Boden des neuen Rebbergs für eine hohe Diversität vorzubereiten. Und weil er von dieser Pionierarbeit überzeugt ist, wird er auch keine Benzinmotoren mehr einsetzen im Rebberg: «Sauber und ruhig – mit Akku.»

Das passt zur wunderbaren Lage am Obersee!

Der neue Rebberg, der an den bisherigen seit 2004 gehegte Rebberg unterhalb Kirche anschliesst.
Hansjörg Dietiker, Linth24