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Rapperswil-Jona
23.09.2020
24.09.2020 10:11 Uhr

Gratis-Hecke: «Selbstbedienungs-Laden Stadtverwaltung»

11’500 Franken mussten Steuerzahler für die Hecke zahlen, plus 2'500 für Entwässerung und Neuvermarchung.
Der Informant aus dem Stadthaus reicht neue Fakten zur 14'000-Franken-Hecke am Strandweg nach. Das Geschäft stinkt und muss rückgängig gemacht werden.

Von Bruno Hug

Das faule Geschäft mit der durch die Stadt bezahlten Hecke auf der Liegenschaft Mövenstrasse 11 am Strandweg von Rapperswil erregt grosses Aufsehen. Innerhalb von zwei Tagen wurde der Bericht auf Linth24 tausendfach gelesen. Und der Fall wird immer brisanter. Heute Morgen erhielt Linth24 vom im Stadthaus arbeitenden Informanten einen weiteren Brief. «Bleiben Sie dran an dieser Ungerechtigkeit», schrieb er, und: «Nach dem Eintreffen Ihrer Mails zur Hecke sind unsere Leute in der Stadtverwaltung sehr nervös geworden.»

Stadtpräsident wollte aus Schusslinie

Man habe «sofort intensiv versucht», mit dem Götti des Stadtpräsidenten, mit Ludwig Brühwiler, wegen der von der Stadt bezahlten Hecke, «ein gemeinsames Wording zu finden, um das Geschäft zu rechtfertigen».

Und Stadtpräsident Martin Stöckling habe seinen Untergebenen Josef Lacher, Leiter Tiefbau, «gebeten, ihn aus der Schusslinie zu nehmen». Das aber dürfte kaum gelingen. Denn dass der Stadtpräsident bei diesem Geschäft «in den Ausstand» getreten ist, entlastet ihn nicht.

Weg führt über das Präsidium

Erstens hat Stadtrat und Bauchef Thomas Furrer, den Linth24 zur Hecke als ersten per Mail befragt hatte, das Gegenteil ausgeführt. Furrer schrieb Linth24: «… lasst bitte die Bauverwaltung und den Werkdienst aus dem Spiel. … Was (in Sachen Hecke) genau und warum von der Stadt übernommen wurde, ging nicht über meinen Tisch. Mein Ressort hatte den Auftrag auszuführen. Der Weg führt über das Präsidium.»

Damit wird klar: Die Bauverwaltung musste ausführen, der Präsident war über das Geschäft zumindest informiert.

Präsident steht in Verantwortung

Und zweitens ist wohl jedermann klar: Der Stadtpräsident ist für das rechtliche und ethische Tun in seiner Verwaltung verantwortlich. Der Chef muss dafür geradestehen, wenn sein Götti 14'000 Franken an Steuergeld bekommt, weil in dessen Rasen einige Sträucher nicht mehr gewachsen sein sollen (…) oder sich dort «bei Starkregen» Wasserlachen gebildet haben (…) – was auf der ganzen Welt so ist.

Wegen einer derart zum Himmel stinkenden Argumentation muss die Öffentlichkeit einem Privaten nicht die von ihm ungesetzlich auf die Strandweg-Grenze gepflanzte Hecke versetzen!

Rundum faules Geschäft

Dass das Geschäft rundum faul ist, belegt nicht nur die Nervosität, die sich wegen der Linth24-Recherchen im Stadthaus ausbreitet. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass die Fragen von Linth24 nicht durch die Bauverwaltung beantwortet wurden, sondern durch die dem Stadtpräsidenten unterstellte Stadtkanzlei. Frage: Was hat diese mit der Bauerei und der Hecke zu tun?Obendrein stimmten die Aussagen von Tiefbauamt und Kanzlei nicht überein. Lacher vom Bauamt schrieb Linth24, die Stadt habe sich «als einmaliges Entgegenkommen … bei der Neupflanzung und Rückversetzung der Hecke … an den Gesamtkosten mit Fr. 11‘500.- beteiligt».

Offenbar wollte man anfänglich den Ball tief halten. Als Linth24 nicht lockerliess, gab die Stadtkanzlei dann zu, die Chose habe die Steuerzahler nicht 11'500 Franken, sondern einiges über 14'000 Franken gekostet. Bedenklich ist auch: Warum schleust die Verwaltung ein derart brisantes Geschäft mit tiefsten präsidialen Verstrickungen am Bauchef vorbei?

Alle anderen sind die Dummen

Es gebe «einen regen Mailverkehr zwischen dem Leiter Tiefbau, Josef Lacher, und dem Besitzer der Liegenschaft Mövenstrasse 11», schreibt der Informant aus dem Stadthaus weiter. Und ein Liegenschaftsbesitzer am Strandweg teilt Linth24 mit: Vor Jahren hätten alle Anrainer an diesem Spazierweg ihre Sträucher, städtisch verordnet, zurückschneiden oder -versetzen müssen. Nur der Besitzer der Mövenstrasse 11 habe nichts gemacht. Dabei hätte die Stadt ihn jederzeit zur Versetzung der Hecke zwingen können. Auch der Götti des Stadtpräsidenten dürfe seine Hecke nicht auf die Grenze eines öffentlichen Weges setzen – nun seien alle, die früher den Aufforderungen der Stadt nachgekommen seien, die Dummen.

Kommentar von Bruno Hug

«Grüsse aus dem Selbstbedienungsladen»

Der Informant aus dem Stadthaus beendet seinen heutigen Brief an Linth24 mit folgendem Satz: «Viele Grüsse aus dem Selbstbedienungsladen der Stadtverwaltung.»

Solches sollte den Politik-Verantwortlichen dieser Stadt mehr als zu denken geben. Für mich ist klar: Wenn der Fall der «14’000-Franken-Hecke» nicht durch eine unabhängige Instanz untersucht wird, wenn die Parteien nicht gegen solche Hallodri-Geschäfte und Machenschaften im Rathaus aufstehen und wenn das Geschäft nicht rückgängig gemacht wird, ist dieser Stadt unter dem aktuellen Stadtrat jeder Stolz und jede Ethik abhandengekommen.

Bruno Hug, Linth24