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Kanton
14.09.2019
15.09.2019 20:46 Uhr

«Wattwiler Spital Modell» kommt gut an

Der Wattwiler Gemeinderat schlägt das Modell «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» als Antwort auf die Spitalkrise vor.

Private, schweizweit anerkannte Leistungserbringer haben dem Gemeinderat Wattwil ihr Interesse bestätigt, im Modell «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» ihr Leistungsspektrum zu erbringen.

Der Gemeinderat Wattwil hat dem für die kantonale Spitalstrategie verantwortlichen Lenkungsausschuss Absichtserklärungen von mehreren möglichen Partnern und weitere Konkretisierungen zum Modell abgegeben.

  • Diese Woche hat der Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde die Halbjahresabschlüsse präsentiert.
  • Kommende Woche entscheidet der Kantonsrat über die Übergangsfinanzierung für die Spitalregion Fürstenland Toggenburg SRFT.
  • Und medial werden im Zusammenhang mit der Spitalstrategie immer wieder Spitalschliessungen als einzige Lösung propagiert.

Vor diesem Hintergrund ruft der Gemeinderat Wattwil in Erinnerung, dass er dem Lenkungsausschuss mit dem Modell der «Integrierten Gesundheitsversorgung Toggenburg» bereits Ende März 2019 als Alternative zum Schliessungs Szenario am Standort Wattwil einen Lösungsvorschlag für die langfristige Sicherung der Gesundheitsversorgung im Toggenburg vorgestellt hat.

Modell der Zukunft

«Die kurzfristig ausgerichtete Rettungsaktion von Verwaltungsrat und Regierung darf nicht zur Folge haben, dass unser Modell unter den Tisch fällt – umso mehr, als das Modell der Integrierten Versorgung langfristig ausgelegt ist und schweizweit als Modell der Zukunft gilt!», betont Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner.

Er weist darauf hin, dass die GDK, die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren mit der St.Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann an der Spitze, darin soviel Potenzial sieht, dass sie im Mai 2019 dazu einen umfangreichen Leitfaden herausgegeben hat.

Zukunftsmodell konkretisiert

Entscheidend ist für den Gemeinderat Wattwil, dass nicht nur das Spital in die Überlegungen einbezogen wird, sondern die ganze «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg». Gemäss dem Zielbild seines Modells bilden Innere Medizin, Altersmedizin und Psychosomatik das stationäre Basisangebot.

Zusätzlich sind diverse ambulante Angebote vorgesehen. Die Leistungserbringer würden auf eigene Rechnung arbeiten und sich in die Spitalimmobilien einmieten, die in eine Stiftung überführt würden. Der Lenkungsausschuss hatte den Gemeinderat bei der Präsentation des Modells Ende März aufgefordert, bis Ende Juni Absichtserklärungen von Partnern für die Umsetzung des Modells einzureichen.

Der Gemeinderat hat die Aufforderung des Lenkungsausschusses ernst genommen und gemeinsam mit seinen beigezogenen Experten konkrete Gespräche mit unabhängigen Leistungserbringern aufgenommen. Er konnte die geforderten Absichtserklärungen fristgerecht liefern. Ende Juli hat er dem Lenkungsausschuss zudem wie verlangt weitere Konkretisierungen zum Leistungsangebot und zur Überführung der Spitalliegenschaft in die Stiftung unterbreitet.

Dieses Angebots-Zielbild präsentierte der Gemeinderat Wattwil Ende März 2019 mit dem Modell der «Integrierten Gesundheitsversorgung Toggenburg».

Regierung in der Verantwortung

«Der Gemeinderat Wattwil hat bis heute sämtlichen Wünschen und Aufforderungen des Lenkungsausschusses Folge geleistet und das in seiner Macht Stehende getan, um konstruktiv zur Gewährleistung der Gesundheitsversorgung im Toggenburg beizutragen», fasst Alois Gunzenreiner zusammen. «Leider kommt das in der kürzlichen Antwort der Regierung auf eine Interpellation von Toggenburger Kantonsrätinnen und -räten nicht zum Ausdruck. Und leider wissen wir auch ein halbes Jahr nach der Präsentation immer noch nicht, ob und wie der Lenkungsausschuss unser Modell der Integrierten Versorgung geprüft und gewürdigt hat.»

Der Gemeinderat hofft trotzdem auf rasche Klärung, betont Alois Gunzenreiner: «Der einseitige Fokus auf die Schieflage der SRFT gefährdet die Gesundheitsversorgung im Toggenburg. Regierung und Spitalverwaltungsrat müssen ihre verfassungsmässige Aufgabe und Verantwortung wahrnehmen, die Gesundheitsversorgung im ganzen Kanton sicherzustellen – auch im Toggenburg mit seiner besonderen geografischen Ausgangslage.»

Klare Vorgaben definieren

Zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung befürwortet der Gemeinderat Wattwil die vorgesehene Übergangsfinanzierung, hält Alois Gunzenreiner fest: «Der Kantonsrat kann mit seiner Zustimmung einen Beitrag leisten zu einer geordneten Diskussion und damit die Basis legen für einen nachhaltigen Strategieentscheid.»

Zugleich hofft der Gemeinderat, dass der Kantonsrat Regierung und Verwaltungsrat in die Pflicht nimmt, keine weiteren Entscheide zu fällen, die dem laufenden Strategieprozess vorgreifen, Fakten schaffen und Unsicherheit oder Misstrauen schüren, wie dies in Wattwil mit Baustopp, Verlagerungen und Einstellung der Operationen mehrfach geschehen ist.

Spital für Regionalzentrum unverzichtbar

Das 130-jährige Spital Wattwil ist als wesentlicher Bestandteil für die medizinische Grund- und Notfallversorgung im Toggenburg mit seiner speziellen geografischen und topografischen Lage unverzichtbar.

Die Region ohne direkte Anbindung an eine Hauptverkehrsachse ist punkto medizinischer Versorgung gekennzeichnet von langen Anfahrtswegen und grossen Distanzen zu Zentrumsspitälern.

Erschwerend kommt hinzu, dass die hausärztliche Versorgung im Toggenburg unterdurchschnittlich ist. Die neue Ansiedlung von Hausärzten oder das Finden von Nachfolgern für Hausarztpraxen gestaltet sich entsprechend schwierig.

In diesem Zusammenhang weist Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner darauf hin, dass Wattwil in den Raumplanungs-Strategien sowohl des Bundes als auch des Kantons St.Gallen explizit als Regionalzentrum mit – je nach Funktion – einem Einzugsgebiet von 35'000 bis 100'000 Personen bezeichnet ist: «Regionalzentren wie Wattwil sind definiert als ‹Arbeitsstandorte mit Ausstrahlungskraft, welche die wichtigsten Einrichtungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Kultur, Politik und Verkehr beherbergen›.

Solch übergeordnete Strategien können nicht einfach ignoriert werden. Allein die rund 250 Stellen am Spital machen rund sieben Prozent der Arbeitsplätze in Wattwil aus. Deren Verlust würde einen volkswirtschaftlichen Schaden bedeuten.»

OM