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Amden
11.09.2020
11.09.2020 10:21 Uhr

«Ammler Bevölkerung hält in schwierigen Zeiten zusammen»

Peter Remek ist erst seit dem 1. Januar 2020 Gemeindepräsident von Amden und hofft natürlich auf eine Wiederwahl.
Peter Remek ist erst seit dem 1. Januar 2020 Gemeindepräsident von Amden und hofft natürlich auf eine Wiederwahl. Bild: Linth24
Gemeindepräsident Peter Remek gibt im Wahl-Interview preis, wie die Gemeinde am Anfang die Aufgaben der Corona-Krise unterschätzt hat und wieso er stolz auf die Bürger von Amden ist.

In Amden gibt es 4 Gemeinderäte plus den Gemeindepräsidenten Peter Remek, der erst seit dem 1. Januar 2020 im Amt ist. Für die 4 Gemeinderats-Sitze, die zu vergeben sind, stellen sich offiziell 6 Kandidaten zur Wahl, 2 bisherige und 4 neue.

Linth24: Mit welcher Metropole würden Sie Ihre Gemeinde vergleichen?

Peter Remek: Aufgrund der Höhenlage kommt mir Mexico-City in den Sinn. Wenn ich hingegen an schönen Tagen die Kfz-Kennzeichen in Amden anschaue, komme ich mir manchmal vor, als lebe ich in einem Vorort von Zürich. Aber im Ernst: Es ist schwierig, eine Gemeinde mit knapp 1800 Einwohnern mit einer Metropole zu vergleichen. Amden ist Amden, und da ich eher kein Stadtmensch bin, passt das sehr gut für mich.

Welches sind die wichtigsten Pendenzen Ihrer Gemeinde, die dringend angepackt werden müssen?

Ein sehr wichtiges Projekt ist die anstehende Totalrevision der Ortsplanung, da mit dieser die Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung von Amden festgelegt werden. Zu Beginn der neuen Amtsperiode muss zudem eine Lösung für das in die Jahre gekommene Alters- und Pflegeheim gefunden werden. Über kurz oder lang wird Amden meiner Meinung nach generell der Herausforderung gegenüberstehen, wie der Erhalt der heute bestehenden privaten Dienstleistungsinfrastruktur (Arztpraxis, Dorfläden etc.) sichergestellt werden kann. Persönlich sehe ich dies als aktive Aufgabe des Gemeinderates für die kommende Amtsperiode. Dem Tourismus kann bei der Lösung dieser Aufgabe eine wichtige Rolle zukommen.

Welche Schwierigkeiten bringt die Corona-Krise speziell für Ihre Gemeinde mit sich?

Das Vereinsleben spielt in Amden eine wichtige Rolle und ist während der Corona-Krise zeitweise praktisch zum Erliegen gekommen. In der Zwischenzeit sind die meisten Vereine mit entsprechenden Schutzkonzepten aber wieder aktiv. Die Corona-Krise hat aber auch gezeigt, dass die Bevölkerung von Amden in schwierigen Zeiten zusammenhält. So haben sich sehr viele Einwohner und sogar Zweitwohnungsbesitzer bei der Gemeinde gemeldet und angeboten, andere Personen während der Kries durch Freiwilligendienste zu unterstützen.

Welche für Sie persönlich?

Ehrlich gesagt habe ich die Aufgaben, die der Gemeinde während der Corona-Krise zugekommen sind, in der Anfangsphase stark unterschätzt. So hat der Kanton die Kontrolle der Gastwirtschaftsbetriebe an die Gemeinden delegiert. Bereits das Einlesen in die sich praktisch wöchentlich ändernde Covid-19-Verordnung des Bundes und die sich ständig ändernden Vorgaben des Kantons für deren Umsetzung, hat viel Zeit in Anspruch genommen. Neben dem Umstand, dass externe Betriebe und Veranstaltungen kontrolliert werden mussten, verfügt die Gemeinde mit der Gemeindeverwaltung, dem Alters- und Pflegeheim, dem Hallenbad und dem Museum über eigene Betriebe, für die jeweils ein Schutzkonzept erarbeitet und umgesetzt werden musste. Trotz Corona stand das Tagesgeschäft zudem nicht still. Dank der tatkräftigen Unterstützung sämtlicher Mitarbeitenden konnte die Krise aber gut bewältigt werden.

Unabhängig von Bund und Kanton: Welche Corona-Massnahmen würden Sie gerne für Ihre Gemeinde ändern?

Ich kann und möchte nicht beurteilen, welche Corona-Massnahme nun notwendig war und welche nicht. Die Bevölkerung von Amden hat während der Corona-Krise bislang ein hohes Mass an Eigenverantwortung gezeigt und ich bin mir sicher, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Welchen Kandidaten möchten Sie künftig unbedingt in Ihrem Gremium haben?

Die Zusammensetzung des Gemeinderats soll und muss von den Stimmberechtigten entschieden werden. Natürlich haben die persönlichen Eigenschaften, der Charakter sowie die politische Denkhaltung der einzelnen Gemeinderäte Einfluss auf die Zusammenarbeit im Gremium. Meiner Erfahrung nach sind es meistens Diskussionen, die bei strategischen Entscheiden zu wirklich guten und nachhaltigen Lösungen führen. Sowohl im Privatleben als auch im beruflichen Umfeld habe ich mich, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, zudem immer mit anderen Personen gefunden. Auch ich werde meine Stimme daher primär als Einwohner von Amden abgeben und nicht mit dem Hintergedanken, mit welchem Kandidaten ich am besten zusammenarbeiten kann.

Was würden Sie machen, wenn Sie überraschend nicht wiedergewählt werden?

Da ich keinen offiziellen Gegenkandidaten habe, wäre es natürlich enttäuschend, wenn ich das absolute Mehr im ersten Wahlgang nicht erreichen würde. Falls der Fall wider Erwartung doch eintrifft, wäre dies aber auch kein Weltuntergang für mich, da es mir leichtfällt, mich der jeweiligen Situation anzupassen und mich beruflich neu zu orientieren.

Gemeinden kommen zunehmend unter Druck. An jeder Ecke und für jedes Projekt lauern Einsprachen und Gegner. Hat sich die Welt des Regierens verändert und wenn ja, wie reagieren Sie darauf?

Gegen ein Projekt aktiv zu werden oder Einsprache zu erheben ist zunächst einmal mit Aufwand verbunden. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass Projekte in den meisten Fällen nicht per se, sondern nur dann bekämpft werden, wenn persönliche oder generelle Interessen nach Ansicht der Projektgegner oder Einsprecher nicht oder zu wenig berücksichtigt wurden. Die Einschätzung, dass der Druck auf die Gemeindebehörden und die Anforderungen an das Regieren zugenommen hat, teile ich.  Insbesondere bei eigenen Projekten der Politischen Gemeinden spielt die aktive und offene Kommunikation der Gemeindebehörden meiner Meinung nach zunehmend eine wichtige Rolle. Sowohl bei Entscheiden, von denen die Politische Gemeinde direkt betroffen ist aber auch bei Entscheiden, bei denen der Gemeinderat nur als Entscheidbehörde auftritt, ist es wichtig, dass die Entscheide gut vorbereitet sind. Einer starken Verwaltung kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu.

Gemeindewahlen im Linthgebiet

Alle Kandidatinnen und Kandidaten, die sich im Linthgebiet zur Wahl stellen, sehen Sie hier in der Übersicht von Linth24. Und die gesamte Wahlberichterstattung sowie Interviews mit den GemeindepräsidentInnen finden Sie im Linth-24-Wahlen-Dossier.

Sibylle Marti, Linth24