Lokalsport
17.08.2019

Zwei Kanuten aus der Region an der WM

Franziska Widmer und Andri Summermatter
Diese Woche beginnen für Franziska Widmer und Andri Summermatter in Ungarn die Kanu-Weltmeisterschaften. Ihnen bietet sich dort die Möglichkeit, Olympiatickets für Tokio zu ergattern – obschon sie mit ganz unterschiedlichen Ambitionen anreisen.

Es ist jener Traum, den wohl die meisten Sportler träumen: die Teilnahme an Olympischen Spielen. Für den Eschenbacher Andri Summermatter und die Jonerin Franziska Widmer entscheidet sich ab Donnerstag, ob dieser Traum demnächst Realität werden könnte. Denn im ungarischen Szeged findet nicht nur die Kanu-WM, sondern auch die Vergabe der meisten Quotenplätze für Olympia statt.

Auf den beiden stärksten Kajakfahrern des Landes liegen die Hoffnungen des Schweizerischen Kanuverbandes, auch wenn sie selbst etwas relativieren: «Es ist zwar vieles offen, aber ich sehe mich klar als Aussenseiter», meint Summermatter. Widmer sagt gar, dass die Olympiaqualifikation für sie dieses Jahr keine Priorität habe, sie schaue nur darauf, die bestmöglichen Rennen zu zeigen.

Dies überrascht, denn Widmer gelang anfangs Monat mit zwei zehnten Plätzen an der U23-WM ein Karrierebestresultat. «Die Konkurrenz kann man nicht miteinander vergleichen. Bisher habe ich an Elite-Weltmeisterschaften noch kein Halbfinale überstanden. Das muss für dieses Jahr das Ziel sein», sagt die 22-jährige gelernte Floristin. Seit drei Jahren widmet sie sich voll und ganz dem Sport. Für sie scheint sowieso klar zu sein – egal ob qualifiziert oder nicht –, dass sie nach Olympia 2020 weiterpaddelt. Ihr Weg soll sie nach Paris 2024 führen, schreibt sie auf ihrer Webseite.

«Es braucht ein Wunder»

Die Gedanken Summermatters kreisen momentan um andere Dinge. Es zählt nur heute und morgen. Für ihn bedeute die WM in Ungarn das wichtigste Rennen der bisherigen Karriere; sein halbes Leben lang trainiere er darauf hin, wie der bald 25-Jährige sagt. Nach einer Saison, die bislang nicht nach Wunsch verlaufen ist, weiss er aber auch: «Es braucht ein Wunder.»

Direkt qualifizieren sich im Einerkajak nur die ersten sechs der Welt. Einige Athleten treten aber in Einer- und Mannschaftsbooten an und könnten sich dadurch doppelt qualifizieren. Dadurch erhielten in der Vergangenheit oftmals mehr als nur die sechs Besten einen Quotenplatz an der WM. 

Anlass zu Optimismus

Dennoch gibt es auch Gründe, die dafürsprechen, dass Summermatter zum ersten Mal in der bisherigen Saison seinen Erwartungen gerecht werden kann. Mit seinem neuen Trainer Nicolas Siegenthaler besitzt er einen Erfolgscoach an seiner Seite. Dessen Aushängeschild Nino Schurter ist bekannt dafür, gerade an wichtigen Rennen Bestleistungen abzuliefern. «Dazu liebe ich die Strecke in Szeged. Dort gibt es das beste Publikum und die beste Organisation», ergänzt Summermatter. Tatsächlich säumten hier täglich über 10'000 Zuschauer die Strecke, als 2011 das letzte Mal eine Elite-WM dort stattfand.   

Dieses Jahr werden unter diesen Zuschauern rund 30 Schweizer sein. Sie wollen am Grossanlass mitfiebern, obwohl die Chancen auf Schweizer Olympiaplätze gering sind. Gerade bei Widmer darf man aber gespannt: Sie startete diese Saison weder am Weltcup noch an der EM und trifft deshalb erstmals an der WM auf die besten der Welt. An kleineren Regatten paddelte sie diese Saison mehrfach auf das Podest und holte wichtiges Selbstvertrauen. Eine Grundvoraussetzung, um Träume zu verwirklichen.

Fabio Wyss