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Kultur
06.09.2020
05.09.2020 22:56 Uhr

Vom öden Riedland zur fruchtbaren Landschaft

Da zur Zeit des 2. Weltkrieges Treibstoffe kaum erhältlich waren, wurden elektrobetriebene Maschinen bei den Meliorationsarbeiten eingesetzt – im Vordergrund rechts NOK-Stromkabel. (Bild: Heinrich Schmid)
Das Marchmuseum im Rempen zeigt eine neue Sonderausstellung über die Melioration der Linthebene im Zweiten Weltkrieg. Die Vernissage findet am Sonntag, 13. September, statt.

Die im April vorgesehene Vernissage zur Sonderausstellung über die Melioration der Linthebene im Zweiten Weltkrieg konnte aus Sicherheitsgründen (Corona-Pandemie) nicht durchgeführt werden. Die Vernissage wird nun nachgeholt und findet im Marchmuseum im Rempen oberhalb Siebnen am Sonntag, 13. September, 13:30 Uhr statt.

Die Sonderausstellung befasst sich speziell mit Nationalrat Erhard Ruoss (1901-1958). Er gilt als «Initiant und Förderer der Linthmelioration». Für die Konzeption und die Gestaltung der neuen Schau zeichnet Stefan Paradowski, Agentur für Kunst- und Regionalgeschichte, Lachen, verantwortlich.

Grösstes Bodenverbesserungswerk der Schweiz

Nach dem Ersten Weltkrieg riefen Arbeitslosigkeit und Lebensmittelknappheit gebieterisch nach Erschliessung von neuem Kulturland und lenkten die Aufmerksamkeit auf die brachliegenden versumpften Böden im Linthgebiet.

1921 lag ein erstes Projekt vor, das bei Gemeinden und Grundbesitzern auf Skepsis stiess. Das Vorhaben enthielt jedoch mit der Gewässerkorrektion, der Entwässerung, der Güterzusammenlegung und der Besiedelung schon fast alle Massnahmen, die später in den Vierzigerjahren mit dem «Plan Wahlen», auch als «Anbauschlacht» bezeichnet, umgesetzt wurden.

Dabei spielte die Linthregion, die vom Bundesrat als die «grösste Ebene unseres Landes» bezeichnet wurde, eine besondere Rolle, zumal die Linthebene-Melioration als «das grösste Bodenverbesserungswerk der Schweiz» galt. Auch sah man darin die Vollendung des Werks von Hans Conrad Escher, der Linthkorrektion (ab 1807).

Nationalrat Erhard Ruoss (1901-1959), Gemälde, 1963 posthum entstanden. (Foto: Stefan Paradowski)

Vater der Linthebene-Melioration

1936 reichte Nationalrat Erhard Ruoss (1901-1959), Buttikon, ein Postulat mit der Frage an den Bundesrat ein, ob nicht das Meliorationsprojekt aus dem Jahr 1921 verwirklicht werden könnte.

Dieser Vorstoss in Bern verhiess Beschäftigung für 600 Mann auf 3 bis 4 Jahre und Ansiedelungsmöglichkeit für über 100 Familien.

400-500 Hilfskräfte im Einsatz

Anfang 1939, unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erliess die Bundesversammlung das «Bundesgesetz über die Melioration der Linthebene».

Unter der Federführung des Kriegsernährungsamtes wurden dann die Ziele des Anbauplans zur Erhöhung der Eigenproduktion definiert: Ausweitung des Ackerbaus, Reduzierung der Viehzucht und Rationierung der Lebensmittel.

Infolge der Aufgebote für den Aktivdienst ergab sich anfänglich starker Mangel an Arbeitskräften. So kamen in der Linthebene – neben 70 Angestellten im Monatslohn – Landdienstpflichtige, Taglöhner, Frauen, Kinder (jeweils im Herbst) und 100 bis 150 Internierte aus dem «Polenlager» in Reichenburg zum Einsatz.

Nach der Melioration der Linthebene: Haferfeld. (Bild aus: Melioration der Linthebene – Schlussbericht, 1965)

Der Anbau setzte 1942 ein. Von den meliorierten Böden hat die Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft SVIL in der Region Linth rund 460 ha in Kultur genommen und führte darauf in 12 Pflanzwerken den Pflichtanbau von 84 Firmen durch. Während der Saat- und Erntezeit waren oft 400-500 Hilfskräfte im Einsatz.

Kurzinfo

Anlass: Vernissage zur Sonderausstellung «Linthebene-Melioration»
Termin: Sonntag, 13. September 2020, 13:30 Uhr
Ort: Marchmuseum, Kraftwerkzentrale Rempen, Wägitalstrasse 2, 8857 Vorderthal

Stefan Paradowski, Agentur für Kunst- und Regionalgeschichte, Lachen