Linthgebiet
26.07.2019

Chandiramanis Börsenwoche Nr 30

Erwartungen auf Zinssenkungen, die Wahlen des neuen britischen Premierminister Boris Johnson, einige Unternehmensmeldungen und die Sommerhitze waren die Hauptthemen der vergangenen Woche.

Die Augen der Marktbeobachter waren in der Berichtswoche hauptsächlich auf die Europäische Zentralbank (EZB) gerichtet. Nachgebende Wirtschaftsdynamik in Europa, die Verschuldung Italiens und Griechenlands, sowie die anhaltende Phase einer Nullinflation nährten die Erwartungen auf baldige Senkung der Leitzinsen. Aber EZB-Präsident Mario Draghi schob den Entscheid hinaus auf den September - für ein Schlussbouquet seiner Amtszeit.

Mit dieser Verschiebung entlastete er auch seinen Kollegen unserer Nationalbank (SNB). Thomas Jordan war wegen des sinkenden Eurokurses zum Frankenunter Druck geraten, der sogar unter die psychologisch wichtige Marke von CHF 1.10 fiel. Mit dieser Nachbarschaftshilfe erholte sich auch der Euro wieder. Die Probleme sind jedoch nicht gelöst.

Eigentlich ist der Franken immer noch überbewertet und bremst Export und Tourismus. Verändert die SNB den Negativzins von 0.75 auf 1.0 Prozent, blüht zwar unsere Exportwirtschaft wieder auf und die Hauseigentümer kommen zu noch günstigeren Krediten, aber Sparer und Pensionskassen würden dadurch noch weiter schleichend «enteignet».

Ein weiterer Fixpunkt, auf den alle gespannt gewartet hatten, war die Wahl des neuen britischen Premierministers Boris Johnson, eines Bexit-Hardliners. In den Medien war sogar von einem «kleinen Bruder im Geiste Trumps» die Rede. Ihm und seinen Regierungskollegen wird nachgesagt, dass sie mit der EU hart verhandeln - auf Konfrontationskurs - und auch ohne Austrittsvertrag bereit wären, die Union im Oktober 2019 zu verlassen. Das dürfte die Beziehungen zur den europäischen Nachbarn nochmals stark belasten. Somit steht ein «heisser Herbst» bevor.

Trotz Sommerflaute gab es einige Unternehmensmeldungen. Die Halbjahresergebnisse von Nestlé, Roche und Lonza gefielen. Dagegen überzegten die Zahlen von Sila, UBS und Clariant nicht und führten zu Gewinnmitnahmen. Die Aktien des Basler Chemiekonzerns fielen sogar massiv, nachdem eine Kooperation mit dem saudischen Partner Sabic nicht zustande gekommen war. Einzelne Halbleiterwerte (z.B. AMS) verbesserten sich aufgrund guter Meldungen aus den USA.

Aussichten

Die Sommerhitze war Gesprächsthema Nummer eins. Eigentlich wäre das nicht börsenrelavant. Aber auf den zweiten Blick dürfte diese Klimadiskussion unsere Parlamentswahlen beeinflussen und den Staat bei neuen Steuern auf Energie und Treibstoffen beflügeln.

Es gibt Gutachten und Gegengutachten. Klimaaktivisten wollen noch weiter gehen. Dies geht vom Flug- Auto- und Ölheizungsverbot bis zu einem Untersagen des Haltens von Haustieren. Das geht sicher zu weit, aber einig ist man sich auf jeden Fall über einen schonender Umgang mit der Natur. Ob allein Steuererhöhungen Abkühlung bringen, ist jedoch umstritten.

In Zukunft müssen wir vermutlich einfach besser mit der Hitze umgehen können. Die Architektur dürfte sich beispielsweise verändern, ebenso die Begrünung der Städte oder die Pflanzung von robusteren und hitzebeständigeren Flora.

Generell dürftem neue Technologien aufkommen. Vermutlich gibt es auch Änderung der Arbeitsgesetze. So sollte man im Sommer den Arbeitstag früher beginnen können, wenn die Temperaturen kühler sind. Umgekehrt müsste insbesondere die Bauindustrie die Arbeit beenden können, bevor die grösste Tageshitze einsetzt.

Christopher Chandiramani