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19.07.2019
20.07.2019 06:21 Uhr

Chandiramanis Börsenwoche Nr 29

Wachstumsabschwächung in China, der Höhenflug von Novartis und die Wahl von Ursula von der Leyen als Präsidentin der EU-Kommission standen diese Woche im Fokus der Wirtschaft.

Während der Berichtswoche schwankten vor allem in den USA die Börsengefühle zwischen Erwartungen auf Zinssatzsenkungen, der Irankrise, dem Handelsstreit und der einer spürbaren Wachstumsabschwächung in China auf «nur noch» knapp über 6 Prozent. Aber die Schweizer Börse startete fast turbomässig in die dritte Juliwoche. Auch an den Folgetagen konnte sich der positive Trend fortsetzen. Einzig am Freitag kam es zu kleineren Korrekturen.

Dank guter Entwicklung der defensiven Indexschwergewichte (SMI-Titel, v.a. Nestlé und Basler Pharma, speziell Novartis) entwickelten sich überdurchschnittlich und die magische Marke von 10‘000 SMI-Punkten wurde am Donnerstag wieder vorübergehend überschritten. In den USA bereitete die Situation des Flugzeugherstellers Boeing etwas Sorgen (fünf Milliarden Dollar Rückstellung für Flugzeuge des Modells 737 Max wegen Konstruktionsschäden.

Ferienbedingt gab es nur einige wenige Zwischenberichte, aber zumeist positive. Speziell überraschten die guten Zahlen und Aussichten von Valora, Swatch und Novartis und beflügelten den ganzen Aktienmarkt (Indexgewichtung Novartis 20%). Auch die Grossbanken erhielten zeitweise Rückenwind von der Entwicklung der amerikanischen Branchenvertreter J.P. Morgan und Goldman Sachs.

Gute Halbjahreszahlen der liechtensteinischen LLB und der Zuger KB beweisen auch, dass es den Regional- bzw. Kantonalbanken trotz tiefem Zinsdifferenzgeschäft gut geht. Handelserträge lagen über den Erwartungen und die verwalteten Vermögen stiegen dank guter Börsenentwicklung im ersten Halbjahr 2019. Die Kursschwäche von einigen Industriewerten waren eher Einzelfälle und nur vorübergehend. Aktien der Riechstoff- und Aroma-Herstellers kamen aber etwas unter Druck nach einer verhaltenen Prognose des Managements bezüglich Margenentwicklung.

Aussichten

Vor wenigen Tagen wurde die in Belgien geborene deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen knapp als neue EU-Kommissionspräsidentin gewählt, bzw. Nachfolgerin von Jean-Claude Juncker. Amtsantritt ist im Spätherbst, voraussichtlich der 1. November 2019. Da wird nun die Frage gestellt, wie sich das zukünftige Verhältnis der Schweiz zur EU entwickeln wird.

Auf alle Fälle hat sich die neue Präsidentin sich um verschiedene «Baustellen» in Europa zu kümmern, beispielsweise die Finanzpolitik, das Zuwanderungswesen (Mittelmeer-Flüchtlinge ganz speziell), Grossbritanniens Austritt aus der EU (Brexit), und schlimmstenfalls sogar eine Spaltung zwischen Nord- und Südeuropa.

Ob sie härter oder milder der Schweiz gegenübertritt, hierzu haben sich die Beobachter noch nicht konkret geäussert. Vermutlich hat die Schweiz durch diesen Wechsel etwas Zeit gewonnen. Die Chancen für Nachbesserungen  beim Rahmenvertrag sind offenbar nicht schlechter geworden. Aber die Nicht-Anerkennung des Börsenäquivalenz bleibt vorläufig noch eine Weile bestehen.

Christopher Chandiramani