Reisen
13.07.2019
10.08.2019 05:07 Uhr

Genuss mit Dietiker: Abstecher ins Burgund

Für einmal verlässt Linth24 Kolumnist Hansjörg Dietiker die heimmischen Gefilde und geniesst das Burgund.

Die Côte de Beaune ist der südliche Teil der illustren Côte d’Or. Zwischen Beaune und Santenay reiht sich über 20 km Rebberg an Rebberg der berühmten Lagen. Die Dörfer dazwischen heissen Volnay, Pommard, Puligny und Chassagne Montrachet – Namen, die jedem Weinfreund den Gaumen schmelzen lassen.

Chasse Vélo

Wir erkundeten die Côte de Beaune per Velo bei strahlendem Sonnenschein. Die „Vois vertes“ führen frei von Autoverkehr durch die Rebberge und Dörfer oder gemütlich entlang des Canal du Centre. Absolut erholsam für entdeckungsfreudige Wein- und Naturfreunde, die auch ein gutes Glas Wein und eine traditionelle Küche schätzen.

Der Weinbauan der Côte d’Orwurde bereits zur Zeit der Römerbegründet, Das Städtchen Beaune mit etwas über 20'000 Einwohnern ist ein vielbesuchter Touristenort. Gaststätte reiht sich an Weinkeller, an Läden und Hotels. Die etwa zwei Kilometer lange, kreisrunde Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert umgibt die Altstadt. Sehenswert ist die Basilika Notre Dame, ein Hauptwerk der burgundischen Romanik. Auch eine Führung im Hospice oder in der grössten Weinkellerei Patriarche (5 km Keller!) lohnt sich.

 

Cathédral

Im Restaurant La Ciboulette (69 Rue Lorraine) assen wir ein ausgezeichnetes Charolais. Ein Muss im Burgund – das Stück Rindfleisch von der kräftigen Charolais-Rasse!

Charolais

In jedem Dorf auf der „Route des grands crus“ gibt es ungezählte Kellereien, wo man auch degustieren kann. Selbstverständlich haben die 1er Grand cru stolze Preise, denn sie sind rar und auf der ganzen Welt geschätzt. Es gibt aber durchaus bezahlbare Tropfen, die die Eleganz der Burgunder Weine erschliessen. Wir kommen darauf zurück.

Grands Crus Volnay

In den ersten beiden Dörfern dominieren die Rotweine mit der Traubensorte Pinot noir. Vonay zählt rund 300 Einwohner mit rund 200 Hektaren Reben, wovon 132 ha Premiers crus Lagen. Pommard verfügt über 28 Premiers crus Lagen von insgesamt 125 Hektaren.

Pommard

Anschliessend folgt Meursault, eine Gemeinde mit rund 1500 Einwohnern und 1622 ha Rebberge. Hier wachsen einige der edelsten Weissweine Frankreichs, die fast ausschliesslich aus der Traubensorte Chardonnay gekeltert werden. Mein Liebling ist der Premier cru Les Genevrières, den man allerdings mit grosser Zurückhaltung geniessen sollte in Anbetracht seines Preises...

Meursault

Und dann erreicht man die beiden Ortsteile von Montrachet, Puligny und Chassagne mit je rund 4 ha Reben, was die zum Teil exorbitanten Preise dieser Grand cru Lage erklärt. Vom Schriftsteller Alexandre Dumas wird die Aussage überliefert, den Wein von Montrachet müsse man auf Knien und mit gezogenem Hut trinken.

Puligny

Am südlichen Ende der Côte de Beaune liegt Santenay, dessen Weinberge 390 ha bedecken. Jährlich werden 1,5 Millionen Flaschen produziert, davon 95% Rotwein (Pinot noir). Im knapp 1000-Seelen-Dorf gibt es sogar ein Casino!

Gut gegessen haben wir im „Le Terroir“ auf dem zentralen Springbrunnenplatz (3-Gang-Menu ab 28 Euro).

Terroir

Im Anschluss an die Côte de Beaune liegt abseits des Touristenstroms das Terroir „Les Marranges“. Wir wohnten im verträumten Dorf Sampigny in einem blitzsauberen Hausteil mit zwei Zimmern, Bad, Kochnische und Balkon. Zu buchen unter airbnb  „Détente et Quiétude“ für 71 Euro pro Nacht inkl. fantastisches Frühstück und zwei moderne Fahrräder. André ist ein wunderbarer Gastgeber, der mit zuverlässigen Ratschlägen für Ausflüge, Restaurants und Kellereien nicht geizt.

Er führte uns auch zu Regnard, einem jungen aufstrebenden Weinbauer, wo wir uns durch sein Angebot degustierten. Hier konnten wir endlich unseren Kofferraum füllen – seine Preise sind deutlich humaner als in der benachbarten Côte de Beaune! Wir entschieden uns für den weissen Alltagswein Bourgogne Aligoté für 7.30 €, den Bourgogne Chardonnay  à 9 € und seinen Chassagne-Montrachet à 28 € (!). Dazu einen roten Chassagne-Montrachet für 20 €, einen Santenay à 14  € und einen Maranges 1er cru à 14.50 €. Santé!

Regnard
Hansjörg Dietiker